Der Sieg der Sozialdemokraten bei den Wahlen zum Nationalrat am Sonntag (28. September 2008) wurde von dem Wiederaufleben der Rechtsextremen überschattet. Die beiden rechtspopulistischen Parteien wären zusammengenommen beinahe die stimmenstärkste Kraft.
Die sozialdemokratische Partei von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sah ihre Führungsposition von 35% auf 29,7% zusammenschrumpfen, während Koalitionspartner, die Österreichische Volkspartei (ÖVP), von 34% auf 25,6% zurückfiel, wie aus dem vorläufigen Endergebnis hervorgeht. Dies waren die schlechtesten Ergebnisse für die beiden Volksparteien seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die beiden Regierungsparteien hatten seit Januar 2007 in einer Großen Koalition zusammen regiert. Im Juli war ihr Bündnis allerdings an der Reform des Gesundheitssystems und diversen Streitfragen über zukünftige europäische Verträge gescheitert. Vorgezogene Wahlen waren deshalb unvermeidlich (EURACTIV vom 7. Juli 2008).
Die rechtsextremen Parteien profitierten von den Streitigkeiten und so konnte die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) von Heinz-Christian Strache drittstärkste politische Kraft des Landes werden. Die Partei verzeichnete einen Zuwachs von 11% auf 18% der Stimmen bei den Wahlen zum Parlament. Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), eine Partei, die der Rechtspopulist Jörg Haider nach seinem Austritt aus der Freiheitlichen Partei gegründet hatte, konnte ihr Ergebnis von 4% auf 11,5% beinahe verdreifachen.
Mit 29,5% wären die beiden rechtsextremen Parteien zusammengenommen beinahe stärkste Kraft und stehen somit auf gleicher Augenhöhe mit den Sozialdemokraten. Die beiden rechtsextremen Parteien hatten fremdenfeindliche Wahlkampagnen geführt. Strache führte eine antimuslimische Kampagne und versprach den Austritt Österreichs aus der EU, solle er Kanzler werden.
Haider sprach sich am Sonntag im österreichischen Fernsehen für eine Koalition der rechtsextremen Parteien aus. „Die Wähler erwarten nun, dass wir etwas für Österreich bewegen und uns nicht mit Animositäten bekämpfen“, wurde er von The Independent zitiert.
Werner Faymann, der den österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer Anfang des Jahres als Vorsitzenden der sozialdemokratischen Partei ablöste, wird nun voraussichtlich die neue Regierung bilden, allerdings hat er dabei nur begrenzte Möglichkeiten. Die meisten Politikanalysten meinen, dass eine erneute Große Koalition mit den Konservativen am wahrscheinlichsten sei.
Österreich schrieb EU-Geschichte als der damalige Vorsitzende der rechtsextremen FPÖ Jörg Haider nach einem Erdrutschsieg in den Nationalratswahlen 1999 in die Regierung einzog. Die EU-Staats- und Regierungschefs isolierten Wien daraufhin politisch und drohten seine EU-Mitlgliedsrechte wegen „schwerwiegender und anhaltender Verletzung der Grundrechte“ aufzuheben (EURACTIV vom 11. Januar 2006). Nachdem massiver Druck ausgeübt worden war, trat Haider 2000 als Parteivorsitzender zurück und gründete die neue BZÖ-Partei. Österreichs politische Isolierung wurde daraufhin beendet.

