Macht Facebook dem Dollar und dem Euro Konkurrenz?

Facebook plant eine neue Kryptowährung. Diese wird an einen Korb von Papierwährungen wie Dollar, Euro und Co gekoppelt. [EPA-EFE/LUONG THAI LINH]

Facebook will eine eigene Kryptowährung für seine Plattformen einführen. Diese soll an einen Korb von Papierwährungen gekoppelt werden. Entsteht demnächst eine neue Weltwährung, die Dollar, Euro und Co. Konkurrenz macht? EURACTIVs Medienpartner WirtschaftsWoche berichtet.

Nun also ist die Katze aus dem Sack. Die von dem sozialen Netzwerk Facebook geplante Kryptowährung wird an einen Korb von Papierwährungen wie Dollar, Euro und Co gekoppelt. Das bestätigte Laura McCracken, Head of Financial Services & Payment Partnerships Northern Europe bei Facebook der WirtschaftsWoche. Damit schickt sich einer der ganz großen Player der digitalen Wirtschaft an, eine eigene Kryptowährung in Umlauf zu bringen. Die genauen Eigenschaften und technischen Details der neuen Währung werden am 18. Juni bekannt gegeben.

Klar dürfte sein, dass Nutzer von Facebook die Währung untereinander für grenzüberschreitende Zahlungen verwenden können. Das neue Kryptogeld dürfte zudem im gesamten Facebook-Imperium, zu dem auch der Mitteilungsdienst WhatsApp und die audiovisuelle Plattform Instagram gehören, gültig sein.

Nach bisherigen Berichten will Facebook für die technische Abwicklung der Zahlungen mit der eigenen Kryptowährung die Blockchain-Technologie nutzen. Diese ermöglicht Direktzahlungen zwischen Sendern und Empfängern. Die bisher für unbare Zahlungen erforderlichen Clearing-Stellen wie Banken, Kreditkartengesellschaften und andere Zahlungsdienstleister sind dann überflüssig. Die Gebühren, die die Kunden bisher an diese Stellen zahlen, könnte Facebook in die eigenen Kassen umleiten. Zudem könnte das Netzwerk von seinen Werbekunden mehr Geld verlangen, weil es ihnen höhere Umsätze durch Direktzahlungen der Kunden mit der Facebook-Währung in Aussicht stellt. Zahlungen auf Basis der Blockchain-Technologie werden dezentral erfasst und gespeichert, alle Transaktionen sind daher umfassend und fälschungssicher dokumentiert.

Präzedenzfall: Zensur bei Facebook?

Eine polnische NGO hat Klage gegen den US-amerikanischen Social-Media-Riesen Facebook eingereicht. Die Organistaion kritisiert, ihre Meinungsfreiheit sei auf der Plattform eingeschränkt worden.

Vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern könnten davon profitieren, da sie in ihren Heimatländern zuweilen nur schwer Zugang zu Banken und Bankkonten haben. Die Reichweite der Facebook-Kryptowährung wäre enorm. Sie umfasste mit 2,7 Milliarden Nutzern aller Facebook-Plattformen fast ein Drittel der Menschheit.

Erleben wir also demnächst die Geburtsstunde einer neuen Weltwährung, die Dollar, Euro und Yen das Fürchten lehrt? Und schafft Facebook, woran Bitcoin und Co bisher gescheitert sind, nämlich das Geldmonopol der staatlichen Zentralbanken zu knacken?

Zweifel sind angebracht. Denn erstens plant Facebook im Gegensatz zu den Bitcoin-Erzeugern nach bisherigem Kenntnisstand kein eigenes Geld durch komplexe Algorithmen zu schöpfen. Der Stromverbrauch dafür wäre enorm, die Kosten dürften den Gewinn von Facebook schmälern und die Aktie auf Talfahrt schicken. Zudem verstärkte eine eigene Geldschöpfung den politischen Gegenwind, der Facebook ohnehin heftig ins Gesicht bläst. Zu den bisherigen Vorwürfen, Facebook sauge ungefragt die Daten seiner Nutzer ab und entziehe sich der Steuerpflicht gesellte sich der Vorwurf, das Unternehmen wolle nun auch noch die Geldordnung umstürzen. Das wäre Wasser auf die Mühlen all jener, die das Unternehmen zerschlagen und aufspalten wollen.

Facebook ist sich dieser Gefahren bewusst. Statt den staatlichen Zentralbanken mit einer neu geschöpften Währung Konkurrenz zu machen, will das Unternehmen seine Kryptowährung daher als ein quasi-Zertifikat auf die etablierten Währungen konzipieren. Das würde die Währung stabilisieren und verhindern, dass erratische Kursschwankungen sie zum Spekulationsobjekt machen.

Allerdings: Einen intrinsischen Wert, der sich aus einem nicht-monetären Nutzen ableitet wie das etwa bei Gold der Fall ist, hätte die Facebook-Währung nicht zu bieten. Sie lebte davon, dass man sie in die etablierten Papierwährungen umtauschen kann. Diese sind gesetzliche Zahlungsmittel, Gläubiger sind daher verpflichtet, sie zur Tilgung von Schulden anzunehmen. Ebendieser Annahmezwang für Euro und Co dürfte verhindern, dass die Facebook-Währung die Papierwährungen aus dem Umlauf verdrängt.

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Denn die Anbindung an einen Währungskorb macht die Facebook-Währung relativ stabil. Verglichen mit anderen Papierwährungen wäre sie aus Sicht der Nutzer deshalb das bessere Geld. Aber zahlt man mit dem besseren Geld, wenn der Vertragspartner auch das schlechte Geld, also Euro, Dollar und Co annehmen muss? Wohl kaum. Es entstehen eher Anreize, die Facebook-Währung vor allem als Vermögensanlage zu verwenden und zu horten. Für die meisten laufenden Zahlungen fänden weiterhin die Papierwährungen Verwendung. Es träte ein, was in der Geldtheorie als Greshamsches Gesetz bekannt ist: Das schlechte Geld (Euro und Co) verdrängt das gute Geld (Facebook-Währung) aus dem Umlauf, wenn für das schlechte Geld ein Annahmezwang zu einem überbewerteten Kurs existiert.

Dem Facebook-Kryptogeld droht mithin ein ähnliches Schicksal wie anderen Kryptowährungen. Es wird zwar nicht zum Spekulationsobjekt wie diese. Doch statt mit dem Facebook-Geld zu zahlen, horten die Menschen dieses in der Hoffnung auf künftige Wertzuwächse, zumal es für Euro, Yen und Co kaum Zinsen gibt.

Die neue Facebook-Währung mag in den nächsten Monaten mit viel Tam-Tam starten. Eine echte Konkurrenz für Dollar und Co ist sie nicht. Diese entsteht erst, wenn Facebook eigenes Geld schöpft, es knapp hält und durch ein werthaltiges Aktivum wie Gold deckt.

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