Kleine Stromerzeuger: „unüberwindbare“ Hindernisse auf EU-Energiemarkt [DE]

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Anlässlich der offiziellen Öffnung der Strom- und Gasmärkte der EU am 1. Juli 2007 hat sich eine Gruppe von Erzeugern erneuerbarer Energien bei der Kommission und den europäischen Regulierungsbehörden beschwert, dass mangelnde Transparenz und ein versperrter Zugang zu den Energienetzen sie daran hinderten, am Wettbewerb teilzunehmen.

Gemäß der kleinen und mittleren Stromerzeuger, einschließlich Anlagen für Solar-, Wind-, Wasserenergie und Biomasse, ist ein dezentralisierter Energiemarkt eine Voraussetzung, um die ehrgeizigen Ziele für erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu erreichen, das von den Staats- und Regierungschefs der EU während dem Europäischen Rat im Frühjahr 2007 festgelegt wurde.

Diese „kleinen Stromerzeuger“ beschweren sich, dass ihnen die derzeitige Regulierungsstruktur in einer Reihe von Mitgliedstaaten den Zugang zu lauterem Wettbewerb verweigere und beschränke. Sie fordern eine transparente Straffung und Standardisierung des Netzzugangs überall in Europa.

Dennoch sind nicht alle der Meinung, dass eine Dezentralisierung den vollen Nutzen bringe.

Einige Befürworter eines stärker zentralisierten Modells argumentieren, dass die Lieferung von Energie ein staatlicher Dienst sein sollte, der vor unvorhersehbaren Marktkräften geschützt werde. Eine dezentralisierte Erzeugung werde zu massiven Preisfluktuationen und möglicherweise zu Versorgungsstörungen führen, aufgrund mangelnder Übersicht im Vergleich zu einem zentralisierten Netz.

Um die Behauptungen, dass eine Liberalisierung und Dezentralisierung zu unmittelbaren Preiserhöhungen führen werde, zu widerlegen, teilte die Kommission in einer Pressemitteilung vom 1. Juli 2007 mit: „Es ist unrealistisch, anzunehmen, dass die Energiepreise unabhängig von externen Faktoren immer niedrig bleiben. Allerdings sorgen offene, von Wettbewerb bestimmte Märkte dafür, dass die Preise für die Endverbraucher, einschließlich der energieintensiven Industrien, so niedrig wie möglich sind.”

Greenpeace spricht sich deutlich für eine Dezentralisierung aus. Entscheidend sei nun, dass es genügend zu gemeinsamen Nachdenken der zahlreichen staatlichen Behörden komme, um die dezentralisierte Energieproduktion rasch wachsen zu lassen, sodass die Klimaziele und andere Vorhaben bis 2020 pünktlich erreicht werden könnten. Die NGO ist weiterhin der Meinung, dass das Vorgehen künftig in der Regel von einer ineffizienten zentralisierten Energiegewinnung, bei der ein Großteil der Energie ‚verloren’ ginge, wegführen werde. Dies sei ein Prozess, der bereits durch Kraftstoffknappheit, ansteigende Preise sowie andere Umweltschutzauflagen wie Emissionsbegrenzungen gefördert werde.

Antoine Pellion, Bauingenieur an der Ecole des Mines in Paris, sagte, hinter der Förderung der dezentralisierten Erzeugung stehe es das Problem eines optimalen Erzeugungsparks, der die derzeitigen europäischen Bedingungen erfülle: Erhaltung der staatlichen Dienste, Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs um Sicherheit der Energieversorgung gewähren, sowie die Reduzierung der Emissionen. Dies könne langfristig kaum mit niedrigeren Energiepreisen kompatibel sein.

Die Gruppe der europäischen Regulierungsbehörden (ERGEG)  teilte mit, dass sie die Arbeit der beiden gemeinschaftlichen EU-Projekte– ELEP und DG-GRID – anerkenne. Doe Projekte stellen fest, wo die Hindernisse für die ‚dezentrale Stromerzeugungsanlagen’ liegen. Während des Stromausfalls vom 4. November 2006 habe der Ausfall vieler dezentraler Stromerzeugungsanlagen, hauptsächlich Wind- und CHP [Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen], laut ERGEG die Störungen bei der Stromversorgung verschlimmert. Der Bericht der ERGEG von Februar 2007 zu dem Ausfall enthalte eine Reihe von Empfehlungen einschließlich  harmonisierter Verbindungsregelungen für dezentrale Stromerzeugungsanlagen, sowie für eine bessere Kontrolle zumindest im Verlauf von Störungen oder ungewöhnlichen Arbeiten des Energiesystems. Die Regulatoren legten derzeit ihre Prioritäten für ihr Arbeitsprogramm für 2008 fest. In Beratungsgesprächen mit der Europäischen Kommission würden die europäischen Regulatoren über den Umgang mit dezentralen Stromerzeugungsanlagen nachdenken.

Der Fortschritt in Richtung Dezentralisierung – oder Mikroerzeugung – vollzog sich bisher für die Befürworter der Liberalisierung zu schleppend: Viele Märkte bleiben von großen, monopolistischen Anbietern dominiert (siehe LinksDossier über Liberalisierung des Energiebinnenmarktes).

Öffnung und Dezentralisierung waren die Themen einer Debatte zwischen Experten während einer Konferenz am 26. Juni 2007 in Brüssel (EURACTIV vom 27. Juni 2007).

Zu den Unterzeichnern des gemeinsamen Briefs zählen der Europäische Rat für Erneuerbare Energien (European Renewable Energy Council, EREC), die European Hydrogen Association (EHA) und Cogen Europe.

  • 5. Juli 2007: Kommission wird eine neue Initiative über die Rechte der Energieverbraucher vorlegen (für eine künftige ‚Energiecharta’).
  • 12. Juli 2007: Abstimmung in der Plenarsitzung des Parlaments über den Bericht zum Gas- und Strombinnenmarkt.
  • Herbst/Winter 2007: Kommission soll weitere Öffnung der Energiemärkte vorschlagen.

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