Europäische Koproduktionen werden in mehr EU-Ländern herausgebracht und spielen mehr Geld ein als nationale Produktionen. Das geht aus einer Studie hervor, die am 11. September 2008 von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle (EAI) veröffentlicht wurde.
Europäische Koproduktionen schneiden besser ab als rein nationale Filme. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie, die anlässlich des Council of Europe Film Policy Forum in Krakau in der vergangenen Woche (11. bis 13. September 2008) veröffentlicht wurde.
Tatsächlich kämen Koproduktionen durchschnittlich in doppelt so vielen Ländern in die Kinos wie nationale Produktionen. 77% aller Koproduktionen würden auf mindestens einem ausländischen Markt herausgebracht, verglichen mit 33% der rein nationalen Filme.
Multinationale Filme spielten außerdem mehr Geld ein, da sie durchschnittlich von 2,7-mal so vielen Kinobesuchern geschaut werden wie nationale Produktionen. Koproduktionen würden auch im Ausland von mehr Kinobesuchern geschaut. 41% der Gesamtbesucherzahlen von Koproduktionen würden im Ausland erzielt, bei rein nationalen Filmen lediglich 15%.
Die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien Viviane Reding gab der Filmindustrie in der EU im letzten Jahr mit dem Förderprogramm MEDIA 2007 Rückenwind. Dieses Programm verfügt über ein Fördervolumen von über 750 Millionen Euro für einen Zeitraum von sieben Jahren (EURACTIV vom 12. Februar 2007). Unterdessen werden ab dem Jahr 2011 im Rahmen des MEDIA MUNDUS-Programms der Europäischen Kommission 60 Millionen Euro investiert, um den Anteil der europäischen Filme auf den weltweiten Märkten zu steigern (EURACTIV vom 11. Juni 2008).
Die Studie zählt die größeren Budgets und höheren Produktionswerte, den besseren Zugang zu internationalen Fernsehsendern und Vertriebskanäle sowie die größere grenzübergreifende Anziehungskraft europäischer Koproduktionen zu den Gründen für ihren Erfolg. Sie betont besonders, dass eine ausgeglichene Besetzung mit einheimischen und internationalen Schauspielern wichtig sei, um den Erfolg des Films im Ausland zu sichern.
Als Beispiele für neue grenzübergreifende Erfolgsproduktionen führt die EAI ‚Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders’, ‚Der Untergang’, ‚Der Pianist’, ‚Die Queen’ und ‚Elisabeth – Das goldene Königreich’ an. Bei jedem dieser Filme waren Produktionsteams von mehr als einem EU-Land beteiligt.
Unterdessen haben drei Filme den Sprung in den Wettbewerb für den europäischen Kinopreis ‚LUX ’08’geschafft, der mit 87.000 Euro dotiert ist. Der Preis, der vom Europäischen Parlament verliehen wird, verfolgt das Ziel, die Verbreitung europäischer Filme zu erleichtern und Kinoproduktionen innerhalb der EU zu unterstützen.
Nominierte Filme müssen die Universalität europäischer Werte bzw. die Vielfalt der europäischen Kultur veranschaulichen oder einen Einblick in die Debatte um die Konstruktion Europas geben. Der Gewinnerfilm wird von einer unabhängigen Jury bestehend aus Kinoexperten gewählt und anschließend mit Untertiteln in allen 23 offiziellen Sprachen der EU versehen.
In diesem Jahr haben es drei Filme in die Endauswahl geschafft: ‚Delta’ von Kornél Mundruczó (Deutschland, Ungarn), ‚Le silence de Lorna’ von Jean-Pierre und Luc Dardenne (Belgien, Großbritannien, Frankreich und Italien) und ‚Obcan Havel’ von Miroslav Janek und Pavel Koutecký (Tschechische Republik).
Der Gewinner wird am 22. Oktober 2008 bekannt gegeben.

