EU für Kulturhauptstadt-Initiative gelobt [DE]

Der Fahrplan für die Bildung der neuen EU-Kommission. [EPA]

Während seines Besuchs in Brüssel, den er nutzte, um für seine Stadt als Europäische Kulturhauptstadt 2013 zu werben, lobte der Bürgermeister von Marseille und Vizepräsident des französischen Senats Jean-Claude Gaudin die Initiative der EU. Sie habe einen beträchtlichen und langanhaltenden Einfluss auf die ausgewählten Städte.

„Wir glauben, dass wir gewinnen werden”, sagte Jean-Claude Gaudin EURACTIV. Marseille steht im Wettstreit mit Toulouse, Bordeaux und Lyon. Gaudin sagte, er sei vom Erfolg von Lille begeistert: Die kulturelle Bedeutung der Stadt habe infolge ihrer Wahl als europäische Kulturhauptstadt 2004 einen enormen Auftrieb erfahren.

„Symbol“ wichtiger als finanzielle Mittel

Gaudin sagte, dass wichtigste sei es, die „Bezeichnung“ zu erhalten. Die Initiative koste die EU nicht allzu viel und die Stadt Marseille sei bereit, 100 Millionen aus eigenen Mitteln zu investieren. Gaudin sagte, dass selbst diese Summe keine enorme Belastung sei, da die Tatsache, europäische Kulturhauptstadt zu sein, eher eine Investition für die Zukunft als ein direkter Gewinn sei. Dennoch könnten die Unternehmen in Marseille damit rechnen, dass sie sechs Euro für jeden ausgegebenen Euro erhielten, hauptsächlich von den Millionen von zusätzlichen Gästen.

„Den Titel zu bekommen, bedeutet, bei allem, was eine Stadt im Bereich Kultur erzielen möchte, zehn Jahre gut zu machen. Wir wollen diesen Gewinn mit den Städten um Marseille herum teilen“, fügte er hinzu.

Moderne Ziele

Der Bürgermeister von Marseille betonte die Vorzüge seiner 2 600 Jahre alten Stadt gegenüber ihren Konkurrenten, insbesondere ihren multikulturellen und kosmopolitischen Charakter. Die modernen und mediterranen Herausforderungen – eine Priorität der bevorstehenden französischen EU-Ratspräsidentschaft – wurden ebenfalls erwähnt: Zwischen der Gemeinde Marseille und ihren Partnern rund um das Mittelmeer werden regionale Initiativen organisiert.

Slowakische Kandidaten

Das Team, das für die Werbung für Marseille zuständig ist, hat alle acht slowakischen Städte besucht, die infrage kommen. Eine von diesen Städten wird 2013 den Titel der europäischen Kulturhauptstadt mit einer französischen Stadt teilen. Gaudin sagte, er sei stolz, dass Marseille der einzige französische Kandidat sei, der sich darum bemühe, seine „nördlichen Pendants“ – wie er sie nannte – besser kennenzulernen.

„Frieden und Zusammenarbeit wird nicht nur von Diplomaten geschaffen. Diplomaten sprechen eine Sprache, die die meisten von uns nicht verstehen. Wir sind direkter und, ich würde sagen, effizienter“, sagte Gaudin.

Der Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ wurde 1985 nach einer Initiative von Melina Mercouri und Jack Lang von der EU geschaffen. Die vorgebrachten Vorschläge müssen die beiden folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen eine wahre europäische Dimension einbeziehen und dabei die Zusammenarbeit zwischen den EU-Ländern mithilfe der Öffentlichkeit stärken sowie die Rolle der Stadt bei der Bildung und Entwicklung einer europäischen Kultur betonen.

Die nächsten Kulturhauptstädte sind:

  • 2009: Linz (Österreich) und Vilnius (Litauen)
  • 2010: Essen (Deutschland), Istanbul (Türkei) und Pécs (Ungarn)
  • 2011: Turku (Finnland) und Talinn (Estland)
  • 2012: Guimaraes (Portugal) und Maribor (Slowenien)

Für die darauf folgenden Jahre wurden bereits die Länder bestimmt; über die Städte, die um den Titel wetteifern werden, muss jedoch noch entschieden werden: 

  • 2013: Frankreich und die Slowakei
  • 2014: Schweden und Lettland
  • 2015: Belgien und die Tschechische Republik
  • 2016: Spanien und Polen
  • 2017: Dänmark und Zypern
  • 2018: Die Niederlande und Malta
  • 2019: Italien und Bulgarien
  • September 2008: Die Jury, bestehend aus 13 Experten (sieben Vertreter aus den EU-Institutionen und sechs aus den Mitgliedstaaten), wird im September ihre Entscheidung treffen. Diese Entscheidung wird im November vom Rat gebilligt werden.

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