CDU-Vorsitz: Wie das Duo Laschet/Spahn von der Krise profitiert

Wenn Armin Laschet den CDU-Vorsitz übernimmt, soll Jens Spahn Parteivize werden. [EPA-EFE/CLEMENS BILAN]

Mit Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen haben sich drei nordrhein-westfälische Politik-Schwergewichte um den CDU-Vorsitz beworben. Der für diese Woche angesetzte Sonderparteitag und damit die Wahl des CDU-Vorsitzenden wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Aktuellen Umfragen zufolge kann vor allem Armin Laschet, dessen Kandidatur von Jens Spahn unterstützt wird, von der aktuellen Krise profitieren.

Die Coronakrise verändert die Diskussion darüber, wer die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende antreten soll. Zwar betonte die amtierende CDU-Vorsitzende in der vergangenen Woche, dass die Thematik intern derzeit kaum eine Rolle spiele. Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Krise Armin Laschets Kandidatur in die Karten spielen könnte.  

Bewerberduo Laschet/Spahn im Aufwind

“Die letzten Wochen haben Spahn und Laschet genützt“, sagt Stefan Marschall, Professor und Inhaber des Lehrstuhls mit dem Schwerpunkt „Politisches System Deutschlands“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Gespräch mit EURACTIV Deutschland. 

Dieser Befund spiegelt sich auch in aktuellen Umfragen wider. Nicht nur auf Bundesebene sind die Beliebtheitswerte der CDU in den vergangenen Wochen stark angestiegen. Auch in NRW erreicht die CDU laut dem neusten LänderTREND Nordrhein-Westfalen, einer Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut infratest dimap im Auftrag des WDR durchgeführt wird, den höchsten Zufriedenheitswert seit 2009. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist so beliebt wie nie zuvor.

Durch ihre jeweiligen politischen Posten hätten sowohl Spahn als auch Laschet in den vergangenen Wochen viel Prominenz erhalte, sagt der Düsseldorfer Professor. “Das ist vor allem für Armin Laschet wichtig, da er zwar in NRW sehr prominent ist, sich aber über das Bundesland hinaus erst Profil verschaffen musste“, so Marschall. Aktuell zeige sich sehr deutlich, dass diejenigen, die in der Verantwortung stünden, viel Zuspruch erhielten. “Wenn die Wahl in den nächsten Wochen stattgefunden hätte, wäre sie deutlich zugunsten von Laschet und Spahn ausgegangen“, glaubt der Düsseldorfer Professor.

CDU-Vorsitz: Laschet kandidiert mit Spahns Unterstützung, Merz reagiert mit eigener Kandidatur

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet will für den CDU-Vorsitz kandidieren und kann dabei auf die Unterstützung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zählen. Und auch der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz kündigte anschließend seine Kandidatur an.

Rückhalt vom mächtigen nordrhein-westfälischen CDU-Landesverband

Die steigende Popularität des Bewerberduos dürfte vor allem Friedrich Merz zum Nachteil gereichen. Merz, dem nach Angaben des ARD-Deutschlandtrends Mitte Februar 2020 rund 40 Prozent der Bevölkerung attestierten, ein guter Kanzlerkandidat zu sein, ist in den vergangenen Wochen – nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Erkrankung am Coronavirus – kaum auf der Bildfläche erschienen.

Das Duo Laschet/Spahn genießt auch beim mächtigen CDU-Landesverband NRWs großen Rückhalt. Dieser hatte sich in einer Erklärung vom 27. Februar 2020 offiziell hinter das Duo gestellt. Der nordrhein-westfälische Landesverband ist gemessen an der Zahl seiner Mitglieder der deutschlandweit stärkste CDU-Landesverband. Das spiegelt sich auch im Pool der Bewerberkandidaten um den Parteivorsitz wider. “Gleichzeitig zeigt sich darin jedoch auch eine Ungleichheit der Stärke der Landesverbände“, führt Marschall an. Angesichts dessen, dass auch Baden-Württemberg über einen starken Landesverband verfügt, lasse sich dahingehend eine Tendenz erkennen, “wo derzeit die Schwergewichte in der CDU liegen“.

Verschiebung des Parteitags als Chance für Merz und Röttgen?

Von einer Aufschiebung des Parteitags könnte vor allem Friedrich Merz profitieren.

“Bei der Einschätzung der aktuellen Lage und Beliebtheitswerte der Kandidaten darf nie vergessen werden, dass Deutschland sich momentan in einer Ausnahmesituation befindet“, betont Marschall. Es sei durchaus möglich, dass dem Wahlkampf ab Herbst nochmal ein neuer Schwung verliehen werden könne, so der Professor weiter.

“Wenn die Krise vorbei ist, wird man schauen müssen, ob Fehler gemacht wurden und im Nachhinein Versäumnisse zu beklagen sind“, sagt Marschall. Vieles sei davon abhängig, wie sich die gegenwärtige Situation entwickle. Wahlentscheidungen in Ausnahmesituation seien auch immer als Ausnahmewahlen zu betrachten, so Marschall. Bei der Wahl des CDU-Vorsitzenden gehe es jedoch in erster Linie um die Frage, in welche Richtung sich die Partei langfristig orientieren wolle. “In einer Ausnahmesituation wie jetzt ist es jedoch nur sehr schwer möglich, eine solche Entscheidung frei von der gegebenen Krisensituation zu treffen“, sagt der Professor.

Von Kandidaten und Königsmachern an der CDU-Spitze

Bei den Christdemokraten streben drei Männer nach der Macht, ein kleiner Kreis an der Unionsspitze wird bei der Entscheidung um den CDU-Parteivorsitz und den Kanzlerkandidaten mitreden. Eine Analyse.

Spannendes Rennen um die Kanzlerkandidatur, aber keine Überraschung beim Duo Laschet/Spahn

Den Coup Laschets, Jens Spahn mit ins Team zu holen, bezeichnet Marschall als “genialen Schachzug“. Welche Popularität dem Duo in den Wochen nach der Verkündung der Kandidatur durch den Ausbruch des Coronavirus zu Teil werden würde, dürfte beiden Ende Februar wohl auch nicht klar gewesen sein.

Einer aktuellen Umfrage zufolge liegen Spahn und Laschet, dem als Parteivorsitzender traditionell das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur zustünde, bei der Frage, wen sich die Deutschen als Nachfolger von Angela Merkel wünschen, fast gleichauf. Könnte die wachsende Beliebtheit Spahns Laschet noch zum Verhängnis werden? Eher unwahrscheinlich, sagt Marschall. “Spahn wird auch weiterhin in zweiter Reihe bleiben, wenn es um die Frage nach dem CDU-Vorsitz geht, alles andere würde als unsolidarisch wahrgenommen werden“, so der Düsseldorfer Professor. Langfristig könne Spahn sich aber als Nachfolger von Laschet in Position bringen.

Ob Armin Laschet am Ende tatsächlich als Kanzler für die CDU/CSU-Fraktion kandidiert, ist dennoch fraglich. Als sein stärkster Konkurrent ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einzuschätzen. Laut einer kürzlich vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur durchgeführten Umfragen würden die Deutschen ihn am liebsten als Nachfolger von Angela Merkel sehen. Auch in NRW halten 43 Prozent der im Rahmen des LänderTRENDs Befragten Söder für einen guten Kanzlerkandidaten. Damit rangiert er in dieser Frage nur knapp hinter Armin Laschet, den in seinem Stammland gerne 45 Prozent der Befragten auf diesem Posten sehen würden.

Söder selbst wird zwar nicht müde zu betonen, dass sein Platz in Bayern sei. Doch sollten seine Beliebtheitswerte weiterhin ein hohes Niveau aufweisen, wird er weiter im Gespräch als möglicher Kanzlerkandidat bleiben.

Die Beliebtheitswerte der CDU sind in den vergangenen Wochen stark angestiegen.

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