Topmanager zum Shutdown: Extrem ernst, aber Hoffnung bis zuletzt

Peter Löscher (Siemens), Paul Achleitner (Deutsche Bank), Wolfgang Mayrhuber (Lufthansa). Foto: Siemens / WEF (CC BY-SA 2.0) / dpa

Drei Topmanager in Deutschland – Paul Achleitner, Peter Löscher und Wolfgang Mayrhuber – finden die Situation in den USA extrem besorgniserregend, hoffen aber immer noch auf Vernunft im allerletzten Moment.

"Ich habe gerade noch mit den USA telefoniert", berichtet Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Bank AG, Mittwoch Mittag in Berlin. "Es wird zu keiner Einigung kommen." Das bedeute aber immer noch nicht die unmittelbar bevorstehende Zahlungsunfähigkeit. "Es ist extrem ernst, und der Ernst der Lage nimmt noch zu."

Im Lauf des Tages seien demnach "keine positiven Rauchsignale zu erwarten". Für die Insolvenz gebe es allerdings noch etwas Zeit im Ausmaß von wenigen Tagen. Genau lasse sich der Termin dafür nicht errechnen, weil man durch das Setzen von Prioritäten manches strecken könne. "Insgesamt ist das eine völlig neue Kategorie und eine extrem besorgniserregende Diskussion", so Achleitner.

Achleitner zieht eine Parallele zwischen der US-Krise und der EU-Krise: "Wenn man das mit der Krisenbewältigung in Europa vergleicht, die so sehr kritisiert worden ist, dann erscheint alles, was in der europäischen Gemeinschaft getan wurde, sehr beachtenswert. Noch dazu wo die EU kein bestehendes Rahmenwerk dafür hatte und erst in der Krisenbekämpfung eines schaffen musste, wogegen die USA ein seit mehr als 200 Jahren bestehendes Framework haben."

Peter Löscher, früherer Siemens-Chef und derzeit Präsident des Stiftungsrates der Siemens Stiftung, hat viel Amerika-Erfahrung und ist immer noch optimistisch, "dass am Ende die Vernunft siegt". Er verweist auf starke parteipolitische Aspekte mit entsprechend starker politischer Dynamik: Die Republikaner seien mit ihren Flügeln sehr zersplittert, ganz anders als vor zehn Jahren. Er setzt auf weitere harte politische Verhandlungen und könnte sich ein Szenario mit einer Verlängerung von etwa einem Monat vorstellen.

Ähnlich Wolfgang Mayrhuber, früher Vorstandsvorsitzender und jetzt Aufsichtsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG: "Ich hoffe, dass sie mit dem politischen Donnerwetter aufhören und zur Vernunft kommen. Es ist extrem notwendig, dass die USA funktionert."

Zum Shutdown äußerten sich die drei Führungskräfte der deutschen Wirtschaft – alle drei sind gebürtige Österreicher – in einer Diskussion zum Thema "Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit für Europa", die am heutigen Mittwoch in der österreichischen Botschaft in Berlin stattfand. 


Ewald König

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