Elektroautos: Paris startet öffentliches Verleihsystem

Einmal aufgeladen können die Pariser "Blue Cars" bis zu 250 Kilometer weit fahren. Die Euphorie für die Elektromobilität ist etwas zurückgegangen. Im Bild: Ein stilisierter Stromstecker. Foto: dpa.

Auf die Schnelle ein Elektromobil borgen? Paris macht es möglich. Bürgermeister Bertrand Delanoë nennt das neue „Autolib“-System eine „Revolution“. Auch die deutsche Hauptstadt will „führendes Zentrum der Elektromobilität in Europa“ werden. Mietmodelle kommen der Technologie entgegen, heißt es beim Berliner Senat.

Im europäischen ‚Wettrennen‘ um die breite Einführung der Elektromobilität ist Frankreich ein Coup gelungen. In Paris startete in dieser Woche mit "Autolib" ein Verleihsystem für Elektroautos. 250 Fahrzeuge stehen zum Ausleihen per Magnetkarte in der Stadt bereit, bis zum kommenden Sommer sollen es 3.000 sein. Wer die Autos nutzen will, muss ein Jahresabo für rund 144 Euro abschließen. Die Nutzung wird zusätzlich berechnet, für eine halbe Stunde Fahrt fallen mindestens 4 Euro an. Taxiunternehmer und private Mietwagenfirmen bekommen also neue Konkurrenz. Nach Angaben der Autolib-Initiatoren müssen 80.000 Kunden pro Jahr mitmachen, damit sich das System wirtschaftlich trägt. 

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë nannte die Einführung von Autolib eine "Revolution". Weltweit würden Großstädte dem Beispiel folgen.

In Paris kommen silbergraue Elektroautos namens "Blue Car" zum Einsatz, die der französische Milliardär Vincent Bolloré herstellen lässt. Peugeot und Daimler hatten in der Ausschreibung das Nachsehen.

Vorbild Fahrrad

Öffentliche Fahrradverleihsysteme haben sich bereits in mehreren europäischen Städten etabliert. 2007 startete in Paris das Programm Vélib‘. Der Name setzt sich aus den Wörtern Fahrrad (vélo) und Freiheit (liberté) zusammen. Inzwischen stehen 20.000 Fahrräder an 1.800 Stellen in der französischen Hauptstadt bereit. In den ersten sechs Monaten des "Bicing"-Programms in Barcelona meldeten sich 90.000 Teilnehmer an. 

Paris oder Berlin: Wer wird Europas E-Mobility-Hauptstadt

Auch die deutsche Hauptstadt hat sich auf die Fahnen geschrieben, bei der Einführung der Elektromobilität im europäischen Vergleich ganz vorn mitzuspielen. "Berlin hat beste Voraussetzungen, führendes Zentrum der Elektromobilität in Europa zu werden", heißt es von Seiten der Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO). Zunächst soll die deutsche Hauptstadt "Leitmarkt und Leitanbieter innerhalb Deutschlands" werden.

Abgekühlte Elektro-Euphorie

Bislang überzeugen Elektroautos die breite Kundschaft noch nicht. "Die Elektro-Euphorie weicht gewisser Ernüchterung", berichtete jüngst die Wochenzeitung "Zeit". Kunden mäkelten über Reichweite und Kosten der Elektrofahrzeuge. Elektromobilität werde in Deutschland keinen schnellen Durchbruch erleben und bleibe zunächst ein Nischenmarkt, so das Ergebnis der im September 2011 veröffentlichten Studie "Elektromobilität: Sinkende Kosten sind conditio sine qua non", erstellt von Deutsche Bank Research und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Das vorübergehende Mieten von Elektroautos für kurze Wege in der Stadt scheint für den Verbraucher attraktiver zu sein, als ein eigenes zu besitzen. "Mietmodelle wie Car2Go von Daimler, DriveNow von BMW oder Mu von Peugeot sind für den Einsatz von Elektrofahrzeugen prädestiniert", sagte Friedemann Kunst, Leiter der Abteilung Verkehr in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Ende November in einem Interview.

Paris, Berlin und Brüssel mischen mit

Frankreich und Deutschland konkurrieren um die Führungsrolle auf dem Zukunftsmarkt E-Mobility. Die Bundesregierung will Deutschland zum Marktführer der Branche entwickeln und bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen. Ende 2008 hat das Bundeskabinett hierzu den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität verabschiedet.

Frankreich setzt auf Subventionen um den eigenen Unternehmen zu einer guten Marktposition zu verhelfen. Der private Kauf von Elektroautos wird beispielsweise mit 5000 Euro unterstützt, eine Direkt-Subventionierung die Deutschland aus ordnungspolitischen Gründen strikt ablehnt. Außerdem haben sich 20 staatliche und private Großunternehmen in Frankreich freiwillig verpflichtet, zwischen 2011 und 2016 50.000 Elektroautos zu bestellen. Statt auf Kaufprämien setzt die Bundesregierung auf Steuervergünstigungen und die Forschungsförderung. 

Zumindest offiziell lassen sich Berlin und Paris ihre Rivalität um die Technologieführerschaft nicht anmerken. Im März 2009 vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Gründung der deutsch-französischen "Arbeitsgruppe Automobil" (siehe EURACTIV.de vom 11. Mai 2009).  Die Arbeitsgruppe soll die Entwicklung und Markteinführung von Elektro-Autos fördern. Es gelte, rivalisierende technische Standards zu vermeiden und Pilotprojekte abzustimmen.

EU-Hilfen in Millionenhöhe

Die EU-Kommission hat 2009 die europäische Green Cars Initiative gestartet. Forschung und Entwicklung im Bereich der sicheren, effizienten und umweltfreundlichen Mobilität werden mit insgesamt 500 Millionen Euro gefördert. Die Initiative setzt auf den Public Private Partnership-Ansatz (PPP), also die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Institutionen und privaten Firmen.

Bei dem Projekt "Green eMotion" sammeln beispielsweise 42 Industrie- und Automobilunternehmen, Stromversorger, Stadtverwaltungen und Universitäten sowie Prüf- und Forschungseinrichtungen in ausgewählten europäischen Modellregionen Erfahrungen mit der Elektromobilität.

Im Rahmen von Green eMotion werden mehr als 10.000 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert, davon etwa 3.600 in Berlin und knapp 1.000 in Barcelona.

Opens window for sending emailAlexander Wragge

Einen englischsprachigen Artikel zum Thema finden Sie hier.

Links


Presse

Zeit.de: Elektromobilität. Ende der Aufbruchstimmung (23. Oktober 2011)

Vdi-nachrichten: "Elektroautos gehören nicht auf die Busspur". Interview mit Friedemann Kunst (25. November 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Klimaschutz-Projekte europäischer Großstädte (7. oktober 2011)

"Dilemma der E-Mobility". Standpunkt des TU-Energieexperten Georg Erdmann
(4. März 2010)

Dokumente und Informationen

Autolib: Internetseite

Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO): Internetseite

DB Research/ IW Köln: "Elektromobilität: Sinkende Kosten sind conditio sine qua non" (12. September 2011)

EU-Kommission: Green Car Initiative

EU-Kommission: Green eMotion

BMU: Übersicht zur Förderung der Elektromobiliät

BMU: Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität (2009)

BMWi: "Bundeskabinett: Deutschland soll zum Leitmarkt für Elektromobilität werden"(19. August 2009)

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