Wahlkampf um Amt des Kommissionspräsidenten eröffnet

EU-Justizkommissarin Viviane Reding und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Foto: EC

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist noch bis 2014 im Amt. Doch Justizkommissarin Viviane Reding bringt sich bereits als seine Nachfolgerin in Stellung, wie EURACTIV aus Kommissionskreisen erfahren hat.

Der Wahlkampf um den Posten des nächsten EU-Kommissionspräsidenten ist eröffnet. Aus Kommissionskreisen hieß es gegenüber EURACTIV, dass EU-Justizkommissarin Vivane Reding mit dem "Wahlkampf begonnen" habe. Ihr Sprecher Matthew Newman erklärte: "Die Leute lieben es zu spekulieren. Sie ist mit ihrer derzeitigen Position sehr glücklich und hat sehr viel zu tun." Die Berichte dementierte er nicht.

Andere Quellen innerhalb der Brüsseler Behörde waren weniger zurückhaltend: "Ihre drei Amtszeiten als Kommissarin bedeuten, dass sie die Erfahrung auf ihrer Seite hat, sie hat sehr gute Kontakte im Parlament aus ihrer Zeit als EU-Abgeordnete", hieß es gegenüber EURACTIV. "Es wäre schwer, jemanden zu finden, der pro-europäischer ist als sie."

Von der Luxemburgerin wird angenommen, dass sie eine starke Basis von Anhängern im EU-Parlament hat. Dies führt zu den Spekulationen, dass sie Kandidatin der Europäischen Volkspartei sein könnte.

Unter den Abgeordneten des EU-Parlaments gibt es indessen auch Gerüchte, dass Parlamentspräsident Martin Schulz Kandidat der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) werden könne. Armin Machmer, Sprecher von Schulz, dementiert das nicht. "Die SPE wird einen Kandidaten mit hohem Bekanntheitsgrad hervorbringen, wenn die Zeit dafür gekommen ist", sagte Machmer. "Martin ist seit drei Monaten Präsident des Europäischen Parlaments. Er fokussiert seine ganze Arbeit, Bemühungen und Hoffnungen auf das Amt, in das er gewählt wurde."

Indessen wird in Berlin spekuliert, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den italienischen Premierminister Mario Monti – selbst ehemaliger EU-Kommissar – für einen geeigneten Kandidaten hält.

"In zwei Jahren kann in der Politik vieles passieren. Luxemburg, Frankreich und Deutschland werden in der Zwischenzeit alle gewählt haben", erklärte die Kommissionsquelle. Vermeintliche Favoriten sind in der Vergangenheit in der Regel nicht erfolgreich gewesen und der endgültige Entscheidungsprozess liegt bei den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten.

EURACTIV.com

Links

EURACTIV Brüssel: Race for next Commission president begins (24. April 2012)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Schulz: Verbannt geglaubte Dämonen kehren zurück (20. März 2012)

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