Marseille wurde gestern (16. September 2008) von einer internationalen Jury in Paris zu Frankreichs Europäischer Kulturhauptstadt 2013 gewählt. Diese Entscheidung soll dabei helfen, Europa mit dem Mittelmeerraum verbinden, so die Organisatoren.
Die Hafenstadt am Mittelmeer mit 800.000 Einwohnern hat sich gegen die Mitbewerber Lyon, Bordeaux und Toulouse durchgesetzt und wird sich nun im Jahr 2013 die Auszeichnung mit der slowakischen Stadt Košice teilen, die am 9. September 2008 ernannt wurde (EURACTIV vom 11. September 2008). Unter dem Motto ‚Marseille-Provence 2013’ wurden die erweiterte Stadtregion, die ungefähr zwei Millionen Menschen beheimatet, sowie die Städte Arles und Toulon in die Bewerbung mit einbezogen.
„Ich gratuliere der Stadt Marseille zur Ernennung als Kulturhauptstadt 2013 und das dabei zutage gelegte, große Engagement“, sagte der EU-Kommissar für Kultur Ján Figel’. Er lobte die Ernsthaftigkeit der Vorbereitungen aller Städte im Wettbewerb und sagte, dass es ein sehr starker Wettbewerb gewesen sei.
Marseilles Bewerbung habe sich durchgesetzt, da sie eine gute Balance zwischen kultureller Qualität, politischem Engagement und wirtschaftlicher Gewichtung gefunden habe, wurde Sir Robert Scott, der Vorsitzende der Jury, in Le Monde zitiert. Er warnte allerdings, dass eine Reihe von ambitionierten Projekten wie das Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée nicht ohne die Unterstützung des französischen Staates umgesetzt werden könne.
Migration, Rassismus, Gleichberechtigung, Religion und die Umwelt: dies seien die Themen, die Europa, und besonders auch Marseille, heute beschäftigten, sagte Bernard Latarjet, der Leiter von Marseille-Provence 2013, zu Le Monde. Keine Stadt sei kosmopolitischer, insistiert Latarjet und glaubt, dass keine andere Stadt im Wettbewerb die Auszeichnung als Europäische Kulturhauptstadt mehr gebraucht hätte als Marseille. Keine andere Stadt könne Europa mehr dienen.
Marseille hofft, dass die Auszeichnung als Europäische Kulturhauptstadt seine Position als wichtiger Knotenpunkt für den internationalen Austausch und die internationale Forschung festigt. Der europäische Kontinent brauche diese Verbindung mit dem Mittelmeerraum. Über einen wesentlichen Teil der Zukunft Europas werde im Mittelmeerraum entschieden, sagten die Organisatoren bezüglich der Bewerbung Marseilles.
Tatsächlich folgt die Auszeichnung Marseilles als Europäische Kulturhauptstadt der Gründung der Mittelmeerunion durch die Staats- und Regierungschefs von 43 Ländern im Juli dieses Jahres. Das Projekt, das dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy besonders am Herzen liegt (EURACTIV vom 14. Juli 2008), zielt darauf ab, die Beziehungen zwischen Nordafrika und anderen Ländern im Mittelmeerraum zu stärken.
Die Entscheidung folgt außerdem einem Besuch des Bürgermeisters Jean-Claude Gaudin in Brüssel im Mai dieses Jahres. Er hatte dort für Marseille als Europäische Kulturhauptstadt geworben. Während seines Besuchs zeigte er sich zuversichtlich und sagte, man denke, dass man gewinnen werde. Zugleich lobte er die Initiative der EU, die einen beträchtlichen und lang anhaltenden Einfluss auf die ausgewählten Städte habe (EURACTIV vom 28. Mai 2008).
Die Auszeichnung als Europäische Kulturhauptstadt wurde im Jahr 1985 ins Leben gerufen. Die Kulturhauptstädte werden von einer 13-köpfigen Jury ausgewählt, wobei sechs Jurymitglieder vom betroffenen Land und sieben von den EU-Institutionen bestimmt werden. Obwohl die endgültige Entscheidung beim Rat liegt, wird seine Bestätigung der Juryentscheidung nur als reine Formalität betrachtet.
