Bewegung in der Euro-Zone: Zum Jahreswechsel bekommen die 17 Mitgliedsländer Zuwachs. Lettland fühlt sich gut vorbereitet, Wirtschaft und Arbeitsmarkt wachsen schneller als erwartet. EURACTIV.de sprach mit dem lettischen Finanzminister Andris Vilks.
In Bussen und Schiffen fallen die Sammler in Lettland ein, um das Starter-Kit mit den lettischen Euro-Münzen zu erstehen. Ab 1. Januar ist der baltische Staat das 18. Mitgliedsland der Euro-Zone, und die Münzen des kleinen Landes haben für viele Sammlerwert. Finanzminister Andris Vilks: "Wir haben viel mehr verkauft als erwartet." Der Vertrieb der insgesamt 800.000 Kits an allen Banken und Postämtern läuft seit 10. Dezember.
Maximal fünf Säckchen darf man kaufen. Genau 10 Lats (14,23 Euro) kostet das Starter-Kit, bestehend aus folgenden Münzen: 2 Stück á 2 €, 4 Stück á 1 €, 7 Stück á 50 Cent, 8 Stück á 20 Cent, 7 Stück á 10 Cent, 5 Stück á 5 Cent, 6 Stück á 2 Cent und 6 Stück á 1 Cent.
Das Vertrauen der lettischen Bevölkerung in den Euro war krisenbedingt schwach. Vor einem Jahr unterstützten nur 15 Prozent der Letten den Umstieg auf die gemeinsame Währung. Vorigen Sommer lag die Zustimmung schon zwischen 25 und 30 Prozent. Zur Zeit beträgt sie gut 50 Prozent. "Damit gibt es keine Debatten mehr, ob wir den Euro einführen sollen oder nicht", erklärt Vilks, "obwohl immer noch manche Populisten kritiseren, dass es kein Referendum gegeben hat."
Damit der Wechsel von 1 Lats (= 100 Santims) zum Euro keine Panik verursacht, wurde die Bevölkerung besser vorbereitet als in anderen Euro-Ländern, deren Erfahrungen die Regierung in Riga verwertet hat.
Dazu gehört, dass das Design der Euro-Scheine und -Münzen identisch ist mit dem der Lats und Santims. Das soll das Umgewöhnen erleichtern.
Insgesamt werden 400 Millionen Euro-Münzen mit lettischen Motiven und 110 Millionen Euro-Banknoten aller Nominalwerte eingeführt. Die Regierung appellierte an die Bevölkerung, während der Währungsumstellung möglichst nicht mit Bargeld, sondern mit Kreditkarten zu bezahlen.
Zeit zum Umtauschen haben die Letten reichlich. In den ersten sechs Monaten zahlen sie dafür auch keine Gebühr.
Finanzminister Vilks sagte im Gespräch mit EURACTIV.de, dass man sich vor zwei, drei Jahren nicht habe erwarten können, wie gut das Land zur Euro-Einführung positioniert sei und wie befriedigend es die Voraussetzungen für die Euro-Zugehörigkeit erfülle: "Wir haben wirklich unsere Hausaufgaben gemacht."
Anfang 2013 betrug das Wirtschaftswachstum 3,8 Prozent, derzeit sind es 4,5 Prozent. "Wir sind die am schnellsten wachsende Wirtschaft in der EU." Das Defizit betrage derzeit null Prozent. Die Arbeitslosigkeit sei von 21 auf 11 Prozent gesunken. Lettland rühmt sich auch des am schnellsten wachsenden Arbeitsmarktes. Der Arbeitsmarkt wurde sehr flexibilisert. Sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor leisten heute "weniger Leute mehr Arbeit", so Vilks.
Auch die Exporte steigen rasant, und zwar antizyklisch in Richtung Russland, obwohl die lettischen Unternehmen dort lange Zeit sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. 25 Prozent Zahlungsausfälle hatten dazu geführt, dass viele lettische Unternehmen in die Insolvenz schlitterten. Heute agieren sie sehr vorsichtig, arbeiten bei Geschäften mit Russland fast ausschließlich mit Vorauszahlung. Die Zahlungsausfälle gingen prompt auf fünf Prozent zurück. "Mittlerweile funktioniert das", meint Vilks, und hofft, dass auch der ukrainische Nachbar, der ebenfalls wichtiger Handelspartner ist, sich mehr öffnet. "Derzeit haben wir nicht so viel Austausch mit der Ukraine, wie wir wollten."
Damit die Umstellung von Lats auf Euro nicht für Preiserhöhungen ausgenützt wird, ließ die Regierung die großen Unternehmen ein Abkommen unterschreiben, mit dem sie sich verpflichten, die Preise nicht zu erhöhen. Die Konsumenten erkennen an den Aufklebern, die in den Schaufenstern kleben, welche Geschäfte diese Selbstverpflichtung eingegangen sind.
Seit Herbst betreibt die Regierung intensives Preis-Monitoring in ganz Lettland. Ergebnis laut Vilks: 95 Prozent der Preise seien stabil geblieben.
Ewald König

