EU prüft Umstrukturierung des Marktes für digitale Landkarten [DE]

Die Europäische Kommission hat entschieden, die möglicherweise negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb näher zu untersuchen, die zwei Fusionen haben könnten, die den Duopol-Markt für digitale Navigationskarten neu strukturieren sollten. Letztere sind ein wesentlicher Bestandteil der immer weiter verbreiteten Navigationsdienste.

Bei den beiden Fusionen, die geprüft werden, handelt es sich um die geplante Übernahme von Navteq durch Nokia sowie von Tele Atlas durch Tom Tom. Der finnische Konzern Nokia ist weltweit führend bei der Herstellung von Mobiltelefonen und ist zunehmend auf dem Markt für über Mobiltelefone vertriebene Navigationsdienste vertreten. 

Die Übernahme des US-Unternehmens Navteq würde es Nokia ermöglichen, für die Navigationsdienste seine eigenen Inhalte zu nutzen, da Navteq einer der beiden globalen Hersteller von digitalen Navigationskarten ist.

Das niederländische Unternehmen Tom Tom ist weltweit führend bei der Herstellung von tragbaren Navigationsgeräten und -software, die zur Nutzung des US-amerikanischen Satellitennavigationssystems GPS nötig sind (das alternative System der EU – Galileo – befindet sich noch in der Entwicklungsphase). Durch die Fusion mit dem niederländischen Konkurrenten Tele Atlas, der zweite weltweit führende Hersteller von digitalen Navigationskarten, werden ähnliche Ziele angestrebt wie durch Nokias geplante Übernahme.

Der Markt für Navigationsdienste wird vermutlich explodieren, da die Bandbreite an mobilen Kommunikationsformen steigt. Dies trifft vor allem für die USA zu, jedoch ebenfalls für die EU – aufgrund der von der Kommission vorgeschlagenen Reform der Vergabe von Radiofrequenzen (siehe EURACTIV vom 28. März 2008 und unser LinksDossier über die Überarbeitung des Rechtsrahmens für elektronische Kommunikation).

Die Online-Kartendienste von Google und Microsoft zählen bereits zu den meistverwendeten im Internet. Da der Datentransfer zwischen Mobilgeräten zunehmend billiger und einfacher wird, wird erwartet, dass der Gebrauch von Kartendiensten sichtbar ansteigt. Gleichzeitig sind Navigationsdienste zunehmend Teil der Standardausstattung neuer Fahrzeuge.

Tom Tom hat 1,8 Milliarden Euro für Tele Atlas, Nokia 5,4 Milliarden Euro für Navteq geboten. Beide Fusionen werden – aufgrund ihrer möglicherweise negativen Auswirkungen auf Wettbewerb und Verbraucher – von der Europäischen Kommission untersucht.

Brüssel prüft, ob „infolge der Übernahme der Preis digitaler Landkarten für andere Anbieter von Handy-Navigationsdiensten steigen oder ihr Zugang zu diesen Karten beschränkt würde“.

Die Fusion von Tom Tom und Tele Atlas wurde zuerst angekündigt. Nach zweimaligem Aufschub aufgrund der andauernden Untersuchung wird die Entscheidung der Kommission nun bis zum 21. Mai 2008 erwartet. Die Frist für den Abschluss der Untersuchung der Nokia-Navteq-Fusion wurde auf den 8. August 2008 festgesetzt.

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