Grüner Hoffnungsträger gegen den Partei-Trend

Die Innsbrucker Grünen wählten Georg Willi zum Spitzenkandidat für die Gemeinderatswahl 2018. [Innsbrucker Brüne/ flickr]

Zur Zeit ihrer größten Krise gelingt es den Grünen, den ersten Bürgermeister in einer Großstadt zu gewinnen. Der dürfte allerdings den inneren Zwiespalt der Partei weiter verschärfen.

Die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck war schon immer ein politisch eigenwilliges Pflaster. Hier war die ansonsten in Tirol dominierende Volkspartei seit Jahrzehnten in gleich mehrere wahlwerbende Gruppen aufgespalten. Auch die amtierende Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer war letztlich Vertreterin einer so genannten Bürgerliste – mit ÖVP-Affinität. Bei der Stichwahl musste sie allerdings nun dem Grünen Georg Willi den Vorzug lassen, der fast 53 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Willi entspricht durchaus nicht jenem Typ von Grünem Politiker, den sich die Partei nach dem Desaster bei den letzten Wahlen im Zuge einer Neuaufstellung wünscht. Der neue Bürgermeister von Tirols Landeshauptstadt ist 59 Jahre alt und Vertreter eines sehr bürgerlichen, grün motivierten politischen Kurses, was ihm auch – nebst seiner Tätigkeit als Kirchenchorleiter – viel Sympathie außerhalb des eigenen Lagers eintrug. Unter anderem vom ehemaligen ÖVP- Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und dem Schauspieler Tobias Moretti. Seine Aussage, dass den Wählern das leistbare Dach über dem Kopf wichtiger sei als das Binnen-I oder die Ehe für alle, ist Zeugnis für seinen politischen Pragmatismus.

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West-Ost-Gefälle in der Parteiausrichtung

Die Linie, die Willi vertritt, entspricht nicht jener, die sich jene wünschen, die derzeit über eine Neuaufstellung der Partei beraten. Diese ist aus vielerlei Gründen notwendig geworden, ausgelöst durch die Abspaltung der Liste Pilz über den Verlust aller Mandate im Parlament bis hin zu reihenweisen Niederlagen bei Landtagswahlen. Geht es nach jenen, die sich am Tag vor der Innsbrucker Wahl zu einer Tagung in Oberösterreich trafen, um über die Zukunft der Grünbewegung zu beraten, dann will man eine „new generation“ an der Parteispitze sehen, die klare linke Positionen vertritt. Sie soll jenes Vakuum füllen, das die ebenfalls auf Orientierungssuche befindliche SPÖ hinterlassen hat.

Genau genommen kehren die Grünen in Österreich an ihre Entstehungsgeschichte vor mittlerweile 31 Jahren zurück. Damals bildeten sich zunächst zwei Grün-Bewegungen heraus, die bürgerlichen Vereinigten Grünen (VGÖ), die vor allem in den westlichen Bundesländern daheim waren und die links-orientierte Alternative Liste Österreichs (ALÖ), die schwerpunktmäßig im Raum Wien auftrat. 1986 kam es dann zur Vereinigung unter dem Parteinamen Grüne Alternative. Es ist daher auch kein Zufall, dass die ÖVP nach den letzten Landtagswahlen sowohl in Salzburg wie auch in Tirol Koalitionen mit den regionalen Grünen bildete. Der Erfolg von Willi wird nach Ansicht politischer Beobachter die Grün-Bewegung erst recht in einen Zwiespalt über die künftige politische Ausrichtung bringen.

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