58 Prozent sehen keinen starken Zuzug, 81 Prozent haben keine Arbeitsplatzsorgen. Zum ersten Jahrestag der Arbeitsmarktliberalisierung zieht eine ÖGfE-Umfrage Bilanz.
"Die Österreicher sehen die?Auswirkungen der Arbeitsmarktliberalisierung durchaus gelassen", ?fasst Paul Schmidt, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für? Europapolitik (ÖGfE), die Hauptergebnisse einer aktuellen? ÖGfE-Umfrage zusammen. "Eine Mehrheit sieht, ein Jahr nach der ?Öffnung des österreichischen Arbeitsmarkts, keinen starken Zuzug von? Arbeitskräften aus unseren Nachbarländern. Lediglich eine Minderheit? sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz. Die Wirksamkeit des ?Lohndumping-Gesetzes wird positiv beurteilt."
Bilanz positiver als erwartet
58 Prozent der Befragten meinen, dass es seit der? Arbeitsmarktöffnung keinen starken Zuzug von Arbeitskräften aus der? Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn gegeben hat. 34? Prozent sind gegenteiliger Ansicht ("starker Zuzug"). Vor der? Arbeitsmarktöffnung waren es 49 Prozent ("kein starker Zuzug?erwartet") gegenüber 47 Prozent ("starker Zuzug befürchtet") der? Befragten (ÖGfE-Umfrage, Januar 2011).
"Tatsächlich sind mit Ende Februar, gegenüber dem Vorjahr, ?lediglich 24.187 Arbeitnehmer aus jenen 8 EU-Ländern zusätzlich zu? uns gekommen, für die sich der heimische Arbeitsmarkt mit 1. Mai 2011?geöffnet hat", verweist Schmidt auf die offiziellen Zahlen des ?österreichischen Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.?
Der stärkste Zuwachs ist auf Arbeitnehmer aus Ungarn zurückzuführen?(plus 11.097) – vgl. Slowakei (plus 4.631) und Tschechische Republik?(plus 1.444).
"Die Tendenz stimmt; der Arbeitskräftezuzug wird heute? realistischer eingeschätzt. Manche der vor dem 1. Mai 2011 geäußerten? Bedenken hinterlassen aber nach wie vor ihre Spuren. Diese ?Wahrnehmung ist in so kurzer Zeit, auch durch die tatsächlichen ?Arbeitsmarktdaten, nicht vollständig auszuräumen."
Eigener Arbeitsplatz nicht gefährdet
81 Prozent der Befragten, die zur Zeit einer Beschäftigung ?nachgehen, sehen heute durch die Arbeitsmarktöffnung keine Gefährdung? ihres eigenen Arbeitsplatzes (2011: 89 Prozent). 13 Prozent sind? gegenteiliger Ansicht (2011: 8 Prozent).?
Erste Bilanz zum Lohndumping-Gesetz
51 Prozent sind mit der bisherigen Wirkung des 2011 in Kraft? getretenen Lohndumping-Gesetzes zufrieden. Für 32 Prozent ist dies noch nicht der Fall. Die Erwartungen an das neue Gesetz waren ?Anfang 2011 hoch: 68 Prozent hatten mit positiven Auswirkungen auf ?die Eindämmung von Lohndumping gerechnet, 23 Prozent waren damals? skeptisch.
"Das Lohndumping-Gesetz war und ist eine entscheidende? Begleitmaßnahme. Wichtig ist, dass Kontrollen auch rigide? weitergeführt und die Information über die Wirkung des Gesetzes? verstärkt werden", meint Schmidt.
Jeder zweite Jugendliche sieht Chancen
53 Prozent der Befragten bis 25 Jahre könnten sich vorstellen,? jenseits der Grenze zu arbeiten. (2011: 51 Prozent). Insgesamt wäre ?das jedoch nur für 16 Prozent der befragten Österreicher denkbar (2011: 23 Prozent); 56 Prozent schließen es aus, ?in einem unserer "östlichen" Nachbarländer zu arbeiten (2011: 53?Prozent).
Arbeitsplätze für Österreicher in den Nachbarländern
58 Prozent der Befragten glauben, dass durch die? Arbeitsmarktöffnung auch Arbeitsplätze für Österreicher in den? Nachbarländern entstehen (2011: 51 Prozent). 34 Prozent sind? skeptisch (2011: 44 Prozent).
Auch hier nehmen die Befragten bis 25 Jahre mit 70 Prozent eine ?sehr positive Sicht ein (2011: 61 Prozent).
Arbeitsmarkt für Rumänien und Bulgarien weiter beschränken?
Kaum verändert hat sich das Meinungsbild hinsichtlich der ?Beschränkung des österreichischen Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte? aus Rumänien und Bulgarien bis Ende 2013: 77 Prozent plädieren dafür, ?sie beizubehalten (2011: 75 Prozent), 14 Prozent sind für eine ?frühere Öffnung (2011: 18 Prozent).
"Ein Jahr nach der Arbeitsmarktöffnung haben sich die ?Befürchtungen eines massiven Zuzugs von ausländischen Arbeitskräften ?nicht bestätigt. Eine Mehrheit der Österreicher ?sieht diesen Liberalisierungsschritt jedenfalls entspannt", erläutert ?Schmidt.
Die Umfrage wurde von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden ?insgesamt 514 Österreicher per Telefon im April 2012.
Red.
Links
EURACTIV.de: Stimmung in östlichen Grenzregionen deutlich besser (8. März 2012)

