Die Europäische Kommission hat eine offizielle Untersuchung gegen den deutschen Energieriesen E.ON und gegen Gaz de France eingeleitet, da diese sich vorgeblich darauf geeinigt hätten, jeweils vom Heimatmarkt des anderen fern zu bleiben, wodurch sie den Wettbewerb vereitelten und Preise künstlich hoch hielten.
Die mutmaßliche Marktaufteilung betrifft Erdgaslieferungen, die durch die MEGAL-Pipeline befördert werden, die E.ON und Gaz de France gemeinsam gehört. MEGAL sei die einzige Pipeline, die russisches Gas nach Frankreich bringe, sagte ein Kommissionsexperte.
Die Kommission gab an, dass sich die kartellrechtlichen Ermittlungen auf eine „mögliche Vereinbarungen zwischen oder abgestimmte Verhaltensweisen von E.ON und Gaz de France, nach denen sich die Konkurrenten auch nach der Liberalisierung der europäischen Erdgasmärkte jeweils vom Heimatmarkt des anderen fernhalten“ konzentrieren würden. Die Liberalisierung hatte im Juli 2004 stattgefunden.
Die Ermittlungen wurden eröffnet, nachdem Kommissionsmitarbeiter Beweismaterial in Büroräumen gesammelt hatten, als vor einem Jahr Razzien in mehreren Ländern durchgeführt wurden (EURACTIV vom 18. Mai 2006).
Die Wettbewerbsbehörde der EU sagte, dass es keine feste Frist für den Abschluss des Kartellverfahrens gebe. Seine Dauer werde von der Komplexität des Falles und der Kooperationsbereitschaft von E.ON und Gaz de France abhängen. Gemäß den EU-Regeln könnten den Unternehmen Strafgelder von bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes drohen.
Aufgrund der Sorge über die wachsende Abhängigkeit von russischem Gas hat die EU versucht, die Transportrouten zu diversifizieren und die Importe von anderen Produzenten wie Algerien und Katar zu erhöhen.
Frankreich steht unter erneuter Beobachtung durch Brüssel, weil es in der letzten Zeit seine Unwilligkeit zur Öffnung des Energiemarktes für den vollen Wettbewerb zeigte und sich weigerte, sein geschätztes, reguliertes Preissystem, welches die Preise unter dem Marktniveau hält, aufzugeben (EURACTIV vom 30. Juli 2007).
Die Kommission soll im September 2007 einen Vorschlag zur weiteren Liberalisierung der EU-Energiemärkte vorlegen.

