Freiwilligenarbeit und Sport

Eine der weniger bekannten Tatsachen der Fußball-Europameisterschaft 2004 ist der Beitrag von 53 europäischen Freiwilligen aus 18 Ländern. Die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten im Bereich der Freiwilligenarbeit wird immer weiter ausgebaut.

Hintergrund

Der Europäische Freiwilligendienst (EFD), der unter 'Action 2' des Jugendprogramms YOUTH der EU fällt, kann sich nicht über Mangel an Arbeit beklagen. Im Jahr 2003 nahmen fast 3.500 Freiwillige am EFD, der über ein Budget von 25 Millionen Euro verfügt, teil. Aufgrund der Erweiterung wurde der Haushalt 2004 auf 33 Millionen Euro aufgestockt. Eine online Datenbank mit den anerkannten Aufnahmeorganisationen enthält derzeit rund 6.000 potenzielle Freiwilligenplätze. Als Reaktion auf eine Bewertung des EFD wird das Programm derzeit dahingehend überarbeitet, es benutzerfreundlicher zu gestalten und der steigenden Nachfrage entgegenzukommen.

Für Freiwillige entstehen keine Kosten, da die Kommission für die Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und Versicherung aufkommt. Der EFD soll nicht nur lokale Aufnahmeorganisationen unterstützen, sondern zielt vor allem darauf ab, Jugendlichen (zwischen 18 und 25 Jahren) die Möglichkeit zu geben, ein anderes Land, eine andere Kultur und eine andere Sprache intensiv kennen zulernen. Die erlangten Erfahrungen und Fertigkeiten werden in einem EFD-Zertifikat dokumentiert, welches von dem für Bildung und Sport zuständigen EU-Kommissar unterzeichnet wird.

Eines der Hauptmerkmale des EFD besteht darin, dass Freiwillige während des gesamten Verlaufs pädagogisch begleitet werden und Unterstützung erhalten. Desweiteren baut jedes einzelne Projekt auf einer Partnerschaft zwischen der Entsendeorganisation, einer Aufnahmeorganisation und dem Freiwilligen auf. In den meisten Fällen handelt es sich um lokale Projekte in den folgenden Bereichen: Soziales, Kultur, Sport, Kunst, Jugendinformation, Umwelt etc. Es liegen allerdings Pläne vor, nach denen die Möglichkeit für neue kollektive Projekte eröffnet werden soll, an denen mehr Freiwillige mitwirken können (bis zu 60 in 2004, später unter Umständen noch mehr) und die zu bestimmten größeren Anlässen ins Leben gerufen werden (beispielsweise Sport- und Kulturereignisse).

Organisatoren und Entscheidungsträger haben ein großes Interesse daran, das bei der Gestaltung des jeweiligen Projekts darauf geachtet wird, dass Freiwillige nicht unterfordert werden und den Freiwilligendienst daraufhin vorzeitig abzubrechen. Die Kommission hat kollektive EFD-Projekte im Zusammenhang mit den Special Olympics World Games 2003 (Weltspiele für Menschen mit geistiger Behinderung) in Dublin, an denen 200 europäische Freiwillige mitwirkten, und im Zusammenhang mit den Fußball-Europameisterschaften 2004, an denen 53 europäische Freiwillige beteiligt waren, unterstützt. Die Kommission berücksichtigt bei der Bewilligung solcher Projekte, dass die Logistik, das Training, die Unterstützung und Ausführung sinnvoller Aufgaben in Verbindung mit dem Aufenthalt der Freiwilligen gewährleistet sein muss. 

Probleme

Ein zweimonatiger Aufenthalt wurde bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2004 vom portugiesischen Jugendinstitut für Europäische Freiwillige organisiert. Die Aufgaben der Freiwilligen waren in Bereichen angesiedelt, in denen ein europäischer und interkultureller Mehrwert für die Freiwilligen geschaffen werden konnte (Kommunikation, Liaison, Presseinformation etc.). Obwohl der EFD Modell für das Projekt gestanden hatte, wurden die finanziellen Mittel (in Höhe von 200.000 Euro) für dieses Projekt vom Budget des Europäischen Jahres der Erziehung durch Sport bereit gestellt.

Freiwillige aus Europa nahmen ebenfalls an den Olympischen Spielen teil, auch obgleich dies nicht von der EU finanziert wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Kommissionspräsident Prodi die Hoffnung geäußert hat, dass die EU-Flagge bei künftigen Olympischen Spielen neben den Flaggen der einzelnen Länder wehen würd. Dies war in Athen zwar nicht der Fall, aber viele der europäischen Freiwilligen trugen T-Shirts mit EU-Flaggen-Aufdruck, was als einen Versuch der Organisatoren ATHOC gewertet werden kann, das öffentliche Bewusstsein für die EU zu stärken.

Jens Mester, EU-Beamter der Jugendabteilung des Generaldirektorats für Bildung und Kultur der Kommission, hebt die folgenden Elemente hervor, die für den Erfolg eines kollektiven Freiwilligenprojekts bei großen Sportereignissen entscheidend sind:

  • rechtzeitige logistische Vorbereitungen und Rekrutierung der Freiwilligen (sollte mindesten 12 Monate im Voraus beginnen)
  • die Aufgaben sollten an die Interessen und Qualifikationen der einzelnen Freiwillige angepasst werden
  • sinnvolle Aufgaben, die einen Mehrwert für die Freiwilligen schaffen und es ihnen ermöglichen, neue Fertigkeiten und Kenntnisse zu erlangen
  • die Freiwilligen sollten über die Einzelheiten des Projekts (Kontext/Umfeld/praktische Informationen) gut informiert werden
  • die Freiwilligen sollten auf ihre Aufgaben gut vorbereitet werden und Unterstützung erhalten  

Mester betont ebenfalls, dass Anreize wichtig seien. Beispielsweise bietet die Kommission den Freiwilligen Taschengeld, Kranken- und Haftpflichtversicherung sowie die vollständige Rückerstattung der Hin- und Rückreise. 

In der Ausschreibung umfangreicher Projekte (DG EAC 17/03), die unter das Jugendprogramm YOUTH der Kommission fallen, ist eines der vier Schwerpunktbereiche: "Projekte, die Sport und Outdoor-Aktivitäten als Mittel zur sozialen Integration und nichtformellen Bildung nutzen".

Derzeit tut sich auf EU-Ebene im Bereich der Freiwilligenarbeit für Jugendliche einiges:

Im November 2003 organisierte die Kommission die erste Europäische Konferenz zu Zivildiensten und Jugend (First European Conference on Civic Service and Youth), um die Zusammenarbeit und den Austausch von Freiwilligen zwischen verschiedenen nationalen Freiwilligendienststellen zu verbessern. Eine Folgeveranstaltung soll in nicht allzu ferner Zukunft stattfinden.

Am 9.März 2004 verabschiedete die Kommission eine Mitteilung zu der künftigen Generation von Programmen, unter anderem im Jugendbereich (einschließlich des Europäischen Freiwilligendienstes), die im Jahr 2007 anlaufen sollen. Das politische Ziel der Kommission besteht darin, die Anzahl der Freiwilligen ab 2007 von 3.500 auf 10.000 pro Jahr, was folglich fast einer Verdreifachung entspräche, zu erhöhen. Dies wurde von dem am 14.Juli 2004 verabschiedeten offiziellen Vorschlag der Kommission für die Jugend-Programme für den Zeitraum von 2007 bis 2013 bestätigt. Das derzeitige YOUTH-Programm der Kommission (2000-2006) bietet jedoch bereits Fördermittel und pädagogische Hilfsmittel für Projekte, die sich auf den Bereich Erziehung durch Sport beziehen (e.g. Jugend-Austausch, Freiwilligendienst, Jugend-Initiativen und Unterstützungs-Maßnahmen).

Eine Richtlinie des Rates, die die Einreise-Bedingungen für Studenten, Praktikanten und Freiwilligen definiert, wurde am 13. Dezember 2004 angenommen.

Am 15. November 2004 verabschiedete der Rat einen Vorschlag der Kommission über gemeinsame Ziele zur Förderung von Freiwilligen-Aktivitäten von Jugendlichen auf allen Ebenen.

Die Rolle, die Freiwilligenorganisationen im Bereich des Sport spielen, und Möglichkeiten ihrer Förderung werden voraussichtlich auf der Tagesordnung der EU-Entscheidungsträger stehen, wenn zur Debatte steht, wie der neue 'Sportartikel' der EU-Verfassung in die Praxis umgesetzt werden kann.

Zeitstrahl

  • Nov. 2006: Die EU-Sportminister einigten sich auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, um den Status von Laiensportverbänden in Bezug auf Gemeinschaftsrecht zu überarbeiten.
  • März 2009: Beginn einer Studie über Freiwilligenarbeit in der EU.
  • 11. Sept 2009: Beginn einer Online-Studie über ehrenamtliches Engagement im Sportbereich (EURACTIV vom 17. September 2009).
  • 15. Okt. 2009: Frist für die Beteiligung an der Online-Studie über ehremtliches Engagement im Sport.
  • Nov./Dez. 2009: Finalisierung der Studie über Freiwilligenarbeit in der EU.
  • 2011: 'Europäisches Freiwilligenjahr'

Weitere Informationen

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