Berlin-Konferenz über Jugendarbeitslosigkeit: EU-Haftung für Betriebe?

Tausende jugendliche Griechen haben mehrfach auf dem Syntagma-Platz in Athen protestiert. Für viele von ihnen liegt die Zukunft nicht in ihrer Heimat. Sie finden dort keine Arbeit. Foto: dpa

Heute, Mittwoch, ringen nicht nur Spitzenpolitiker aus den EU-Ländern, sondern auch Sozialpartner und Arbeitsamtschefs um konkrete Lösungen in Sachen Jugendarbeitslosigkeit. Ein Vorschlag aus Österreich sieht eine EU-Garantie für Ausbildungsbetriebe vor.

Betriebe, die junge Arbeitslose zur Ausbildung aufnehmen, sollen von der EU eine Garantie von 10.000 Euro erhalten sowie zwei Jahre lang keine Steuern und Abgaben zahlen. Diesen Vorschlag brachte Österreichs Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl auf dem heutigen Gipfeltreffen zur europäischen Jugendarbeitslosigkeit in Berlin vor.

Da es für Unternehmen immer schwieriger geworden sei, für Investitionen Bankkredite zu bekommen, solle die EU eine Haftung von 10.000 Euro pro Einstellung übernehmen. Durch die EU-Garantie müsste das Unternehmen keine eigenen Sicherheiten mehr stellen. Dadurch könnten die "echten Wachstumsbremsen", die auf den Bankensektor zurückgehen, überwunden werden.

Diesen Vorschlag brachte Leitl heute auf der Konferenz vor, zu der mehrere Staats- und Regierungschefs, die EU-Spitzen sowie Sozialpartner und Arbeitsamtschefs nach Berlin kamen.

Die Haftungsübernahme in Höhe von 10.000 Euro solle für Betriebe in ganz Europa und nicht nur in den Krisenstaaten gelten.

Die europäische Jugendarbeitslosigkeit in diesem Ausmaß sei nicht nur ein Skandal, warnte Leitl, sondern die gefährlichste innere Bedrohung für die Stabilität in Europa. "Wo die Jugend keine Hoffnung hat und ihre Zukunftschancen nicht verwirklicht sieht, dort rebelliert sie. Ganz klar. Tät ich auch", sagte Leitl am Rande der Konferenz vor Korrespondenten in Berlin.

Binnen sieben Jahren, also bis 2020, solle die Jugendarbeitslosigkeit in Europa halbiert sein. Das duale Berufsausbildungssystem Deutschlands und Österreichs und einiger anderer Staaten solle demnach auch in andere Länder exportiert werden. Denn überall, wo das duale System, also die Kombination von Schulausbildung und betrieblicher Lehre, praktiziert werde, sei die Jugendarbeitslosigkeit mit durchschnittlich acht Prozent viel geringer als in Ländern ohne diese System, wo sie bei 25 Prozent liegt.

Weitere Meldungen zur Konferenz in Kürze.


Ewald König


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