Mitrovica: Die Mauer fällt

Blick auf den nördlichen Stadtteil von Mitrovica im Norden des Kosovo, in dem vorrangig Serben leben. [Foto: Giannis Papanikos/shutterstock]

Als Zeichen ihres guten Willens haben die serbischen Behörden in der geteilten kosovarischen Stadt Kosovska Mitrovica eine erst vor kurzem von ihnen errichtete Mauer wieder abgerissen.

Wie ein AFP-Reporter berichtete, zerstörten mehrere Arbeiter mit zwei Baggern am Sonntag die rund hundert Meter lange und zwei Meter hohe Mauer unweit der symbolisch wichtigen Brücke über den Fluss Ibar.

Serbien und Kosovo setzen auf Deeskalation

Serbien und Kosovo wollen ihre Spannungen abbauen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich ermutigt von den Gesprächen.

Der Fluss teilt die Stadt in einen überwiegend von Serben bewohnten Norden und den von der albanischen Bevölkerungsmehrheit bewohnten Süden. Nach den Worten des Bürgermeisters von Nord-Mitrovica, Goran Rakic, sollte die Mauer eine neue Fußgängerzone unweit der Brücke schützen. Die Regierung in Pristina sah in der Mauer jedoch ein Symbol für den Willen der Serben, die Spaltung der Stadt zu betonieren.

In jüngster Zeit hatten sich die Spannungen zwischen Serbien und seiner ehemaligen Provinz Kosovo wieder deutlich verschärft. Auf Vermittlung der EU einigten sich beide Seiten dann aber vor knapp zwei Wochen, ihre Bemühungen um eine Normalisierung ihrer Beziehungen wieder zu verstärken.

Serbien und Kosovo: Spannungen wegen Propagandazug

Serbien stoppt nach Protesten die Wiederaufnahme des Zugverkehrs ins Kosovo.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini lobte am Sonntag die „konstruktive“ Haltung Serbiens und des Kosovo. Der Abriss der Mauer trage zur Aussöhnung von Serben und Albanern bei, erklärte sie in Brüssel.

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad ist Voraussetzung für den von Serbien angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Auch das Kosovo strebt die Aufnahme in die EU an. Die Gespräche über eine Normalisierung des Verhältnisses beider Seiten begannen 2011 – zuletzt hatten die Beziehungen jedoch einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Serbiens Weg in die EU ist ein langer

Serbien ist in zuletzt zurück ins mediale Bewusstsein gerückt, als es seine Grenzkontrollen in der Flüchtlingskrise verschärfte. Der Balkanstaat, der Teil der wichtigsten Fluchtroute nach Europa ist, ist bereits von einigen Mitgliedsstaaten der EU als „sicherer Herkunftsstaat“ ausgewiesen. Doch Serbiens Weg in die EU ist gepflastert mit Problemen.

Die zu mehr als 90 Prozent von ethnischen Albanern bewohnte ehemalige serbische Provinz war nach dem Kosovo-Krieg der Jahre 1998 und 1999, bei dem 13.000 Menschen starben, unter internationale Verwaltung gestellt worden. Im Jahr 2008 erklärte sich das Kosovo einseitig für unabhängig von Serbien. Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit jedoch nach wie vor nicht an.

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