Wladimir Putin sagte eine geplante Reise in die Türkei ab. Der russische Präsident will sich offenbar im Konflikt zwischen der Türkei und Syrien nicht einseitig positionieren. Hintergrund der Absage ist die von türkischen Kampfjets erzwungene Landung eines syrischen Passagierflugzeugs – laut Syrien ein Akt der „Luftpiraterie“.
Die Beziehungen zwischen Ankara, Damaskus und Moskau sind zur Zeit äußerst angespannt. Weil die Türkei im syrischen Airbus Waffen für Syrien vermutete, zwang das türkische Militär das aus Moskau kommende syrische Flugzeug zur Landung auf dem Flughafen von Ankara. Erst nach einer achtstündigen Zwangspause und der Beschlagnahmung der Fracht ging es nach Damaskus weiter.
Die Türkei habe "militärische Ausrüstung und Munition" in dem syrischen Passagierflugzeug sichergestellt, die von einem russischen Produzenten stamme, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan und erhöhte mit dieser offiziellen Stellungnahme die Dramatik des Vorgangs.
Im Flugzeug befanden sich auch mehrere russische Passagiere. Moskau übte scharfe Kritik an Ankara und verlangte von der türkischen Regierung eine Erklärung für den Vorfall.
Syrien über Türkei: "Luftpiraterie"
Nach Mitteilungen des türkischen Außenministeriums haben sich in der Passagiermaschine "Gegenstände befunden, die nach zivilen Luftfahrtvorschriften hätten deklariert werden müssen". Damit waren offenbar Waffen für das syrische Regime gemeint. Das Ministerium sagte nicht, um welche Teile es sich gehandelt habe; türkischen Medienberichten zufolge waren es Teile von Raketensystemen. Es sollen 300 Kilogramm Material gewesen sein, die an Syriens Verteidigungsministerium gehen sollten. Moskau gilt als Waffenlieferant für das syrische Regime.
Syrien gab an, es habe sich bei der Fracht im Airbus der Syrian Arab Air nicht um Waffen gehandelt, sondern um Pakete mit zivilen elektrischen Geräten. Der syrische Verkehrsminister verglich die türkische Aktion mit Luftpiraterie.
Auch Ukraine dementiert Waffenlieferungen
Indessen bestritt auch die ukrainische Regierung, Material, das sowohl militärisch als auch zivil verwendet werden könne, nach Syrien zu liefern. Anlass dieses Dementis waren Medienberichte, wonach bei den syrischen Kämpfern Munitionskisten aus der Ukraine gefunden worden seien.
Laut Nachrichtenagentur Ukrinform seien 2010 Rüstungsgüter an das saudiarabische Verteidigungsministerium geliefert worden, die Regierung könne aber nicht feststellen, was Saudiarabien mit dem Material gemacht habe.
Nach einem Bericht der BCC waren bei Aufständischen in Aleppo Kisten mit dem Aufdruck der ukrainischen Patronenfabrik LCW (Luhansk Cartridge Works) gefunden worden.
Westerwelle mahnt gründliche Aufklärung an
Zum russisch-syrisch-türkischen Flugzeugkonflikt sagte Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle, niemand dürfe jetzt Öl ins Feuer gießen und die Spannungen zusätzlich anheizen. Er verlangte von allen Beteiligten gründliche Aufklärung.
Die Türkei steht auf der Seite der rund 100.000 syrischen Flüchtlinge, die auf ihrem Territorium Schutz gesucht haben. In diesen Konflik zwischen den beiden Ländern wollte Putin offensichtlich derzeit nicht Partei ergreifen, sagte daher sein für Montag geplantes Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ab und negründete dies mit Terminproblemen.
ekö

