Newsblog: Die Präsidentschaftswahl in Frankreich

Aktuelle Ergebnisse und Umfragen zur Präsidentschaftswahl in Frankreich [Denis Costille/shutterstock]

In zwei Wahlgängen (am 23. April und 7. Mai) bestimmen unsere französischen Nachbarn, wer in den Élysée-Palast als ihr nächster Präsidenten einzieht.

+++24.4., 14 Uhr: Reaktionen auf das Wahl-Ergebnis+++

DEUTSCHLAND

STEFFEN SEIBERT, Sprecher von Bundeskanzlerin ANGELA MERKEL (CDU): „Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem starken Kurs für eine starke EU und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte. Alles Gute für die nächsten zwei Wochen.“

SIGMAR GABRIEL (SPD), Bundesaußenminister, zeigte sich „froh, dass Emmanuel Macron die Wahlen anführen“ werde. „Er hat das stärkste Ergebnis aller Kandidaten und wird jetzt in die zweite Runde gehen und ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident.“

NORBERT RÖTTGEN (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, bezeichnete Macrons Sieg in der ersten Runde als „sehr positiv“. Ein Erfolg Macrons in der Stichwahl wäre auch eine „sehr gute Basis für die deutsch-französische Kooperation“.

 EUROPÄISCHE UNION

JEAN-CLAUDE JUNCKER, EU-Kommissionspräsident, gratulierte Macron und wünschte ihm „viel Glück“ für die Stichwahl.

FEDERICA MOGHERINI, EU-Außenbeauftragte: „Die EU begrüßt das Ergebnis von Emmanuel Macron, es ist die Hoffnung und Zukunft unserer Generation.“

MICHEL BARNIER, Brexit-Chefunterhändler: „Patriot und Europäer, ich vertraue auf Emmanuel Macron am 7. Mai. Frankreich muss europäisch bleiben.“

PIERRE MOSCOVICI, französischer EU-Wirtschaftskommissar: „Die Wahl ist noch nicht vorbei. Für einen Seufzer der Erleichterung ist es zu früh.“

EUROPA

GEORGE OSBORNE, Ex-Finanzminister UK: „Gratulation an meinen Freund Emmanuel Macron. Beweis dafür, dass man auch von der Mitte aus gewinnen kann. Endlich die Chance auf eine Führung, die Frankreich braucht.“

GEERT WILDERS, Chef der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit, Niederlande, sprach mit Blick auf das Wahlergebnis Le Pens von einem „strahlenden Tag für Patrioten in Frankreich und anderswo, die mehr nationale Souveränität und weniger EU und Einwanderung wollen“. Er „hoffe auf eine Präsidentin Le Pen“.

DMITRI PESKOW, Kreml-Sprecher, Russland: „Wir respektieren die Entscheidung des französischen Volkes. Wir befürworten den Aufbau guter und für beide Seiten förderlicher Beziehungen.“

LARS LÖKKE RASMUSSEN, Ministerpräsident Dänemark: „Glückwunsch, Emmanuel Macron. Wir sollten die endgültige Wahl abwarten, aber Europa braucht ein aufgeschlossenes und reformorientiertes Frankreich – viel Glück.“

BORGE BRENDE, Außenminister Norwegen: „Wir brauchen mehr, nicht weniger Zusammenarbeit in Europa. Positiv, dass Emmanuel Macron die erste Runde der Wahlen in Frankreich zu gewinnen scheint“, schrieb der Minister dessen eigenes Land nicht in der EU ist.

 

Was bedeutet das Wahlergebnis?

Wahlen in Frankreich

+++22:52 Uhr+++

Laut einem Bericht der französischen Zeitung Le Parisien liegt Marine Le Pen in Paris bei nur 4,9 Prozent. In der Hauptstadt stimmten demnach 35 Prozent für Macron, 25 für Fillon, 19 für Mélenchon und 10 Prozent der Wähler für Hamon. In Paris sind bislang etwa 2/3 der Stimmen ausgezählt.

+++22:29 Uhr+++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat Macron nach Angaben seines Sprechers zum Ergebnis des ersten Wahlgangs gratuliert. Juncker habe Macron alles Gute für den zweiten Wahlgang gewünscht.

+++20.45 Uhr+++

„Diese Niederlage ist meine“, sagt Fillon und ruft zur Unterstützung Macrons auf, denn: „Der Extremismus bringt nur Unglück.“

+++20.15 Uhr+++

Der unterlegene Kandidat Benoit Hamon erreichte ersten Hochrechnungen zufolge lediglich rund 6 Prozent der Stimmen. Der Kandidat der Partei des scheidenden französischen Staatspräsidenten François Hollande ruft nun dazu auf, in der Stichwahl Emmanuel Macron die Stimme zu geben.

+++20.00 Uhr -Erste Hochrechnung+++

Um 20 Uhr haben die Wahllokale geschlossen und die erste Hochrechnung ist da. Demnach liegen Emmanuel Macron bei 23 Prozent und Marine Le Pen bei 21 Prozent.

+++19.30 Uhr+++

Viele Wahllokale haben bereits geschlossen, in einigen großen Städten kann noch knapp eine halbe Stunde lang abgestimmt werden. Vor einigen Minuten lag die Wahlbeteiligung bei 77 Prozent. Möglicherweise wird die 80-Prozent-Marke noch erreicht.

+++17.00 Uhr+++

Wahlbeteiligung bei 69,42 % um 17 Uhr – etwas niedriger als 2012 um diese Zeit. (70,59 %)

Die Kandidaten

In der Stichwahl stehen sich Kandidaten von ganz links bis ganz rechts gegenüber – doch gerade für die politische Mitte ist die Wahl schwierig.

In Umfragen lagen vier Kandidaten bis zuletzt eng beieinander. Favoriten sind der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die rechtsextreme Euro-Gegnerin Marine Le Pen. Der Linkskandidat Jean-Luc Melenchon, der ebenfalls EU-skeptische Positionen vertritt, und der konservative Ex-Ministerpräsident Francois Fillon lagen in letzten Umfragen rund vier Punkte hinter dem Führungsduo. Bis Sonntagmittag war die Wahlbeteiligung mit gut 28 Prozent in etwa so hoch wie vor fünf Jahren. Insgesamt sind 47 Millionen Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen, die unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet.

Andere Europäer äußern sich

Herbert Reul (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament:

„Frankreich wünscht sich Veränderungen – das hat das gestrige Wahlergebnis deutlich gemacht. Doch trotz einer Spaltung in vier ungefähr gleich groβe Lager lässt sich erkennen, dass der Kompass leicht stärker in Richtung Europa ausschlägt. Marine Le Pen ging deutlich schwächer aus den Wahlen hervor als erwartet, während Emmanuel Macron die Wähler mit einem klaren pro-europäischen Kurs begeistern konnte. Dieser pro-europäische Weg muss jetzt weitergegangen und gesichert werden. Dafür müssen nun alle demokratischen Kräfte zusammenhalten. Die nächsten Tage sind entscheidend, um den Höhenflug der Nationalisten bei der Stichwahl am 7. Mai endgültig zu beenden. Es ist wichtig, dass am Ende ein klares Ja zu Europa herauskommt, um die innenpolitische Lage nicht unnötig zu erschweren. Denn eines ist nach diesen Wahlen klar: Ein Umbruch im Land wird so oder so stattfinden, der, beginnenden bei der Regierungsbildung, Frankreich vor neue Herausforderungen stellen wird.“

Jens Geier, Vorsitzender der Europa-SPD:

„Le Pen ist es in Teilen gelungen, die Angst von Menschen für ihre Zwecke zu missbrauchen. Mit Mut zur gemeinsamen Zukunft müssen Demokraten und Pro-Europäer weiter dagegen halten. Die europäische Zusammenarbeit ist die Lösung, nicht die Ursache des Problems. Ein Überraschungssieg von Le Pen in der Stichwahl der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hätte schwere Erschütterungen in Politik und Wirtschaft zur Folge. Auch ein EU-Referendum hat die Rechtspopulistin angekündigt. Ein Frexit wäre das Ende der Europäischen Union, so wie wir sie kennen.“

Fabio De Masi (DIE LINKE):

„Millionen Französinnen und Franzosen und insbesondere die junge Generation haben für den französischen Bernie Sanders Mélenchon und daher für Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit gestimmt. Ihnen und La France Insoumisegehört die Zukunft. Die Bewegung wird Frankreich und Europa verändern – jenseits des Investmentbankers und französischen Gerhard Schröders Emmanuel Macron und der Demagogin Marine Le Pen.“

Moscovici: "Dürfen die Verteidigung Europas nicht nur einem Kandidaten überlassen"

Es wäre der Todesstoß für das Projekt Europa, sollte Marine Le Pen die Wahl in Frankreich gewinnen und Frankreich aus der EU aussteigen, warnt Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici im Interview.

Additional Information

Die Vorwahl-Berichterstattung auf EURACTIV

Gefesselter Präsident - Frankreich droht ein institutioneller Krieg

Alle Augen richten sich auf die französische Präsidentenwahl am 23. April und 7. Mai. Doch mehr noch bestimmt die baldige Parlamentswahl, welche Rolle ein Präsident überhaupt spielen kann.

Frankreich: Die Qual der Wahl

Ein Großteil der Franzosen ist noch immer unsicher, wen sie in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am Sonntag wählen sollen – laut Experten ein schlechtes Zeugnis für die Überzeugungskraft der Kandidaten.

Le Pen steigert Stimmungsmache gegen Einwanderer

Kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich will FN-Chefin Marine Le Pen mit einem scharfen Ton gegen Einwanderer Boden gut machen.

Präsidentschaftskandidaten in Frankreich starten Wahlkampf-Endspurt

Knapp eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben die in Umfragen führenden Kandidaten den Endspurt im Wahlkampf eingeläutet.

Frankreichs Präsidentschaftskandidaten buhlen um Unternehmergunst

Frankreichs führende Präsidentschaftskandidaten wollen vor allem Unternehmer von ihren Wahlprogrammen überzeugen. EURACTIV-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Frankreich: Die Unentschlossenheit der Wähler

Ungewöhnlich viele Franzosen wissen einer Umfrage zufolge vor der Wahl noch nicht, für wen sie sich entscheiden wollen. Ziemlich sicher sind sich nur die Wähler einer Partei.

Kein Ende im Skandal um Fillon und Le Pen

Knapp zwei Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl setzen erweiterte Ermittlungen der Justiz den rechtskonservativen Kandidaten François Fillon und die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen unter Druck.

 

Subscribe to our newsletters

Subscribe