Sport als Instrument der Entwicklungspolitik [DE]

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Sport ist eine globale Sprache und in der Welt wächst das Bewusstsein dafür, dass Sport ein Mittel sein kann, um Armut zu reduzieren, Innovation zu fördern die Millennium-Entwicklungsziele der UNO zu erreichen. Die Kommission hat sich nun mit der FIFA verbündet, um Fußball als Entwicklungsfaktor in den AKP-Staaten zu stärken.

  • Die Charta der UNESCO für Leibeserziehung und Sport (1978) benennt Leibeserziehung und Sport als ein “allgemeines Menschenrecht” und die Konvention über die Rechte der Kinder erkennt das Recht des Kindes „auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung“ an.
  • Die Vereinten Nationen haben im Rahmen der im Jahr 2000 verkündeten Milleniums-Entwicklungsziele (MDG) die ‚Interagency Task Force on Sport for Development’ damit beauftragt, den Beitrag des Sports für die Erfüllung der Milleniumsziele zu untersuchen. Der Bericht „Sport für Entwicklung und Frieden“ (2003) empfiehlt, dass Sport und andere körperliche Tätigkeiten besser in entwicklungspolitische Maßnahmen integriert werden sollten. 
  • Dementsprechend wurde das Jahr 2005 zum Internationalen Jahr des Sports und der Leibeserziehung (IJSL 2005) ausgerufen und eine Arbeitsgruppe für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden eingesetzt. 
  • Eine Entschließung des Europäischen Parlaments zu Entwicklung und Sport (Dezember 2005) hält fest, dass "Sportprojekte als Querschnittsinstrumente beim Kapazitätsaufbau in den Bereichen Bildung, Gesundheit allgemein, bei der HIV/Aids-Prävention, bei der Friedensschaffung und der Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung, Gewalt, Ungleichheit, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dienen können". Die Europaabgeordneten fordern daher von der Kommission, zum Beispiel sportgestützte Entwicklungsprogramme und -projekte durch ein für dieses Vorhaben bereitgestelltes Budget zu unterstützen.

Gemeinsame Absichtserklärung der Kommission und der FIFA

Im Juli 2006 haben die EU-Kommission und die Internationale Föderation des Verbandsfußballs (FIFA) eine gemeinsame Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet, die den Fußball in den Dienst der Entwicklung der Länder in Afrika, im karibischen Raum und im Pazifischen Ozean stellt (AKP).

Nach Angaben der Kommission spielen rund 50 Mio. Menschen in Afrika regelmäßig Fußball und für Viele ist der Fußball „ein Überlebensakt, ein Weg, um in traumatisierten Gemeinschaften zur Normalität zurückzukehren, Vertrauen wieder aufzubauen und Toleranz und Solidarität in von Naturkatastrophen, Krieg oder Armut erschütterten Ländern zu fördern.“ 

Ziel der gemeinsamen Absichtserklärung ist es, den Fußball mit Entwicklungsprogrammen zu verbinden und die Kraft des Fußballs für die Umsetzung von Projekten in den AKP-Ländern zu nutzen. Die Erklärung umfasst verschiedene Bereiche, von der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe bis hin zur Bekämpfung von Rassismus, dem Wiederaufbau nach dem Ende von Konflikten, der Bildung von Nationalbewusstsein und der Förderung von Gesundheit und Bildung. Der finanzielle Beitrag der EU wird dabei zunächst durch den 9. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) und danach durch den 10. Entwicklungsfonds sichergestellt.

Arbeitsgruppe für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden

Die Arbeitsgruppe für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden (SDP IWG) wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, nationale Regierungen bei der Ausarbeitung von Empfehlungen zu unterstützen und die Integration von Sport und körperlichen Aktivitäten in die nationalen und internationalen Entwicklungsstrategien und Programme zu erreichen. Die Gruppe stellte ihre ersten Ergebnisse im Juni 2006 vor.

Vereinte Nationen – Sport für Entwicklung und Frieden

Die Vereinten Nationen verfügen über eine spezielle Programmlinie „Sport für Entwicklung und Frieden“. Durch das Programm soll der Beitrag des Sports zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und zur Verbesserung der Gesundheit und der persönlichen Entwicklung von Personen jeder Altersstufe, insbesondere jungen Menschen, gefördert werden. Auch mit dem Sport verwandte Tätigkeiten sollen gefördert werden, weil solche Aktivitäten auf vielen Ebenen Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung schaffen und zur Etablierung einer Friedenskultur und von Toleranz beitragen können. (Sport und die Millenium-Entwicklungsziele)

Toolkit "Sport für Entwicklung"

Das Toolkit "Sport für Entwicklung" wurde 2006 vorgestellt und die abschließenden Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden für 2008 erwartet. Das Toolkit bietet einsatzbereite Instrumente und Ressourcen für NGOs, Sportverbände und Regierungen, die den Sport zum Erreichen der Entwicklungsziele nutzen wollen.

Internationales Jahr des Sports und der Leibeserziehung 2005

Das Internationale Jahr des Sports und Leibeserziehung (IJSL 2005) stellte nach Auffassung der UNO eine einzigartige Möglichkeit dar, die Aufmerksamkeit der Welt auf die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft zu lenken und darauf, wie Sport und Sportunterricht zur Bekämpfung der großen Herausforderungen, wie extremer Armut, Konflikte und HIV bzw. AIDS beitragen können. Ziel des IJSL 2005 war es, weltweit mittels einer Reihe von Konferenzen, Veranstaltungen und wissenschaftlicher Veröffentlichungen den Wert des Sports und des Sportunterrichts für Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Frieden zu verdeutlichen. 

Illegaler Handel mit jungen afrikanischen Fußballern

Initiativen im Rahmen von „Sport für Entwicklung“ hegen natürlich gute Absichten. Dennoch treten in Afrika in letzter Zeit immer mehr unseriöse Fußball-Agenten auf, die viel versprechende Talente suchen und diese angeblich zur Weitervermittlung an europäische Fußballclubs „einkaufen“ wollen. Für viele afrikanische Spieler ist eine Spielertätigkeit in Europa ein Weg, der Armut zu entkommen und ihre lokalen Vereine gegen ruhmreiche europäische Clubs einzutauschen. Sie werden oft von den Agenten in jungen Jahren „eingekauft“ – für rund 30 Euro -, um trainiert und später eventuell für Millionen weiterverkauft zu werden, oder die Familien werden schlicht aufgefordert, den jungen Talenten ein Flugticket nach Europa zu kaufen.

Einmal in Europa angekommen, landen die Jugendlichen, die in Verträgen auf ihre Rechte verzichten und denen die Agenten die Ausweisdokumente abgenommen haben, bei geringer Bezahlung in zweitklassigen Vereinen oder werden bei mangelndem Talent einfach im Stich gelassen.

Seit 2001 verbietet eine FIFA-Regelung die Vermittlung von minderjährigen Spielern aus Entwicklungsländern in die EU, jedoch wird diese Vorschrift nicht immer eingehalten.

  • ‚Culture Foot Solidaire’

Culture Foot Solidaire, eine französische NGO, hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Akteure des afrikanischen Fußballs zum Kampf gegen den Handel mit jungen afrikanischen Talenten in Frankreich zusammenbringen. Die Jugendlichen, ihre Familien und lokale Fußballtrainer werden unmittelbar vor Ort über den Profifußball und die Schwierigkeiten eines Lebens im Ausland informiert. Das erste Informationszentrum „Maison du Jeune Footballeur“ wurde kürzlich in Kamerun eröffnet und soll Informationen vermitteln und die lokalen Sportstrukturen unterstützen.  

  • Sport und Freiheit

Eine belgische Menschenrechtsorganisation mit dem Namen Sport und Freiheit (Sport en Vrijheid) wurde 1992 zum Schutz junger Sportler vor Ausbeutung gegründet. Der Verein hat eine juristische Schlacht geführt, um den Fußballern aus Entwicklungsländern Gehör zu verschaffen und ein Bleiberecht in Belgien zu erwirken.

Nach Ansicht des in Großbritannien ansässigen International Business Leaders Forum (IBLF) kann Sport kein „Patentrezept zur Bewältigung von Entwicklungsproblemen“ sein. Sportveranstaltungen würden ein großes Publikum anziehen, über großen wirtschaftlichen Einfluss und Macht verfügen und so Gemeinschaften und Länder erreichen. Sport könne in diesem Sinne durch die weltweit verstandene Sprache und die überall geltenden Spielregeln neutralisierend wirken und deshalb eine bedeutende Rolle für globale Entwicklungsanliegen, wie das Erreichen der Millenium-Entwicklungsziele, spielen.

Einige Organisationen wie die NGO Right to Play, die sich die Förderung von Entwicklung durch Sport zum Ziel gesetzt hat, betont, dass die Regierungen mehr dafür tun müssten, damit Sport ein Instrument zum Kampf gegen die Armut werden könne. Nur durch ein größeres Engagement der politischen Führung könne sichergestellt werden, dass Sport und körperliche Aktivitäten Bestandteil entwicklungspolitischer Maßnahmen und Pläne der einzelnen Staaten würden, insbesondere zur Bekämpfung von HIV/AIDS und Schaffung von Frieden.

Nach Auffassung der Arbeitsgruppe Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden (SDP IWG) hängt die Frage, inwiefern Sport für Entwicklung und Frieden erfolgreich für Entwicklungsziele genutzt werden kann, insbesondere von der Motivation und Mobilisierung der nationalen Regierungen ab, da diese der Motor für nationale und internationale Entwicklungsstrategien und Investitionen seien. 

Der Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe Louis Michel ist der Überzeugung, Sport könne ein Motor für Entwicklung sein. Die Verknüpfung von Fußball und Entwicklungszielen könne dazu beitragen, das Leben von Millionen Kindern zu verbessern, so Michel. 

Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 haben die Internationale Föderation des Verbandfußballs (FIFA) und die Vereinten Nationen gemeinsam zu Frieden, Toleranz und Entwicklung mit dem Argument aufgerufen, Sport im Allgemeinen und Fußball im Besonderen könnten eine Schlüsselrolle für die weltweite Entwicklung spielen. Die Weltmeisterschaft könne zwar keine Kriege beenden, jedoch zu weltweiter Verständigung beitragen, weil reiche und arme Länder ein gemeinsames Erlebnis teilen könnten.

Nach Auffassung der Vereinten Nationen könnten Aktivitäten rund um den Sport sowohl Arbeitsplätze schaffen und selbständige Tätigkeiten fördern als auch einen Beitrag dazu leisten, eine Kultur des Friedens und der Toleranz zu schaffen, indem Menschen über Staatsgrenzen und andere Hindernisse hinweg zusammengebracht würden und so Verständnis und gegenseitiger Respekt entstehen könnten. UNO-Generalsekretär Kofi Annan will Regierungen, Entwicklungsorganisationen und Gemeinschaften anregen, darüber nachzudenken, wie Sport systematisch zum Bestandteil von Entwicklungsprogrammen und –plänen werden könne, um so Kindern, besonders den in Armut lebenden, zu helfen und Krankheiten sowie Konflikte vorzubeugen.

Die Menschenrechtsorganisation Sport und Freiheit verurteilt entschieden den Handel mit jungen Fußballspielern aus Afrika, Südamerika und Osteuropa. Es handele sich dabei um eine „moderne Form des Sklavenhandels“, so die Organisation.

  • Juni 2006: Die Arbeitsgruppe für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden (SDP IWG) legt ihren ersten Bericht From Practice to Policy vor. 
  • Juli 2006: Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung zwischen der Kommission und der FIFA, um Fußball als ein Instrument zur Förderung der Entwicklung in Staaten in Afrika, im karibischen Raum und im Pazifischen Ozean zu nutzen.
  • Januar 2007: Schaffung der Organisation Peace and Sport - Organisation pour la Paix et le Sport
  • 11. Juli 2007: Das Weißbuch der Kommission über Sport erklärt, dass die Kommission beabsichtige, Sport als ein Instrument seiner Entwicklungspolitik zu nutzen.
  • 22. Januar 2008: Das Internationale Olympische Komitee und die Vereinten Nationen einigen sich auf eine stärkere Zusammenarbeit.
  • 19. August 2008: Die SDP IWG legt ihren endgültigen Bericht Harnessing the Power of Sport for Development and Peace: Recommendations to Governments vor.
  • 3. bis 5. Dezember 2008: Peace and Sport International Forum 2008 in Monaco.
  • 7. und 8. Mai 2009: Erstes internationales IOC-Forum zum Thema Sport für Frieden und Entwicklung.
  • 8. und 9. Juli 2009Beyond Sport-Gipfel
  • 2010: Die FIFA Weltmeisterschaft 2010 wird, zum ersten Mal, auf dem afrikanischen Kontinent, in Südafrika, stattfinden. Die Kommission und die FIFA versuchen, im Laufe der vier kommenden Jahre die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika und den kulturellen Austausch mit dem Kontinent zu fördern.

Supporter

Life Tackle

Life Programme

LIFE TACKLE wird vom LIFE-Programm für Umwelt- und Klimapolitik der Europäischen Union kofinanziert - Projektnummer LIFE17 GIE/IT/000611



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