EU-Jobgarantie für Jugendliche – aber wie?

DISCLAIMER: All opinions in this column reflect the views of the author(s), not of EURACTIV.COM Ltd.

Tausende jugendliche Griechen haben mehrfach auf dem Syntagma-Platz in Athen protestiert. Für viele von ihnen liegt die Zukunft nicht in ihrer Heimat. Sie finden dort keine Arbeit. Foto: dpa

Standpunkt von Stefan Vetter (Deutsche Bank Research)Die Jugendlichen in Europa zählen zu den größten Verlierern der Krise. Die Zahlen der sogenannten NEETs (Not in Employment, Education or Training) sind erschreckend. Stefan Vetter (Deutsche Bank Research) analysiert, was zu tun ist.

Der Autor


" /Dr. Stefan Vetter
ist Analyst für europäische Wirtschaftspolitik bei der Deutschen Bank. Er analysiert und kommentiert aktuelle wirtschaftspolitische Entwicklungen in Europa. 

_______________

Im Januar 2013 lag die Arbeitslosenquote der 16-bis 24-Jährigen im EU-Durchschnitt bei 23,6 Prozent. Die traurigen Spitzenreiter sind Griechenland und Spanien mit über 55 Prozent, aber auch in Italien und Portugal haben fast 40 Prozent keinen Job.

Auch die absoluten Zahlen sind erschreckend. Insgesamt gibt es unter den 25-Jährigen 7,5 Millionen sogenannter NEETs (Not in Employment, Education or Training), dazu kommen noch einmal 6,5 Millionen bei den 25- bis 29-Jährigen.

Die von der Europäischen Kommission verkündete Beschäftigungsgarantie für Jugendliche unter 25 Jahren ist eine Reaktion auf diese besorgniserregende Entwicklung. Von 2014 bis 2020 stehen insgesamt 6 Milliarden Euro für jene Regionen zur Verfügung, in denen die Jugendarbeitslosenquote bei über 25 Prozent liegt. Wer länger als vier Monate arbeitslos ist, soll eine geförderte Arbeitsstelle bekommen.

Gießkannenprinzip hilft nicht

Der Beschluss ist allerdings lediglich eine Empfehlung an die nationalen Regierungen, die sich um die Umsetzung kümmern sollen. Mit welchen Maßnahmen dies geschehen wird, ist noch weitgehend unklar. Eine Förderung nach dem Gießkannenprinzip dürfte aber nicht dazu führen, dass viele qualifizierte Jobs entstehen. Diese würden die Unternehmen schon schaffen, wenn sie aktuell einen ausreichenden Bedarf hätten.

Angesichts der großen Zahl an gut ausgebildeten jungen Arbeitslosen müssen Firmen in den am stärksten betroffenen Ländern momentan ohnehin keine hohen Löhne bieten, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die in der Krise verloren gegangenen Jobs werden aber erst wieder nachhaltig aufgebaut werden können, wenn das Wachstum in diesen Ländern wieder anzieht.

In der kurzen Frist werden die GIIPS-Staaten also nicht in der Lage sein, der Mehrheit der Jugendlichen vor Ort eine adäquate Stelle zu bieten. In den weniger betroffenen EU-Ländern gibt es dagegen in einigen Bereichen einen Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften, z.B. im Gesundheitsbereich, bei der Kinderbetreuung oder Altenpflege, sowie in vielen qualifizierten Handwerksberufen.

Die Möglichkeiten eines gesamteuropäischen Arbeitsmarktes werden aber nicht zuletzt aufgrund besserer Sprachkenntnisse bisher vor allem von Akademikern genutzt. Dabei würden sich auch Arbeitslosen mit mittlerer Qualifikation im Ausland oft bessere Chancen bieten.

Worauf EU-Beschäftigungsinitiative abzielen müssen

Eine EU-Beschäftigungsinitiative sollte daher vor allem darauf abzielen, die nationalen Arbeitsmärkte besser zu vernetzen und Mobilitätsanreize zu erhöhen. Jugendliche in stark betroffenen Regionen sollten aktiv dabei unterstützt werden, sich dort um Jobs zu bemühen, wo das Angebot am größten ist. Darunter fallen beispielsweise finanzielle Mobilitätszuschüsse und Beihilfen zur schnelleren Eingliederung in einen neuen Job im Ausland, z.B. Zuschüsse für Sprachkurse.

Davon würden letztendlich alle Seiten profitieren. Jugendliche aus den Krisenländern könnten nicht nur ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten, sondern sich zugleich beruflich besser qualifizieren, als dies in ihrem Heimatland aktuell möglich ist. Das würde langfristig ihr Verdienstpotenzial und ihre Beschäftigungschancen erhöhen, sowohl im In- als auch im Ausland.

In Mitteleuropa könnten dringend benötigte Arbeitskräfte gewonnen werden, und die Krisenstaaten würden Ausgaben für die Unterstützung arbeitsloser Jugendlicher sparen.

In den Ländern selbst könnten etwa Beihilfen zur Existenzgründung sinnvolle Impulse setzen. Für eine langfristige Verbesserung müssen aber auch strukturelle Probleme angegangen werden, beispielsweise der hohe Anteil an vorzeitigen Schulabgängern (in Italien ca. 20 Prozent, in Portugal und Spanien ca. 25 Prozent). Dabei waren beispielsweise Spanien und Portugal zu massiven Kürzungen im Bildungsbereich gezwungen, um ihre Defizitziele einzuhalten.

Jene Länder, die sich ernsthaft um die Konsolidierung ihrer Haushalte bemüht hatten, könnten einen Teil der bereitgestellten EU-Mittel als temporäre Zuschüsse erhalten, um die langfristig schädlichen Kürzungen im Bildungsbereich abzumildern.

Zusätzlich geht es auch darum, den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Die niedrige Jugendarbeitslosenquote in Deutschland liegt nicht zuletzt am dualen Ausbildungssystem. Einerseits wird es dadurch für Unternehmen attraktiv, junge Arbeitnehmer einzustellen, andererseits verschafft es den Schulabgängern einen qualifizierten Einstieg in die Arbeitswelt.

Auch wenn das erfolgreiche deutsche Modell nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen werden kann, ist eine Anpassung in diese Richtung sinnvoll.


Die Analyse wurde EURACTIV.de von
 Deutsche Bank Research?zur Verfügung gestellt.

Subscribe to our newsletters

Subscribe