Deutschland zieht Arbeitskräfte aus den Krisenländern Griechenland, Spanien, Portugal und Italien an. Kräftige Job-Zuwächse gibt es auch für Menschen aus den acht neuen EU-Mitgliedsstaaten, die seit einem Jahr freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben. Das geht aus Sonderberichten der Bundesagentur für Arbeit hervor.
Die Zahl der in Deutschland beschäftigten Griechen, Portugiesen, Italiener und Spanier hat sich überdurchschnittlich erhöht, und zwar innerhalb eines Jahres insgesamt um 28.000 oder 6,5 Prozent, heißt es in einem Sonderbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA). Demnach ist der Anstieg bei Spaniern und Griechen mit 11,5 beziehungsweise 9,8 Prozent von Mai 2011 im Vergleich zu Mai 2012 am stärksten ausgefallen.
"Dass diese Anstiege mit der Schuldenkrise in diesen Ländern zusammenhängen kann plausibel vermutet werden", heißt es in dem BA-Bericht, der den Titel "Auswirkungen der EU-Schuldenkrise auf den deutschen Arbeitsmarkt" trägt und von Spiegel Online veröffentlicht wurde.
Bei den Jobsuchenden stand einer starken Zunahme bei Spaniern und Griechen mit 10,5 beziehungsweise 4,1 Prozent ein Rückgang bei Italienern von 6,4 Prozent gegenüber. Bei den Hartz IV-Empfängern gibt es eine ähnliche Tendenz: "Auch hier gab es bei Spaniern und Griechen eine Zunahme (von 13,0 bzw. 4,5 Prozent) und eine Abnahme bei Italienern (-5,6 Prozent) und Portugiesen (-1,5 Prozent)", heißt es in dem Bericht.
Effekte der Arbeitnehmerfreizügigkeit
Die Bundesagentur verweist zudem auf die Arbeitsmarkteffekte durch die seit 1. Mai 2011 geltende uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit für die 2004 beigetretenden acht neuen EU-Mitgliedstaaten Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen. "Arbeitnehmerfreizügigkeit und EU-Schuldenkrise sind zwar unabhängig voneinander, wirken aber in die gleiche Richtung, da sich die Zahl der Personen aus diesen Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt erhöht", schreiben die deutschen Arbeitsmarkt-Analysten.
Die Details der Effekte wurde in dem Sonderbericht "Auswirkungen der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai auf den Arbeitsmarkt" zusammengefasst. "Im Mai 2012 betrug die Zahl der Beschäftigten schon 354.000 und damit 94.000 oder 36 Prozent mehr als im Vorjahresmonat", heißt es in dem Sonderbericht. Der Anteil der Beschäftigten aus diesen acht EU-Ländern an allen Beschäftigten lag aber auch im Mai bei gerade einmal 1,0 Prozent.
Anhand eines Datenabgleichs mit dem Ausländerzentralregister geht die Bundesagentur für Arbeit davon aus, dass der Anstieg der Beschäftigten aus diesen acht Ländern nur zum Teil durch Zuwanderung erfolgt ist. "Viele Personen dürften bereits in Deutschland gelebt haben und nicht erwerbstätig oder als Selbständige tätig gewesen sein", heißt es in dem Sonderbericht.
mka
Links
BA: Auswirkungen der EU-Schuldenkrise auf den deutschen Arbeitsmarkt (Juli 2012)
BA: Auswirkungen der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai auf den Arbeitsmarkt (Juli 2012)

