IKT für die Stadt der Zukunft

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Neue Datenströme machen die moderne Stadt zunehmend transparenter, steuerbarer und lebenswerter, hofft die Forschung. Foto: © Mihai Simonia - Fotalia.com.

Analyse von Ina Schieferdecker (Fraunhofer-FOKUS)Städte von morgen müssen knapper werdende Ressourcen nachhaltig nutzen. Im Alltag meist unsichtbare Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bilden die Grundlage für „Smart Cities“ und bieten ein immenses Kreativ- und Entwicklungspotenzial. Ein Standpunkt von Ina Schieferdecker, Leiterin des Kompetenzzentrums MOTION beim Fraunhofer-Institut FOKUS.

Zur Autorin


" /Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker ist Leiterin des Kompetenzzentrums MOTION beim Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) in Berlin. Weitere Informationen: www.ict-smart-cities-center.

Hinweis: Der Text erschien zunächst im EURACTIV.de-YellowPaper "Stadt der Zukunft" (Dezember 2011), das Analysen, Standpunkte und Interviews zur europäischen Stadtentwicklung versammelt.
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Heutzutage wird keine neuartige Systemlösung für eine Stadt der Zukunft ohne Unterstützung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) entwickelt, wenn sie nicht gar den Weg zu diesen Lösungen ebnen. Die Möglichkeiten, Umgebungs-, Last- oder Zustandsinformationen zu erfassen, bedarfsgerecht zu analysieren, auszuwerten und zeitnah zur Verfügung zu stellen, erlauben es, Nutzungssituationen transparent zu machen und so die Infrastrukturen effizienter zu nutzen. Um diese Potenziale nutzen zu können, bedeutet dies für Industrienationen den Ausbau um Sensornetze, Maschine-zu-Maschine (M2M) Kommunikationsnetze und breitbandige Mobilkommunikation, für Schwellen- und Entwicklungsländer oft den grundsätzlichen Aufbau ihrer Infrastrukturen.

Daten über Nachfragen und Kapazitäten austauschen

Städte von morgen zielen darauf ab, die knapper werdenden Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Energie, Raum, Geld und Zeit werden in diesen Städten dynamischer eingesetzt – so wie es die aktuellen Bedürfnisse in jedem einzelnen Moment erfordern. Darum sind die verschiedenen technischen Systeme einer Stadt von morgen mittels IKT sinnvoll miteinander vernetzt, um Daten über Status, Nachfragen und Kapazitäten untereinander austauschen und nutzen zu können. Beispielsweise kann in Abhängigkeit der Auslastung die Zugtaktung im öffentlichen Nahverkehr zwischen hohem, mittlerem und niederem Takt in Kombination mit kurzen oder langen Zügen angepasst werden. Eine weitere Flexibilisierung kann durch die Hinzunahme von Informationen zu anderen Verkehrsmitteln, Veranstaltungen in der Stadt oder Besucherströmen in der Stadt erzielt werden. Derart komplexe Optimierungsfragen werden durch die Bereitstellung der benötigten Informationen überhaupt erst umsetzbar. Die moderne Stadt wird so zunehmend transparenter, steuerbarer und lebenswerter.

Nutzungsfreundliche Abläufe für Bürger und Unternehmen

Die Technologien treten dabei in den Hintergrund, denn die Bedienkonzepte fügen sich nahtlos in den Alltag und die Gewohnheiten der Menschen ein. Die technische Kommunikationsinfrastruktur ist das Wurzelwerk, das für einen immerwährenden Strom an Daten sorgt. Sinn und Sichtbarkeit für die Bewohner der Stadt erlangen die Daten durch die Hard- und Softwaresysteme, die diese Daten in nutzbare Informationen umwandeln. Die städtischen IKT-Infrastrukturen, häufig im Verborgenen, bilden die Grundlage für die Erfassung und Übertragung von Daten aus der Stadt in urbane Datenplattformen hinein. Ein flexibler, sicherer und robuster Zugriff bildet den Rahmen für eine nahtlose Datenbereitstellung und -nutzung. Bereitgestellte Werkzeuge zur Analyse, Auswertung und Visualisierung erlauben die Erstellung neuer städtischer Applikationen, die die Abläufe innerhalb der Stadt für Bürger, öffentliche wie private Unternehmen und die städtische Verwaltung selber vereinfachen bzw. nutzungsfreundlicher gestalten.

Applikationen für nahezu jeden Lebensbereich

Die Applikationen können so divers wie Government-Mashups für transparente Bürgerbeteiligung, effektives multi-modales Mobilitätsmanagement oder effizienterer Umgang mit Energieressourcen unter Nutzung von Smart Metern sein. Für nahezu jeden Lebensbereich in der Stadt gibt es Möglichkeiten zur Entwicklung neuer nützlicher Applikationen, auf freier oder kommerzieller Basis. Berlin ist auf diesem Feld als Vorreiter zu nennen. Mit dem neuen Berliner Open-Data-Portal hat die Hauptstadt mit heute 60 auf dem Portal zur Verfügung stehenden und täglich mehr werdenden Datensätzen in 15 Kategorien einen wichtigen Meilenstein für die Stadt von morgen gesetzt (EURACTIV.de vom 22. September 2011). Initiativen wie der Open-Data-Wettbewerb "Apps für Deutschland" des Bundesministerium des Inneren sind ein wichtiges Zeichen für das wachsende Bewusstsein über die Potenziale von IKT und als Startschuss zur breiten Beteiligung an der Nutzbarmachung der offenen Daten zu verstehen. Zur Entwicklung neuer Applikationen sind nicht nur Software-Entwickler, sondern ebenso Designer, Journalisten, Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit aufgerufen.

Der Bereich IKT für die Stadt der Zukunft bietet große Entwicklungspotenziale, beispielsweise beim Ausbau von M2M-Kommunikation (vernetzte Sensorik), bei der Entwicklung und Bereitstellung urbaner Datenplattformen (für (offene) Daten, Dienste, Werkzeuge und Applikationen) und bei der zunehmenden Vernetzung und Integration urbaner Infrastrukturen (für systemübergreifende Lösungen).

Links

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:

Vernetzte Mobilität für die Stadt von morgen (6. Januar 2012)

Gläserne Stadt / Regierung 2.0: Berlin startet Open-Data-Portal (22. September 2011)

Oettinger startet europäische "Smart Cities"-Initiative (21. Juni 2011)

Europäische Stadtpolitik. LinkDossier

Dokumente und Informationen

Berlin.de: Open Data Berlin

EU-Kommission: ICT for Government and Public Services

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