Verkehrssicherheitsrat warnt vor EU-Vorschlag für Lkw-Führerschein

Die EU-Verkehrsminister werden am Montag (4. Dezember) zusammentreffen, um die Überarbeitung der EU-Führerscheinrichtlinie zu diskutieren. Der Vorschlag der Kommission sieht vor, dass 17-Jährige ihre Prüfung ablegen und mit dem begleiteten Fahren von Lastkraftwagen beginnen dürfen, um Fahrerfahrung zu sammeln. [Miguel Perfectti / Shutterstock.com]

Die EU plant eine Herabsetzung des Mindestalters, ab dem junge Menschen eine Fahrausbildung für LKW machen können. Der Europäische Verkehrssicherheitsrat warnt jedoch vor dem Schritt, da dieser zu mehr Unfällen führen könne.

Die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten werden am Montag (4. Dezember) zusammentreffen, um die Überarbeitung der EU-Führerscheinrichtlinie zu diskutieren. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass 17-Jährige ihre Prüfung ablegen und mit dem begleiteten Fahren von Lkw beginnen dürfen, um Fahrerfahrung zu sammeln.

Der Europäische Verkehrssicherheitsrat (ETSC) befürchtet jedoch, dass diese Änderung mehr Länder dazu ermutigen würde, Jugendlichen ab 18 Jahren zu erlauben, Lkw alleine zu fahren, obwohl die EU-weite Empfehlung ab 21 Jahren lautet.

Derzeit erlauben nur fünf der 27 EU-Mitgliedstaaten 18-Jährigen das Führen von Lkw unter bestimmten Bedingungen: Deutschland, Finnland, Irland, Polen und Spanien.

Die Logistikindustrie hält eine Herabsetzung des empfohlenen Alters für entscheidend, um dem gravierenden Mangel an Lkw-Fahrern in Europa entgegenzuwirken.

Im Vorfeld des Treffens hatte die International Road Transport Union (IRU), ein Dachverband der Straßenlogistik, für Maßnahmen geworben, die es jungen Menschen erleichtern würden, Lkw-Fahrer zu werden.

Nach Angaben der IRU fehlten im Jahr 2022 in Europa 600.000 Fahrer, und bis 2026 wird ein Anstieg auf fast 2 Millionen erwartet.

Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ältere Fahrer in den Ruhestand gehen, ohne dass genügend junge Menschen ihren Platz einnehmen können. Gegenwärtig sind EU-weit nur sechs Prozent der Berufskraftfahrer unter 25 Jahre alt.

„Die Überarbeitung der EU-Führerscheinrichtlinie bietet die Möglichkeit, eines der Haupthindernisse für den Berufseinstieg junger Menschen zu beseitigen: die Zeitspanne zwischen dem Alter, in dem sie die Schule abschließen, und dem Alter, in dem sie Berufskraftfahrer werden dürfen“, so die IRU in einer Erklärung nach der Veröffentlichung des Vorschlags der EU-Kommission.

Der Vorschlag würde „einen großen Beitrag zur Verringerung der Kluft zwischen Schule und Beruf leisten“, sagte Raluca Marian, EU-Cheflobbyistin der IRU.

Mehr Unfälle bei 18- bis 20-jährigen

Im Gegensatz dazu argumentiert der Verkehrssicherheitsrat, dass es ernsthafte Konsequenzen für die Straßenverkehrssicherheit habe, wenn man „einen Teenager hinter das Steuer eines 40-Tonners setzt, wie Daten aus Ländern zeigen, die dies bereits erlauben.“

Der Verkehrssicherheitsrat vertritt Organisationen, die sich für weniger Verkehrsunfälle einsetzen, darunter Versicherer, Autounternehmen und Verkehrsclubs wie den ADAC.

In einem Brief an die EU-Verkehrsminister heißt es, dass eine Herabsetzung des empfohlenen Alters von 21 Jahren die Verkehrsteilnehmer gefährden würde, da junge Menschen ein weniger ausgeprägtes Risikobewusstsein haben und eher dazu neigen, Risiken einzugehen.

In dem Schreiben werden Untersuchungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft zitiert, wonach Lkw-Fahrer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren vergleichsweise mehr Unfälle mit Personenschäden verursachen. Dieselben Tendenzen seien auch in Finnland und Polen zu beobachten, heißt es.

Bei einem Briefing mit Journalisten warnte der ETSC, dass „die kognitive Entwicklung während der Pubertät zu größerer emotionaler Instabilität und selbstsichererem Verhalten führen kann.“

„Folglich neigen junge Menschen als Verkehrsteilnehmer zu riskantem Verhalten und haben ein geringeres Bewusstsein für die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind.“

„Katastrophale Folgen“

„Unsere Botschaft an die europäischen Gesetzgeber lautet: Senken Sie nicht das Mindestalter für jegliche Art von Führerschein, sondern richten Sie besondere Aufmerksamkeit auf die schwersten Fahrzeuge, bei denen Unfälle katastrophale Folgen haben können“, so der ETSC weiter.

Von Euractiv auf das Schreiben angesprochen, sagte die IRU, dass dieser „am Thema vorbeigeht“, da er sich auf Einzelfahrer konzentriert, was nicht die Absicht der Überarbeitung ist.

„Der Zweck des Kommissionsvorschlags ist es, ein bezahltes Praktikum oder ein ausbildungsähnliches Programm anzubieten, bei dem der junge Fahrer bereits in einen Job integriert werden kann, aber ein Jahr lang einen erfahrenen Fahrer an seiner Seite hat“, sagte John Kidd, Kommunikationsdirektor der IRU.

Die EU-Verkehrsminister hoffen, am Montag eine gemeinsame Position zur Führerscheinrichtlinie zu verabschieden, während der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments am Donnerstag (7. Dezember) über seine eigenen Änderungsanträge zu dem Vorschlag abstimmen wird.

Im Anschluss müssen EU-Parlament und Mitgliedsstaaten sich noch auf eine endgültige Version des Gesetzes einigen.

(Bearbeitet von Nathalie Weatherald)

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