Eine von der WorldPublicOpinion.org in vorwiegend muslimisch geprägten Ländern durchgeführte Umfrage ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die dortige Bevölkerung den internationalen Handel als zuträglich für Wachstum und Entwicklung erachtet. Damit widerlegt sie die westliche Wahrnehmung von der muslimischen Welt.
5.212 Bürger aus den unterschiedlichsten Ländern wie Ägypten, der Türkei, Aserbaidschan, dem Iran, Indonesien und den Palästinensischen Gebieten wurden befragt.
Nahezu zwei Drittel der Befragten sagten, sie sähen die Globalisierung als überwiegend positiv für ihr eigenes Land an. Die Globalisierung wurde dabei als zunehmende Vernetzung lokaler Wirtschaften definiert.
Die Umfrageergebnisse widerlegen die westliche Wahrnehmung von der muslimischen Welt, die oftmals so dargestellt wird, als würde sie jede Form der Globalisierung als aufgezwungene „Verwestlichung“ verstehen und sie deshalb aufs Schärfste ablehnen.
Die Zustimmung war in Ägypten am höchsten (79%), überwog aber auch in den meisten anderen Ländern, die von der Studie abgedeckt wurden. In der Türkei allerdings, eines der am meisten verwestlichten muslimischen Länder, das außerdem Ambitionen auf einen NATO-Beitritt hat, fand die Zustimmung zum freien Handel keine klare Mehrheit. Nur 39% der Türken glauben, dass die Globalisierung für sie „überwiegend gut“ sei, während 28% sie als „überwiegend schlecht“ bezeichneten, so WorldPublicOpinion.org.
Mit Blick auf die Auswirkungen des internationalen Handels auf ihr tägliches Leben machten die Befragten deutlich, dass sie ihn als Möglichkeit sehen, die jeweils nationale Wirtschaft (64%), die Verbraucher (63%), die Schaffung von Arbeitsplätzen (61%) und den Lebensstandard (56%) zu stärken bzw. verbessern.
Die Umfrage machte auch eine breite Zustimmung für die Aufnahme von Mindestanforderungen in den Bereichen Umweltschutz (84%) und Arbeitsbedingungen (80%) in internationale Handelsabkommen aus.
Muslime sind sich zunehmend der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Globalisierung in Entwicklungsländern bewusst und an diesen interessiert. Nur 25% beschreiben die Globalisierung als überwiegend schlechtes Phänomen.
Die Ablehnung der Globalisierung durch die Bevölkerung ist in den Industrieländern wesentlich ausgeprägter. Deren Vormachtstellung in den Bereichen Wirtschaft und Handel wird zunehmend von den ostasiatischen Ländern wie China und Indien aber auch vermehrt von Ländern der muslimischen Welt herausgefordert.
Eine im Mai 2008 veröffentlichte Eurobarometer-Umfrage mit dem Titel ‚Die soziale Wirklichkeit in 20 Jahren: Erwartungen der Europäer’ zeigt, dass eine Mehrheit der Europäer (57%) glaubt, dass sie als Ergebnis der Globalisierung und der zunehmenden Konkurrenz durch Schwellenländer mittelfristig weniger Geld als heute verdienen wird.

