Der Recovery Fund und die neue Strategie für nachhaltige Finanzen der EU werden die Rolle ausweiten, die kleinere Firmen beim „nachhaltigen Wiederaufbau“ der europäischen Wirtschaft spielen können, so EU-Beamte.
Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stellen rund 90 Prozent der Firmen in der EU dar. Sie werden in Brüssel gerne als „Rückgrat der europäischen Wirtschaft“ bezeichnet. Die Pandemie zwang jedoch viele kleinere Betriebe zur – teils endgültigen – Schließung, vor allem im Gastgewerbe und in der Tourismusbranche.
Während in den EU-Mitgliedsstaaten die Maßnahmen auslaufen, die zur Milderung der Pandemie-Auswirkungen ergriffen worden waren, betonen Vertreter:innen der Europäischen Kommission, wie wichtig es sei, die Unterstützung für KMUs während des nun erfolgenden Übergangs „klug“ und gezielt aufrechtzuerhalten. Das bekräftigte kürzlich erneut Geraldine Mahieu, stellvertretende Direktorin in der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Kommission, während einer von EURACTIV.com ausgerichteten Veranstaltung.
Für KMU sei nicht nur der relative Schaden durch die Pandemie höher; auch der Wiederaufbau inklusive der Umsetzung eines „grünen und digitalen“ Wandels dürfte für sie finanziell schwieriger sein, erklärte Mahieu. Sie betonte, Brüssel und die nationalen Regierungen hätten daher die „Pflicht“, solche Betriebe mit angemessener Infrastruktur und „den richtigen Anreizen“ zu fördern.
Während der Pandemie-Hochzeiten hätten KMU besonders vom SURE-Mechanismus der EU profitiert, mit dem Arbeitnehmende unterstützt und Massenentlassungen vermieden wurden, erklärte die Beamtin weiter. Mit Blick auf die Zukunft wolle die Kommission kleinen und mittelgroßen Unternehmen bei der „grünen Umstellung“ helfen, indem sie den Zugang zu Finanzmitteln erleichtert und die angemessene Umsetzung der nationalen Wiederaufbaupläne sicherstellt.
Derweil beinhaltet auch die neue Strategie für nachhaltige Finanzen, die die Kommission Anfang Juli vorstellte, neue Instrumente und Anreize, um KMUs den Zugang zu „grünen Investitionen“ auf den Kapitalmärkten zu erleichtern, hatte Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis angekündigt.
Die maltesische sozialdemokratische Europaabgeordnete Josianne Cutajar wies jedoch darauf hin, dass viele KMU, insbesondere kleinere Firmen, Nachhaltigkeitsziele eher „negativ“ wahrnehmen. Schließlich stellen sie zusätzliche Kosten dar, die die Unternehmen decken müssen – in einer Zeit eher begrenzter finanzieller Ressourcen.
Sie befürworte daher die Idee von „Nachhaltigkeitsberatern“, die Unternehmen unterstützen und über die vielfältigen Möglichkeiten und Chancen des „grünen Übergangs“ informieren, so Cutajar.
Mit Blick auf die nationalen Konjunkturprogramme merkte die Kommissionsbeamtin Mahieu indes an, viele der von den Mitgliedsstaaten vorgeschlagenen Reformen dürften zumindest indirekt kleinen Unternehmen zugute kommen. Dazu zähle sie Maßnahmen zur allgemeinen Verbesserung des Geschäftsumfelds oder lokale Initiativen zur Gebäudesanierung.
Darüber hinaus sehen einige Länder, beispielsweise Spanien, einen Teil der Finanzierung für große Projekte vor, die für kleinere Betriebe alleine nicht zu stemmen wären. Dazu zählten Projekte wie die nationale Wasserstoff-Initiative.
Milena Angelova, die im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EESC) die Arbeitgeber vertritt, „bedauerte“ jedoch, dass lediglich fünf Prozent der nationalen Konjunkturprogramme direkte Unterstützung für KMUs bieten.
Sie betonte, dass diese Art von Unternehmen direkte Zuschüsse anderen Finanzinstrumenten vorziehen, die in der Strategie für nachhaltige Finanzen skizziert werden.
Außerdem warnte sie vor der „Belastung“, die die zusätzliche Berichterstattung in Sachen Finanzen und Nachhaltigkeit für kleinere Unternehmen bedeuten könne. Diese Belastung müsse gerade in der „Wiederaufbauphase“ möglichst gering gehalten werden.
[Bearbeitet von Benjamin Fox]






