Frauen und Sport [DE]

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Männer beherrschen den Sport, sowohl als aktive Athleten und Trainer als auch als Konsumenten der Sport-Unterhaltungsindustrie. Frauen und Mädchen, die den Sport oftmals zu früh aufgeben, zu ermutigen, sich mehr einzubringen, ist eine Herausforderung.

Da die Kommission über keine Kompetenzen im Sportbereich verfügt, legen die Mitgliedstaaten die Prioritäten für Sport und Geschlechterfragen auf EU-Ebene fest. Gleichstellung zwischen den Geschlechtern ist nichtsdestotrotz eine Priorität und ein Auswahlkriterium in allen Programmen, die von der EU unterstützt werden und von denen einige sportbezogene Projekte finanzieren können.

1994: Die erste internationale Konferenz über Frauen und Sport wurde in Brighton abgehalten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Beseitigung des Ungleichgewichts, mit dem Frauen im Rahmen ihrer Beteiligung und ihrem Einbezug in den Sport konfrontiert sind, beschleunigt werden könnte. Die Teilnehmer, unter anderem die europäischen Sportminister, billigten die Erklärung von Brighton. Diese stellt die Prinzipien fest, welche die Maßnahmen für eine vermehrte Beteiligung von Frauen im Sport auf allen Ebenen und in sämtlichen Funktionen und Rollen leiten sollen.

Juni 2003: Eine Entschließung des Europaparlaments über Frauen und Sport behandelt eine Vielzahl von Aspekten, wie Sportstrukturen, Sport an Schulen, Hochleistungssport, gesundheitliche Aspekte und größere Beteiligung an Entscheidungsprozessen.

September 2005: Die Sportminister der EU-27 kommen überein, die Chancengleichheit und Diversität in und durch Sport sowohl auf nationaler und europäischer Ebene zu fördern. Dies würde durch die Darstellung von gut funktionierenden Beispielen zur sportlichen Beteiligung bei künftigen Konferenzen geschehen, welche innerhalb der europäischen Sportbewegung abgehalten werden sollten.

Oktober 2005: Das erste Expertentreffen zu Chancengleichheit und Sport zwischen der Kommission und den Mitgliedstaaten soll Good-Practice-Beispiele zu Sportbeteiligung in Bezug auf Geschlechtergleichstellung und Menschen mit Behinderungen vorstellen und verbreiten.

Dezember 2005: Eine Entschließung des Europaparlaments ermutigt zur stärkeren Beteiligung von Frauen (Athleten und Journalisten) an Sport und Entwicklung, legt Geschlechtergleichheit als Ziel von Sport bei Entwicklungsinitiativen fest und betont, dass die Weltkonferenz zu Frauen und Sport zu bedeutenden Fortschritten im Bereich des Frauensports überall in der Welt geführt habe.

Juli 2007: Das Weißbuch Sport der Kommission und der begleitende Aktionsplan betonen die Notwendigkeit, Geschlechterfragen in alle sportbezogenen EU-Aktivitäten einzubinden.

Der Beteiligungsanteil von Frauen und Mädchen am Sport variiert zwischen den einzelnen Ländern, aber er ist überall geringer als der von Männer und Jungen.

Jüngste Umfragen des Eurobarometers (2003 und 2004) zeigen, dass Männer sich stärker sportlich betätigen als Frauen: 41% der befragten Männer geben an, dass sie mindestens einmal in der Woche Sport treiben, während der Anteil der Frauen sechs Prozentpunkte darunter liegt (35%). Von einem soziodemografischen Standpunkt aus sind Männer überzeugter als Frauen, dass Sport eine Möglichkeit bietet, Freunde zu treffen und Spaß zu haben. Zum Beispiel scheinen Männer Freundschaft und Fair Play mehr Bedeutung beizumessen als Frauen (41% im Vergleich zu 30% bzw. 36% im Vergleich zu 28%).

Auch treten mehr Männer Sportvereinen (25% im Vergleich zu 20% der Frauen) und Sportzentren (18% im Vergleich zu 14% der Frauen) bei. Frauen scheinen Fitnesszentren zu bevorzugen, da 22% von ihnen ein solches besuchen, verglichen mit 18% der Männer. Frauen scheinen auch überzeugter als Männer von den gesundheitlichen Vorteilen von Sport zu sein (81% verglichen mit 78%).

Das Weißbuch Sport der Kommission (Juli 2007) und der begleitende Aktionsplan betonen die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Themen auf EU-Ebene einzubinden.

In Hinsicht auf das Potential des Sports besonders für soziale Einbindung, Integration und Chancengleichheit stellt das Papier fest, dass die Kommission im Rahmen seines Fahrplans für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2006 bis 2010 den Einbezug von Gleichstellungsfragen in alle sportbezogenen Aktivitäten fördern werde. Dabei werde ein besonderer Schwerpunkt auf den Zugang weiblicher Immigranten und Frauen ethnischer Minderheiten zum Sport gelegt werden, sowie auf den Zugang von Frauen zu verantwortungsvollen Positionen im Sport und die mediale Berichterstattung über Frauen im Sport.

Bei der Förderung der Teilnahme muslimischer Mädchen und Frauen an körperlichen Aktivitäten bestehe eine zweiseitige Herausforderung: der Kampf um Geschlechtergleichstellung – das Recht von Mädchen und Frauen zu allen und gleichen Lebensmöglichkeiten - sowie der Respekt für kulturelle Diversität und Unterschiede – das Recht ethnischer Gruppen, kulturelle Praktiken mit Unterschieden zwischen den Geschlechtern und die Geschlechtertrennung zu erhalten.

Das Weißbuch gibt auch an, dass die Kommission den Einsatz von Sport als Instrument für seine Entwicklungspolitik  fördern werde. Die Maßnahmen seien auf einen verbesserten Zugang für Mädchen und Frauen zu Sportunterricht und Sport gerichtet, „um ihr Selbstvertrauen zu stärken, die soziale Integration zu fördern, Vorurteile zu bekämpfen und einen gesunden Lebensstil sowie den Zugang von Frauen zur Bildung zu fördern.“

Zur Organisation von Sport schlägt die Kommission vor, dass der Vertretung der Frauen in Management- und Führungspositionen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden solle.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge litten viele Frauen unter Krankheiten, die mit einer zu geringer körperlicher Betätigung im Zusammenhang stünden, so z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Osteoporose und Brustkrebs. Die WHO bemerkt auch, dass mit physischer Aktivität eine verbesserte psychische Gesundheit einhergehe, da sie Stress, Ängste und Depressionen reduziere. Zudem könne sie zu erhöhtem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen beitragen.

Die WHO stellt eine Reihe von Gründen für die geringe körperliche Betätigung von Frauen heraus: Frauen hätten häufiger ein geringeres Einkommen als Männer, was ein Hindernis für den Zugang zu körperlichen Aktivitäten darstellen könnte. Die Menge der Arbeit der Frau im Haushalt könnte die Zeit begrenzen, die zur freien Verwendung – und somit zur körperlichen Betätigung – verfügbar ist. Frauen könnten weniger Möglichkeiten haben, zu Sporteinrichtungen zu gelangen. Auch kulturelle Erwartungen könnten sie von körperlicher Aktivität abhalten.

Die vierte 
Weltkonferenz zu Frauen und Sport
, die im Mai 2006 abgehalten wurde, gibt eine Reihe von Empfehlungen. Diese reichen vom verpflichtenden Sportunterricht – und dem Spaß dabei – für alle jungen Mädchen, über die Ermutigung älterer Frauen, am Sport teilzunehmen, und die Bewusstseinsbildung von Frauen ethnischer Minderheiten für den Sport bis hin zum Abbau von Stereotypen im alltäglichen Denken und Handeln.

Die britische Women’s Sport Foundation (deutsch: britische Stiftung für Frauensport, WSF) denkt, dass die an der Produktion von Sportmedien beteiligten Sportlerinnen in allen Formen der Medien unterrepräsentiert seien. Dies löse ernsthafte Bedenken bei denjenigen aus, die eine zentrale Rolle bei der Informationsvermittlung für das Wissen, die Meinungen und Haltungen zu Frauen und Sport spielten. Dies werde sowohl durch die Dichte der Berichterstattung als auch durch die verwendete Sprache erreicht. Die Medien könnten eine wichtige Rolle beim Aufbau des öffentlichen Profils von Frauensport spielen, so die WSF.

Dr. Katrin Petry von der Deutschen Sporthochschule in Köln sagte EURACTIV, dass ein großes Problem im Bereich der sozialen Einbindung darin bestehe, dass Führungspositionen in Sportorganisationen zu 99% von Männern dominiert würden und die Frauen ohne Rollenvorbilder zurückließen. „Das Thema der Geschlechtsstereotype ist ebenso kritisch, besonders wenn man sich die Repräsentation von Frauen in den Medien (TV, Presse, etc.) ansieht“, fügte sie hinzu und bezog sich auch auf „den Rollenkonflikt von Frauen in traditionellen Männersportarten“ (z.B. Fußball, Boxen, etc.).

Dr. Heike Kahl von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sagte EURACTIV, dass „große Sportverbände und Lobbyisten oft nicht die richtigen Akteure seien, wenn man nach innovativen Entwicklungen sucht.“ Sie sagte, dass es besser sei, sich Institutionen anzuschauen, in denen Kinder wirklich ihre Zeit verbrächten, so wie Schulen. Kahl ist der Auffassung, dass es reine Frauensportverbände und Mindestquoten für Frauen in Sportverbänden geben solle. Ihrer Meinung nach bräuchten Mädchen ihren eigenen Raum, um Selbstvertrauen zu entwickeln.

Thilo Friedmann vom EU-Büro des deutschen Sports sagte EURACTIV, dass „Sportorganisationen sich ihrer fördernden Rolle von Mädchen und Frauen in ihren Strukturen bewusst sind.“ Dafür gebe es viele Beispiele, von lokalen Initiativen wie GIPAS (Girls’ Participation in Sport; deutsch: Teilnahme von Mädchen an Sport – ein Projekt des österreichischen Sportverbands ASVÖ, Allgemeiner Sportverband Österreichs) bis hin zum Programm des Internationalen Olympischen Komitees für die Förderung von weiblichen Führungskräften im Sport.

Liese Prokop von der European Women and Sport Working Group (deutsch: Europäische Arbeitsgruppe zu Frauen und Sport) sagte EURACTIV, dass eine Entscheidung des Europaparlaments zu Frauen und Sport zur finanziellen Unterstützung der EU für EWS „mehr als willkommen wäre“. Sie sagte, dass die EWS die Hilfe und eine enge Verbindung mit den europäischen Institutionen brauche, um professionelle Strukturen aufzubauen und fähig zu sein, ihre Strategien zur Förderung von Frauen und Mädchen im Sport zu verfolgen.

  • Oktober 2005: Die Kommission hat Expertentreffen zum Thema ‚Chancengleichheit durch und im Sport’ initiiert, um Beispiele bewährter Praktiken der Teilnahme am Sport in Hinblick auf Geschlecht und Menschen mit Behinderung vorzustellen und zu verbreiten. Eine Zusammenfassung der Angaben der Mitgliedstaaten wurde im März 2006 veröffentlicht.
  • März 2006: 7. Konferenz zu Frauen und Sport diskutiert über "Good Governance im Sport".
  • Mai 2006: 4. Weltkonferenz zu Frauen und Sport. Um die Zusammenfassungen der Workshops zu lesen, klicken Sie hier.
  • Februar 2007: Eine Studie über die aktuelle Situation und die Aussichten für Sportunterricht in der EU wurde in einer Parlamentsanhörung debattiert. Die Studie weist darauf hin, dass Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern existierten und dass es Hindernisse für die volle Teilnahme von Mädchen gebe. Solche Hindernisse schließen offensichtlich kulturelle Traditionen ein, insbesondere religiöse und gesellschaftliche Haltungen; eine begrenzte Reihe von Möglichkeiten für Mädchen, aktiv zu sein; männlich dominiert oder voreingenommene Lehrpläne und Sportklassen sowie unzureichend ausgebildete und uninformierte Lehrer.
  • März 2007: Die britische Women’s Sports Foundation veröffentlicht ihren neuesten Bericht über die Lage der Frauen im Sport.
  • April 2007: Wimbledon kündigt an, dass es ein gleiches Preisgeld für männliche und weibliche Sportler ausschreiben werde. Alle vier Grand Slam-Tuniere bieten nun das gleiche Preisgeld für die Gewinner. Die French Open kündigten ebenso vor kurzem an, dass sie gleiche Preisgelder verleihen wollten.
  • 11. Juli 2007: Die Kommission veröffentlicht ihr Weißbuch Sport.
  • 15. November 2007: Konferenz "Raising the Game: The Future for Women's Sport".
  • 8. bis 10. März 2008: Die vierte Weltkonferenz des IOC zum Thema Frauen und Sport debattierte über die Rolle des Sports als Triebkraft für den sozialen Wandel und nahm den Dead Sea Plan of Action an, der einen Leitplan dafür darlegt, wie die Stellung von Mädchen und Frauen im und durch den Sport gestärkt werden könne.

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