Die Verwendung einer verständlicheren Sprache würde die Kommunikation der EU wesentlich verbessern, so die Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, die in der vergangenen Woche (15. September 2008) eine Online-Kampagne gestartet hatte, um den EU-Bürgern die EU-Institutionen näher zu bringen.
Die Kampagne ‘Simple Language’, die die Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa im Ausschuss der Regionen (ALDE-AdR) organisiert hat, stellt ein Internetforum für Einzelpersonen zur Verfügung, in das diese kostenlos Beispiele für komplexe Sätze oder Jargon, den sie nicht verstehen, einstellen können. Die Mitwirkenden werden dann gebeten, eine bürgerfreundliche Alternative vorzuschlagen.
Zur Zielgruppe gehören alle, die innerhalb oder außerhalb Brüssels für die Europäische Union oder mit ihr zusammen arbeiten. Ziel der Kampagne ist es, zur Verwendung einer einfachen und eindeutigen Sprache in allen EU-Dokumenten – ob offiziell oder nicht – anzuspornen.
Die verstärkte Einbindung der Bürger in die EU-Debatten wird als unverzichtbar angesehen, um der Wahlbeteiligung bei den im nächsten Jahr stattfindenden Wahlen zum Europaparlament Auftrieb zu verleihen. Die Initiative vom Oktober 2007 ‚Partnerschaft für die Kommunikation über Europa’ der Vizepräsidentin der Kommission Margot Wallström, die für Kommunikation verantwortlich ist, hat das Internet zum Schlüsselinstrument für die Erreichung dieses Ziels auserkoren.
Flo Clucas, Fraktionsvorsitzende der ALDE-AdR und stellvertretende Vorsitzende des Stadtrats von Liverpool, beschrieb die Idee hinter der Initiative mit dem immerwährenden Kampf der EU, sich Gehör zu verschaffen. Weder der EU selbst noch den Bürgern sei geholfen, wenn man sich in einer undurchsichtigen Sprache ausdrücke, fügte sie hinzu.
Clucas erklärte, dass die Bürger die Sprache, die Brüssel benutze, als undurchschaubar empfänden. Doch auch viele Beamte in den Behörden der Mitgliedstaaten, ihren Gemeinden und Regionen hätten das gleiche Problem. Daher sei es dringend notwendig, etwas zu ändern, was den Anstoß für die Kampagne gegeben habe.
Die Internetseite schlägt beispielsweise die Verwendung von Sätzen wie „Diskussionen zwischen Städten und Regionen“ statt „territorialer Dialog“ vor. Auch wenn die Homepage derzeit nur auf Englisch verfügbar ist, wird dort versprochen, dass sie bald auch in anderen Sprachen zur Verfügung gestellt werden wird.
Zeitgleich mit dem Beginn der Kampagne, spannt die ALDE-AdR vom 14.-28. September ein Banner an einer Fußgängerbrücke über der viel befahrenen Rue Belliard im Herzen des Europäischen Viertels in Brüssel auf. Darauf steht: „Welche Sprache sollte die EU sprechen?“
Eine Reihe anderer Internetseiten versucht ebenfalls, den Bürgern die Angelegenheiten der EU näher zu bringen. Die Initiative ‚Road to Copenhagen 2009’, die im letzten Jahr gestartet wurde, stellt ein Forum zur Verfügung, in dem über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll diskutiert werden kann (EURACTIV vom 20. November 2007), während das European Policy Centre im Januar ein innovatives Onlineforum vorstellte, um die „Kluft“ zwischen den Sorgen junger berufstätiger Menschen und denen der EU-Institutionen zu überwinden (EURACTIV vom 27. Februar 2008).
Darüber hinaus ist die Kommissarin für Verbraucherfragen, Meglena Kuneva, dafür bekannt, Online-Chats auszurichten, um dort mit den EU-Bürgern diverse Themen zu diskutieren. Vor der Weihnachtszeit 2007 hatte es beispielsweise eine Diskussion über die Sicherheit von Kinderspielzeug gegeben (EURACTIV vom 5. Dezember 2007).

