Frankreich: Rechtsruck bei Präsidentschaftswahl

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy (R) und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande haben sich für die Stichwahl um das Präsidentenamt qualifiziert. Fotos: dpa

Marine Le Pen, Kandidatin der rechtsextremen Front National, sorgt mit einem Rekordergebnis bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich für Aufregung. Präsident Nicolas Sarkozy buhlt nun um die Stimmen von Rechtsaußen. Der sozialistische Herausforderer François Hollande will die Wähler von Linksaußen überzeugen und geht als Favorit in die Endrunde.

Es ist die Überraschung des Abends: Marine Le Pen, Kandidatin der rechtsextremen Front National hat im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich ein Rekordergebnis von fast 19 Prozent erzielt. Sie liegt damit auf Platz drei hinter François Hollande (28,2 Prozent) und Nicolas Sarkozy (27 Prozent). Für die Stichwahl qualifiziert sind der sozialistische Herausforderer und der amtierende Präsident.

Unmittelbar nach Ende des ersten Wahlgangs haben Sarkozy und Hollande den Kampf um die Stimmen der unterlegenen Kandidaten begonnen.

Sarkozys Werben um Rechtsaußen

Sarkozy umwarb am Sonntagabend in Paris die Unterstützer des rechtsextremistischen Front National. "Ich rufe alle, die ihr Vaterland lieben auf, mich zu wählen", appellierte Sarkozy an das nationalistische Lager.

Auch inhaltlich ging er erneut auf die Rechtsaußen-Partei zu: Er kündigte an, die Grenzkontrollen zu verschärfen und die Zuwanderung weiter zu begrenzen. Hollande forderte er auf, sich in den kommenden beiden Wochen drei Live-Debatten zu stellen. "Alles muss debattiert werden, ohne Scheinheiligkeit, ohne Ausweichen ohne Verstecken."

Unterstützung von Links für Hollande

Hollande rief sich zum Favoriten für die Stichwahl aus. Er sei in der besten Situation, die entscheidende Runde zu gewinnen, sagte er vor Anhängern. Hollande kündigte an, "Europa zurück auf den Pfad von Beschäftigung und Wachstum zu führen". Er sei sich bewusst, dass er auch aus dem Ausland beobachtet werde, sagte Hollande. Er hatte mehrfach angekündigt, im Falle eines Wahlsieges den Fiskalpakt nachverhandeln zu wollen.

Umfragen prognostizieren Hollande derzeit als klaren Sieger der Stichwahl in zwei Wochen. Nach Untersuchungen verschiedener Institute kann er mit 53 bis 56 Prozent der Stimmen rechnen.

Wichtige Unterstützung erhielt Hollande kurz nach Schließung der Wahllokale vom Viertplatzierten Jean-Luc Mélenchon. Zwar vermied der Kandidat von Linkspartei und Kommunisten es, Hollande explizit beim Namen zu nennen. Gleichwohl rief er seine Anhänger indirekt dazu auf, ihn in der zweiten Runde am 6. Mai zu unterstützen. "Wir müssen die einzige Möglichkeit nutzen, die der Wahlzettel noch bietet. Gibt es einen anderen? Ich will Sarkozy schlagen", sagte der ehemalige sozialistische Senator. Auch Grünen-Kandidatin Eva Jolie, die nur zwei Prozent erhielt, warb für Hollande.

Zwischenergebnissen nach Auszählung von mehr als 85 Prozent der Stimmen zufolge hat Hollande die erste Wahlrunde am Sonntagabend mit 28,2 Prozent gewonnen. Sarkozy kam auf 27 Prozent. Auf Platz drei kam Le Pen mit 18,6 Prozent. Melenchon kam auf 10,9 Prozent. Der Zentrist François Bayrou erhielt 9,2 Prozent der Stimmen.

EURACTIV/rtr

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EURACTIV Brüssel:
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