Deutschland verstärkt derzeit seinen Einsatz für die Verwendung der deutschen Sprache auf EU-Ebene. Unterdessen besteht Finnland darauf, während seiner Ratspräsidentschaft Pressemitteilungen und Arbeitsdokumente lediglich in englischer und französischer Sprache verfügbar machen zu wollen.
Die EU ist verpflichtet, sämtliche Gesetzestexte in ihre zwanzig Amtssprachen zu übersetzen. Zunehmend jedoch liegen andere Dokumente nur in ein oder zwei Sprachen (Englisch und Französisch) vor.
Deutschland zeigt sich nun entschlossen, diesen Trend umzukehren. Am 20. April hat Günter Gloser, Staatsminister für Europa, seine Forderung danach, dass sämtliche offiziellen EU-Dokumente auch auf Deutsch verfügbar gemacht werden sollten, noch einmal bekräftigt. Schließlich sei Deutsch mit über 90 Millionen Muttersprachlern die größte Sprache in der EU.
Bislang hat Deutschland zwei Verbündete im Kampf gegen die einseitige EU-Sprachpraxis gefunden: Frankreich und den Europäischen Bürgerbeauftragten. Am 30. März hat der Bürgerbeauftragte Nikiforos Diamandouros den Rat aufgefordert, die Sprachen-Regelung für Websites der EU-Präsidentschaft zu überdenken und ihm bis zum 30. Juni 2006 eine begründete Stellungnahme zu dieser Frage zukommen zu lassen.
Und in einer gemeinsamen Erklärung vom 6. April 2006 verurteilen die Präsidien des Deutschen Bundestages und der französischen Assemblée Nationale die „inakzeptable Tendenz hin zu einem Einsprachenregime“. Der Grundsatz der Gleichheit aller EU-Amtssprachen dürfe nicht verletzt werden, da er Ausdruck der Bedeutung der „kulturellen und sprachlichen Vielfalt“ Europas sei. Die Präsidien fordern den „gleichzeitigen Zugang zu allen Sprachversionen von formell durch das Kollegium der Kommissionsmitgieder angenommenen Dokumenten, da dies eine notwendige Voraussetzung für die Kontrolle der Entwürfe europäischer Rechtsakte durch die nationalen Parlamente“ darstelle.
Doch Berichten der finnischen Zeitung Hufvudstadsbladet zufolge will Finnland, das am 1. Juli 2006 die Ratspräsidentschaft übernimmt, Pressemitteilungen und Arbeitsdokumente ausschließlich auf Englisch und Französisch publizieren. Ein Vertreter der finnischen EU-Vertretung in Brüssel sagte der Zeitung, dass die Dokumente schließlich auch nicht ins Finnische und Schwedische übersetzt würden, obwohl diese ebenfalls EU-Amtssprachen seien.
