Neues EU-Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft [DE]

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Die Europäische Kommission hat zwei neue Ermittlungsverfahren gegen Microsoft in die Wege geleitet. Der Konzern steht im Verdacht, seine dominante Marktstellung auszunutzen, da er eine Reihe seiner Produkte – wie den Internet Explorer – unrechtmäßig an sein Betriebssystem Windows knüpft und da er es ablehnt, seine Produkte mit denen von Konkurrenten kompatibel zu machen.

Microsoft ist in Europa bereits für seine Weigerung Informationen zur Interfunktionsfähigkeit offen zu legen, sowie für die Anknüpfung seines Media Players an das Betriebssystem Windows verurteilt worden (siehe EURACTIV vom 23. Oktober 2007).

Nun wird die Kommission weitere vermutlich unfaire Praktiken untersuchen. In einer Pressemitteilung vom 14. Januar 2008 zählte sie die folgenden Produkte als Gegenstand ihrer Untersuchung auf, die nicht zwangsläufig zu einer Verurteilung von Microsoft führen wird. 

Offenlegung der Interfunktionsfähigkeit:

  • Office Suite: Microsoft steht im Verdacht, sich wettbewerbswidrig zu verhalten, da der Konzern geheime Informationen über seine meistgenutzte Software, wie Word, Excel, PowerPoint and Access, für sich behält. Dies führt dazu, dass diese nicht mit anderen Produkten kompatibel sind, die von Wettbewerbern hergestellt werden. Da Microsoft somit die dominierende Stellung auf dem Softwaremarkt einnimmt, schaden diese Praktiken anderen Herstellern.
  • Server-Produkte: Die Software für die Benutzung gewöhnlicher Programme, wie Microsoft Outlook, läuft mit Hilfe externer Software in weit entfernten Servern. Die Kommission wird die Interfunktionsfähigkeit dieser Produkte, einschließlich Microsoft Exchange, eines der bekanntesten Produkte, untersuchen.
  • .Net  ist eine Programmiersprache, die von Microsoft für den Aufbau seiner Software benutzt wird. Die EU-Untersuchung wird versuchen nachzuweisen, ob dieser Code so konstruiert ist, dass er Wettbewerber davon abhält, ihre eigenen Programmiersprachen frei zu entwickeln. Java ist eine der berühmtesten Alternativen zu .Net und wird von Sun Microsystems entwickelt.

Illegale Zusammenschaltung: 

  • Internet Explorer: Der berühmte Browser, der an das Betriebssystem Windows gebunden ist, könnte den Wettbewerb, der von anderen Browsern ausgeht, beeinflussen.
  • Desktop-Suchsoftware: Die Entwicklung Microsofts von Programmen, die gleichzeitig den Desktop und das Internet durchsuchen können, wird von den EU-Kartellbehörden in Frage gestellt.
  • Windows Live: Die Anbindung der Suchmaschine von Microsoft an seine Betriebssysteme könnte den Wettbewerb beeinflussen.

Die neue Maßnahme folgt einer Beschwerde des European Committee for Interoperable Systems (ECIS) vom Februar 2006 sowie von Opera, einem Software-Unternehmen, im Dezember 2007 (EURACTIV vom 14. Dezember 2007).

ECIS vereint die größten Konkurrenten Microsofts, wie Sun Microsystems, IBM, Adobe und Oracle. Der Interessenverband hatte hauptsächlich gegen die Inkompatibilität der von Microsoft entwickelten Produkte Beschwerde eingereicht. Gestern hieß es, ECIS begrüße die Ankündigung der Kommission als einen notwendigen Schritt, damit sichergestellt werden könne, dass Microsoft die Wettbewerbsregelungen befolge.

Opera hat die Kommission dringend gebeten, gegen die Anbindung des Internet Explorers an Windows vorzugehen. ECIS hat diese neue Beschwerde umgehend unterstützt. Opera ist Mitglied des ECIS.

In einer Stellungnahme hat Microsoft erklärt, man werde während der Untersuchung der Europäischen Kommission vollständig kooperieren.

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