Die Vielfalt der Sprachen in Europa zu verteidigen, sei der beste Weg, um sie zu schützen; eine einzelne Sprache zu ernst zu nehmen dagegen, vernichte sie. Dies erklärt Catherine Suard vom Französischen Institut in Sofia in einem Interview mit EURACTIV Bulgarien.
Suard, die Direktorin des Kulturzentrums des Französischen Instituts in Sofia, beschreibt, wie sich die französischen Ansichten zur EU-Sprachenpolitik in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Sie sagt, Frankreich sei der Thematik gegenüber nun „viel offener“ eingestellt. „Indem wir eine Sprache verteidigen, verteidigen wir alle Sprachen“, behauptet sie.
Die Sprachenpolitik der EU steht in diesem Jahr auf dem Prüfstand, da die Europäische Kommission im September 2008 eine neue Strategie zur Mehrsprachigkeit vorschlagen wird (EURACTIV vom 19. Februar 2008). Zudem wird Mehrsprachigkeit – im Zusammenhang mit dem Europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs 2008 (EJID) – als Instrument zur Unterstützung des Dialogs zwischen Religionen und zum besseren kulturellen Verständnis unter den EU-Bürgern gesehen.
In Europa sei „Sprache (…) eng mit der nationalen Identität verbunden“, bemerkte Suard, was vor allem ein Ergebnis der letzten EU-Erweiterungen sei, insbesondere durch die Einbeziehung zentral- und osteuropäischer Länder. Demnach habe das Französische Institut Europa zum „Thema mit der höchsten Priorität“ bestimmt und habe sich zum Ziel gemacht, dass die Beamten der Mitgliedstaaten und EU-Institutionen weiterhin Französisch sprechen, so Suard.
Dennoch räumt sie ein, dass „wir das Recht haben, mit Sprachen zu spielen“ und betont, dass die Bereicherung des Wortschatzes jeder Sprache der „Gedanke der Mehrsprachigkeit“ sei und dass dies zur Diversität beitrage, welche „das Ziel eines vereinten Europas“ sei.
Weit davon entfernt, eine Bedrohung in der Entwicklung hin zur Vermischung von Englisch, Französisch und Deutsch in EU-Kreisen zu sehen, behauptet Suard, dass „Ideen und Emotionen manchmal durch die Benutzung einer Fremdsprache besser ausgedrückt werden können“. Sie warnt weiter davor, dass es Sprachen „vernichte“, wenn man sie zu ernst nähme.
Europäische Bürger zu ermutigen, zwei Adoptivsprachen zu erlernen, ist die Grundlage des Entwurfs der EU-Exekutive, der im September vorgelegt werden soll. Damit bezieht man sich auf die Schlussfolgerungen des unabhängigen Berichts eines Intellektuellen-Ausschusses, der im Januar vom Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, vorgelegt wurde (EURACTIV vom 31. Januar 2008).
Es sei jedoch auch wichtig, zu verstehen, dass „das Erlernen einer Adoptivsprache nicht mit dem Erlernen einer Fremdsprache gleichzusetzen ist“, betont Suard. Eine Adoptivsprache dagegen erlaube es dem Sprecher, „andere Kulturen besser zu verstehen“.
Sprecher identifizierten sich mit der Kultur ihrer Adoptivsprache und benutzten sie aus Vergnügen und um Informationen zu sammeln, fügt sie hinzu.
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