Autos in EU stoßen fast genauso viel CO2 aus wie vor 12 Jahren

Im Jahr 2021 machten die verkehrsbedingten Emissionen 23 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU aus, wobei Pkw für mehr als die Hälfte dieser Emissionen verantwortlich waren. [Kichigin / Shutterstock.com]

Ein Großteil der Kraftfahrzeuge stoßen in der EU noch genau so viel CO2 aus wie vor 12 Jahren. Die EU-Vorschriften zur Verringerung der Emissionen konnten den Ausstoß nicht nennenswert senken, so ein Bericht des Europäischen Rechnungshofs.

In einem am Mittwoch (24. Januar) veröffentlichten Bericht untersuchte der Europäische Rechnungshof (EuRH) die Fortschritte der EU bei der Reduzierung der CO2-Emissionen von Kraftfahrzeugen.

Diese sind in den letzten zehn Jahren zwar effizienter geworden, allerdings wurden diese Effizienzgewinne durch die Zunahme des durchschnittlichen Gewichts und der Größe von Personenkraftwagen wieder zunichtegemacht, so der Rechnungshof.

Die Prüfer schätzen, dass das durchschnittliche Fahrzeuggewicht zwischen 2011 und 2022 um etwa zehn Prozent gestiegen ist.

„Kontinuierliche Verbesserungen in der Motorentechnologie und die Einführung von Hybridantrieben haben die Motoren effizienter gemacht, aber das höhere Fahrzeuggewicht in Verbindung mit leistungsfähigeren Motoren überschatten den technischen Fortschritt“, heißt es in dem Bericht.

In den letzten zehn Jahren blieben die Emissionen bei Dieselfahrzeugen unverändert. Bei Benzinfahrzeugen verringerten sie sich lediglich um 4,6 Prozent.

„Eine echte und spürbare Verringerung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen wird es nicht geben, solange der Verbrennungsmotor überwiegt, gleichzeitig ist die Umstellung der EU-Autoflotte auf Elektromobilität ein großes Vorhaben“, sagte Pietro Russo, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs, der die Prüfung leitete.

Hybridautos, die oft als saubere Lösung angepriesen werden, weil sie beide Antriebsarten kombinieren, wurden in dem Bericht als weit umweltschädlicher eingestuft als von der Automobilindustrie angenommen.

Bei Plug-in-Hybridfahrzeugen lag die durchschnittliche Differenz zwischen Labor- und Realemissionen den Prüfern zufolge bei rund 250 Prozent. Nach Ansicht der Prüfer begünstigt die Einstufung solcher Fahrzeuge als emissionsarm die Hersteller auf Kosten des Klimas.

Unterschiedliche Emissionswerte

Die Analyse ergab auch, dass es eine große Diskrepanz zwischen den von Herstellern angegebenen Fahrzeugemissionen, die unter Laborbedingungen gemessen wurden, und den Emissionen unter realen Bedingungen gibt.

Die Problematik der Abgastests im Labor geriet 2015 im Zuge des Dieselskandals in die Schlagzeilen. Es wurde festgestellt, dass einige Autohersteller, darunter Volkswagen, die Motoren ihrer Fahrzeuge manipuliert hatten, um die Emissionen bei Labortests künstlich zu verringern.

Fünf Jahre Dieselgate: VWs bitterer Jahrestag

Der deutsche Autohersteller Volkswagen hat nach Angaben von Verbrauchergruppen Autofahrer, die durch den Emissionsbetrugsskandal von 2015 betrogen wurden, immer noch nicht entschädigt.

Nach dem Skandal wurden Maßnahmen ergriffen, um die Prüfanforderungen zu verschärfen. Der Rechnungshof stellten fest, dass neue, 2017 eingeführte Maßnahmen dazu beigetragen haben, die Differenz zwischen den Angaben der Hersteller und der Realität auf den Straßen zu verringern.

Seit 2022 sammelt die Kommission Informationen über die Emissionen von eingebauten Kraftstoffverbrauch-Messgeräten in neuen Fahrzeugen, die ein genaueres Bild der Fahrzeugemissionen während der Fahrt vermitteln.

Verstoßen Automobilhersteller gegen die CO2-Emissionsgrenzwerte, müssen sie mit Geldstrafen, Emissionsüberschreitungsabgaben genannt, rechnen.

Im Jahr 2021 machten die verkehrsbedingten Emissionen 23 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU aus, wobei Pkw für mehr als die Hälfte dieser Emissionen verantwortlich waren.

Mängel bei Zertifizierungen

Die Prüfer besuchten drei EU-Staaten, um ein besseres Verständnis des Typgenehmigungsverfahrens zu erlangen. Dieses bescheinigt, dass die auf den Straßen der EU zugelassenen Fahrzeuge die erforderlichen CO2- und Schadstoffnormen erfüllen.

Zwar hält Deutschland die Vorschriften ein, allerdings, wurde festgestellt, dass die Typgenehmigungsbehörden in Italien und den Niederlanden keine ausreichenden Tests durchführten, um sicherzustellen, dass die von den Herstellern angegebenen CO2-Werte korrekt waren.

Die Tests der Hersteller müssen von den Typgenehmigungsbehörden überprüft werden, die diese vor Ort begleiten müssen. Während die deutschen Behörden zwischen 2020 und 2021 bei 79 solcher Prüfungen anwesend waren, nahmen die italienischen Behörden nur an zwei Prüfungen teil. Die niederländischen Behörden waren bei keiner einzigen Prüfung vor Ort.

Das Fehlen der niederländischen und italienischen Behörden „schränkt die Sicherheit ein, dass die von den Herstellern in den Übereinstimmungszertifikaten angegebenen CO2-Emissionen der Fahrzeuge korrekt sind“, heißt es in dem Bericht.

Es wurde auch festgestellt, dass die Europäische Kommission nicht wusste, wie (oder ob) die Mitgliedstaaten diese Typgenehmigungsprüfungen durchführen. Daher hatte die EU-Kommission nur wenige Daten, auf deren Grundlage sie Verbesserungen vorschlagen konnte.

Empfehlungen

Damit die EU ihre Ziele bei der Senkung der Verkehrsemissionen erreichen kann, empfiehlt der Europäische Rechnungshof der Kommission, die Mitgliedstaaten besser zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie die erforderlichen Emissionskonformitätsprüfungen durchführen.

Der Europäische Rechnungshof fordert außerdem, dass die Kommission den Verbrauchern Informationen über den realen Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen zur Verfügung stellt. Diese Maßnahme würde die Hersteller dazu anhalten, die Laborergebnisse besser mit den unter realen Fahrbedingungen ausgestoßenen Emissionen in Einklang zu bringen.

Um die Emissionen der Fahrzeuge auf der Straße schneller zu reduzieren, empfehlen die Prüfer, die derzeitigen flottenbezogenen Ziele für Hersteller, die auf durchschnittlichen CO2-Reduzierungen basieren, durch Ziele für einen Mindestanteil an emissionsfreien Fahrzeugen zu ersetzen.

Darüber hinaus sollte eine Obergrenze für die realen CO2-Emissionen für alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, einschließlich Hybridfahrzeugen, eingeführt werden.

Die Prüfer forderten die Kommission ebenso auf, die Mitgliedstaaten bei der Umstellung auf ein standardisiertes elektronisches Formular für die Bereitstellung von Typgenehmigungsdaten zu unterstützen.

Im Jahr 2018 war etwa jedes hundertste neu zugelassene Auto ein Elektrofahrzeug, 2022 fast jedes siebte. Die Prüfer weisen darauf hin, dass die Einführung von Elektrofahrzeugen zwar den Großteil zur Reduzierung der CO2-Emissionen beiträgt, es jedoch Schwierigkeiten bei der Ablösung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gibt.

Zu den Herausforderungen gehören der höhere Anschaffungspreis von Elektrofahrzeugen, die unzureichende Ladeinfrastruktur in den meisten Mitgliedstaaten und Probleme bei der Verfügbarkeit von Batterien, die vor allem auf den Mangel an wichtigen Rohstoffen in der EU zurückzuführen sind.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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