Rating-Agentur Moody’s prüft Herabstufung Spaniens

Blick auf Barcelona. Auch die spanische Region Katalonien hat mit massiven Finanzproblemen zu kämpfen. Die Agentur Moody's entzog ihr am Freitag das "A"-Rating. Foto: TiM Caspary / pixelio.de.

Euro-Krise und kein Ende. Die US-Rating-Agentur Moody’s hegt Zweifel an Spaniens Kreditwürdigkeit und stellt dem Euro-Sondertreffen vergangene Woche indirekt ein fatales Zeugnis aus. Spaniens Regionen stuft Moody’s bereits reihenweise herab – von Valencia bis Katalonien.

Nur eine Woche nach dem Euro-Krisengipfel (EURACTIV.de vom 22. Juli 2011) erodiert die Kreditwürdigkeit in der Währungsgemeinschaft weiter.

Aktuell droht dem hoch verschuldeten Spanien die Herabstufung seiner Bonität. Die Ratingagentur Moody’s teilte am Freitag mit, sie prüfe, das Rating Aa2 abzusenken. Sollte es dazu kommen, wäre eine Stufe wahrscheinlich. Dieser Schritt würde die Finanzierungs-Kosten für Madrid erhöhen. Grund der Prüfung sei die zunehmende Anfälligkeit der spanischen Staatsfinanzen.

Zudem dürfte der Finanzierungsdruck auf die Südeuropäer nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland wachsen, so die US-Rating-Agentur. Die Begründung: Das neue Griechenland-Paket habe einen "Präzedenzfall für die künftige Beteiligung des privaten Sektors an Umschuldungen von Ländern der Euro-Zone geschaffen."

Anders formuliert: Auch Kreditgeber Spaniens müssen künftig damit rechnen, ihr Geld nicht mehr vollständig wiederzusehen. Die Privatgläubiger Griechenlands hatten sich auf dem Euro-Krisengipfel vergangene Woche freiwillig bereit erklärt, einen Abschlag von 21 Prozent auf den Wert ihrer Hellas-Anleihen in Kauf zu nehmen (EURACTIV.de vom 22. Juli 2011). Der Finanzsektor beteiligt sich also mit rund 37 Milliarden am zweiten Hilfspaket für die Regierung in Athen.

Mit der Analyse von Moody’s scheint sich die Einschätzung der Ökonomen Ansgar Belke und Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu bewahrheiten. Die Experten kommentieren, mit den Gipfel-Beschlüssen werde die Schuldenkrise nicht beendet, "vielmehr dürfte das Risiko einer Ansteckung anderer Länder noch zunehmen".

Moody’s von neuen EFSF-Befugnissen unbeeindruckt

Der Gipfel beschloss auch, dem Euro-Rettungsfonds (EFSF / ab 2013: ESM) künftig zu erlauben, in Ausnahmefällen auf den Finanzmärkten Staatsanleihen von Euroländern zu kaufen – auch von Staaten wie Spanien und Italien. Mit dieser Maßnahme sollten eigentlich Spekulationen auf einen Zahlungsausfall Spaniens und Italiens gebremst werden – im Notfall springt die EFSF ein und beruhigt die Märkte, so die Botschaft. Moody’s lässt sich von diesem Beschluss des Gipfels aber nicht beeindrucken. Es sei eine Ausweitung der Befugnisse für die EFSF vorgeschlagen worden, schreibt die Rating-Agentur nüchtern. Es sei aber nicht klar, "wann diese Befugnisse umgesetzt werden".

Tatsächlich müssen die nationalen Parlamente die neuen Befugnisse der EFSF und des ESM noch absegnen. Auch im deutschen Bundestag regt sich Kritik (EURACTIV.de vom 27. Juli 2011). 

Schuldendebakel in Spaniens Regionen 

Große Sorgen bereiten indes die Finanznöte der spanischen Regionen. Moody’s stufte am Freitag die Bonität von sechs Regionen herab, darunter Valencia und Katalonien. Die Herabstufung weiterer Regionen werde geprüft, so Moody’s. Auch das Baskenland muss um seine Bonitätsnote bangen.

awr

Links


Presse

Handelsblatt.de: Moody’s will Spanien an den Kragen gehen (29. Juli 2011)

Dokumente

Moody’s: Moody’s places Spain’s Aa2 ratings on review for possible downgrade (29. Juli 2011)

Moody’s: Rating Action: Moody’s downgrades ratings of six Spanish regions; ratings of other sub-sovereign entities are placed on review for downgrade (29. Juli 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

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Schäuble zur Euro-Rettung: "Der Weg ist nicht ohne Risiken…" (27. Juli 2011)

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Aufbau Süd: Rösler lädt zum Investitionsgipfel (27. Juli 2011)

BDI will Griechen helfen – Solarstrom für Deutschland? (26. Juli 2011)

Dokumente zum Euro-Gipfel / zur Griechenland-Hilfe

Rat: A common response to the crisis situation. Pressemitteulung zum Euro-Gipfel (21. Juli 2011)

Rat: Erklärung der Staats- und Regierungschefs des Euro-Währungsgebiets und der EU-Organe (22. Juli 2011)

Rat: Remarks by President Van Rompuy at the press conference following the Eurozone Summit (21. Juli 2011)

Kommission:
Statement by President Barroso following the meeting of the Heads of State or Government of the Euro area (21. Juli 2011)

Bundestag: Angenommener Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und FDP. Einvernehmensherstellung von Bundestag und Bundesregierung zur Ergänzung von Artikel 136 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) hinsichtlich der Einrichtung eines Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) (17. März 2011)

Bundestag: Angenommener Entschließungsantrag der Fraktionen der CDU/CSU und FDP zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundesminister der Finanzen Stabilität der Eurozone sichern – Reformkurs in Griechenland vorantreiben (10. Juni 2011)

Bundestag: Plenardebatte zur 2. Griechenlandhilfe. Vorläufiges Protokoll (10. Juni 2010)

IIF: Greece Financing Offer: Statement by the IIF Board of Directors. Pressemitteilung (21. Juli 2011)

IIF: IIF Financing Offer (21. Juli 2011)

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