EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

23/01/2017

Clinton und Trump liefern sich harten Schlagabtausch

Wahlen und Macht

Clinton und Trump liefern sich harten Schlagabtausch

Die US-Wahl hat begonnen: Heute wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt.

Foto: Wikimedia

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr republikanischer Gegenspieler Donald Trump haben sich bei ihrem ersten TV-Duell den erwarteten harten Schlagabtausch geliefert.

Nach einer freundlichen Begrüßung per Handschlag gingen beide Kontrahenten bei der Debatte am Montag rasch auf Konfrontationskurs und fielen sich immer wieder ins Wort. Der Moderator musste wiederholt eingreifen. Clinton und Trump stritten vor allem über die Wirtschafts- und Außenpolitik aber auch über Fragen der nationalen Sicherheit und die Spannungen zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung. Mit dem TV-Duell trat der Wahlkampf in die heiße Phase. Gut ein Fünftel der Wähler war Umfragen zufolge zuletzt noch unentschlossen.

Trump kritisierte unter anderem Handelsabkommen mit Mexiko und asiatischen Staaten sowie die Steuerpolitik der Regierung. Dies habe dazu geführt, dass immer mehr Unternehmen aus den USA abwanderten und immer mehr Arbeitsplätze verloren gingen. Clinton erklärte, Trumps Steuerpläne würden der US-Wirtschaft schaden und nur den Besserverdienern nutzen. „Donald, ich weiß, dass Sie in ihrer eigenen Realität leben“, sagte sie. Während die Ex-Außenministerin Trump zumeist mit „Donald“ ansprach, nannte Trump überwiegend „Frau Ministerin“.

Clinton: Trump will Steuererklärung verheimlichen

Trump bekräftigte zudem seine Kritik an der US-Notenbank. Die Federal Reserve erledige ihre Arbeit nicht, sie richte sich zu sehr nach der Politik. Die Zinsen würden aus politischen Gründen niedrig gehalten.

Clinton kritisierte den Milliardär dafür, dass er noch nicht seine Steuererklärung veröffentlicht habe. Möglicherweise wolle Trump verheimlichen, dass er keine Bundessteuern gezahlt habe. „Es muss etwas sehr wichtiges, sogar schreckliches sein, das er verheimlichen will“, sagte Clinton.

Heftiger Streit über Außenpolitik

Beim Thema Außenpolitik kritisierte Clinton die Bewunderung, die Trump für den russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgedrückt hatte. Zudem erklärt sie, dass die US-Luftangriffe auf die Islamisten-Miliz IS verstärkt werden müssten. Vorwürfe von Trump, sie und Präsident Barack Obama hätten wegen des verfrühten Abzugs aus dem Irak eine Mitschuld an dem Erstarken des IS, wies sie zurück. Die Entscheidung über den Irak-Abzug sei von dem republikanischen Präsidenten George W. Bush getroffen worden, nicht von Obama. Clinton betonte zudem die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus, unter anderem im Rahmen der Nato. Trump habe dagegen die muslimischen Verbündeten immer wieder beleidigt.

Trump warf der Nato vor, sich nicht genug auf den Kampf gegen den Terrorismus zu konzentrieren. Auch könnten sich die USA ihre jetzigen Verteidigungsausgaben finanziell nicht leisten. „Wir können nicht der Weltpolizist sein“, sagte er. Die USA verteidigten Saudi-Arabien, ohne dass die Regierung in Riad dafür zahle.

Nach einem eher ruhigen Auftakt wurde der Ton allerdings zunehmend schärfer und die Debatte immer persönlicher. Gegen Ende der Debatte stritten beide über das richtige Temperament eines Präsidenten: Dies sei vielleicht seine größte Stärke, sagt Trump, denn er habe das Temperament eines Siegers. Clinton erklärt dagegen, ein Mann, der sich von einem Tweet provozieren lasse, sollte nicht seinen Finger auf dem Knopf für den Abschuss von Atomraketen haben.

Die Debatte auf einer Bühne der Hofstra Universität im Bundesstaat New York war der Höhepunkt des bisherigen Wahlkampfes. Experten erwarteten bis zu 100 Millionen Zuschauer – fast ein Drittel der Bevölkerung und ein Wert, der in den vergangenen Jahren nur vom Football-Finale Super Bowl erreicht wurde.

In der Vergangenheit haben die seit 1960 ausgetragenen Fernsehduelle mehrfach einen Einfluss auf den Verlauf des Wahlkampfs gehabt. In jüngsten Umfragen lagen beide Kandidaten fast gleichauf, wobei eine noch am Montag veröffentlichte Reuters/Ipsos-Erhebung einen Vorteil für Clinton ergab.

Die beiden Kandidaten sollen noch zwei Mal im Fernsehen aufeinandertreffen. Die Wahl findet am 8. November statt. In einigen Bundesstaaten ist die Stimmabgabe jedoch bereits seit einigen Tagen erlaubt.

 

Weitere Informationen