Interview: Wichtigkeit von Mehrsprachigkeit „wird nicht abnehmen“ [DE]

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Das Portfolio „Mehrsprachigkeit“ sei zu wichtig, um von der nächsten Europäischen Kommission geopfert zu werden, sagte der Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, in einem Interview mit EURACTIV Rumänien. Um dies zu bekräftigen, deutete er an, dass Türkisch die nächste offizielle EU-Sprache werden könnte, vorausgesetzt, dass Zypern die Gespräche über die Wiedervereinigung abschließe.

„Die Wichtigkeit dieser Aufgabe (…) sollte sich durch die Fortführung dieser Politik festigen“, sagte Orban und betonte, dass diese Entwicklung noch bevorstehe. Weit entfernt davon, in der nächsten Zeit an Wichtigkeit zu verlieren, „ist es möglich, dass (Mehrsprachigkeit) ein eigenständiges Portfolio“ mit eigenem Kommissar bleiben könne, sagte er.

Sprachenpolitik sei eine empfindliche Angelegenheit auf EU-Ebene, da sie eng mit der nationalen Identität verbunden sei und in die Bildungspolitik – eine nationale Zuständigkeit – eingreife. Gegenwärtig mache sie 1% des EU-Budgets aus – das entspricht 1,1 Milliarden Euro.

Orban stellte die nächsten wichtigen Schritte in der EU-Sprachenpolitik vor und sagte, es gebe „eine echte, ernstzunehmende Möglichkeit“ dass Türkisch eine offizielle EU-Sprache werde, vorausgesetzt, dass die Gespräche über die Wiedervereinigung der Insel erfolgreich wären.

Er könne jedoch keinen Zeitrahmen nennen. Damit dies möglich wäre, wäre „eine politische Lösung, um den Konflikt der Insel zu beenden“ notwendig sowie ein Antrag der zypriotischen Regierung, dass Türkisch eine offizielle Sprache werde. Der Antrag müsse vom Rat einstimmig angenommen werden, erklärte er.

Der Kommissar betonte weiter die „privilegierte Position“ des Französischen auf EU-Ebene, die „in keiner Weise“ mit der Anzahl der Sitze im Europäischen Parlament zu tun hätte, sondern eher mit der Wichtigkeit der französischen Sprache in der „gesamten Geschichte der Europäischen Union“. Daher sei er „hocherfreut“, die „politische Mehrsprachigkeitsstrategie“ während der französischen Ratspräsidentschaft vorzulegen.

Tatsächlich soll die Kommission ihre neue Strategie zur Mehrsprachigkeit zusammen mit einem Bericht der Hochrangigen Gruppe „Mehrsprachigkeit“, deren Vorsitzender der französisch-libanesische Autor Armin Maalouf ist, im September dieses Jahres vorlegen (EURACTIV vom 19. Februar 2008). Der Bericht fordert die EU-Bürger zum Erlernen von mindestens zwei Fremdsprachen auf. Dies würde eine „persönliche Adoptivsprache“ beinhalten, die eher aus persönlichem Interesse als aus beruflichen Gründen erlernt würde.

Auf die Frage, ob die Kommission die Schlussfolgerungen von Maaloufs Bericht bei der Entwicklung einer neuen Strategie berücksichtigen würde, sagte Orban: „Ich wünsche mir, dass dies passiert.“ EU-Mittel für „Ideen, wie man sprachliche Vielfalt fördern“ könne, könnten zur Verfügung gestellt werden, bislang handele es sich jedoch mehr um eine „Vision“, und „die Realisierung einer Vision kann Jahre dauern“, fügte er hinzu. 

Dennoch sei der Gedanke einer „persönlichen Adoptivsprache interessant“, so der Kommissar. Persönliche Adoptivsprachen würden „von jedem europäischen Bürger“ erlernt und seien „nicht nur wichtig für den Verstand, sondern auch für das Herz“.

Orban betonte jedoch, dass der „unabhängige“ Bericht „nicht den Standpunkt der Europäischen Kommission wiedergibt“. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob (der Bericht) in die neue Mehrsprachigkeitsstrategie einbezogen wird“. In jedem Fall würden die Mitgliedstaaten „die letzte Instanz bei der Umsetzung des Vorschlags“ sein, fügte er hinzu.

Um das vollständige Interview mit dem Kommissar zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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