Frankreich will kostenlosen Englischunterricht anbieten [DE]

Xavier_Darcos.jpg

Frankreich beabsichtigt, Schülern während ihrer Schulferien so bald als möglich kostenlosen Englischunterricht anzubieten. Dies geht aus Plänen hervor, die von Frankreichs Minister für Bildung und Erziehung Xavier Darcos am 1. September 2008 vorgestellt wurden.

Gut situierte Familien bezahlten für Sprachkurse im Ausland. Er werde solche Kurse für jedermann in Frankreich anbieten, kündigte Darcos im Fernsehsender TF1 an. 

Die französischen Regierungen betrachten den Schutz der französischen Sprache für gewöhnlich als eine nationale Priorität. Der Bildungsminister wich allerdings von dieser traditionellen Haltung ab und sagte, in der heutigen Welt sei es ein „Handicap“, wenn man nicht fließend Englisch spreche.

Französische Schüler erhalten während ihrer Schullaufbahn derzeit 700 Stunden Pflichtunterrricht in Englisch. Allerdings wäre kein angemessener Ertrag dieser Investition erkennbar, gestand Darcos ein. Zu seinen Vorschlägen führte er weiter aus, dass er sich wünsche, dass alle französischen Schüler am Ende ihrer Schulzeit bilingual seien. Dabei hob er besonders die Bedeutung sehr guter Englischkenntnisse hervor. 

Um dieses Ziel zu erreichen plane er, kostenlosen Englischunterricht während einer Woche der Februarferien und während zwei Wochen der Sommerferien anzubieten, erklärte der Minister. Die Kurse würden aus staatliche Mitteln finanziert und sich besonders auf die mündliche Sprechfertigkeit konzentrieren. Außerdem würde außerhalb der Ferien im Anschluss an die Schule Förderunterricht für Englisch angeboten, sagte er auf TF1.

Französische Gewerkschaften kritisierten die Ankündigung umgehend. Presseberichten zufolge sagte Roland Hubert von der SNES-FSU, der Bildungsminister führe immer mehr Maßnahmen außerhalb des Lehrplans ein. Stattdessen solle er sich auf den Lehrplan konzentrieren, fügte der stellvertretende Generalsekretär der größten französischen Lehrergewerkschaft hinzu. 

Die Ankündigung folgt einem kurz vorher veröffentlichen Bericht führender europäischer Wirtschaftsunternehmen, der davor warnt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie darunter leide, dass andere Länder im Bereich der Sprachkenntnisse an der EU vorbeiziehen würden (EURACTIV vom 14. Juli 2008). Der Ankündigung folgen wird eine Mitteilung der Europäischen Kommission, die den Titel ‚Multilingualism: An asset for Europe, a shared commitment‘ tragen und am 17. September 2008 veröffentlicht werden wird.

Obwohl die Kommission im Bildungsbereich über keine formellen Kompetenzen verfügt, soll das Dokument die europäischen Bürger dazu ermutigen, mindestens zwei Fremdsprachen zu erlernen. Der Bericht wird die Bürger insbesondere dazu auffordern, neben der Fremdsprache, die man aus beruflichen Gründen erlernen würde, eine zweite Fremdsprache aus persönlichem Interesse zu erlernen (EURACTIV vom 19. Februar 2008). 

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren