„Transsibirische“ Bahn von Wien nach Wladiwostok

Die Transsibirische Eisenbahn führt als längste Bahnstrecke der Welt über 9288 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok am Pazifik. © Jerzy / PIXELIO

Wer heute mit der legendären „Transsib“ von Russland quer durch Asien bis nach Wladiwostok am Japanischen Meer reisen will, kann von Moskau aus mit dem Zug eine gute Woche 9288 Kilometer im Schlafwagen zurückzulegen. Ab 2025 rollen womöglich die ersten Züge bereits ab Wien. Das sieht jedenfalls ein Plan vor, der langsam Konturen annimmt und nun auch offiziell beschlossen wurde.

Wien will sich zum Eisenbahndrehkreuz in Europa mausern. Schon jetzt ist die Transversale von Hamburg beziehungsweise Danzig über Prag und Wien nach Triest/Koper sowie von Paris über München, Wien und Budapest nach Athen fester Bestandteil der EU-Verkehrspolitik. Wenn es nach den Willen der Bahnchefs aus Russland, der Ukraine, der Slowakei und Österreich geht, dann werden in etwa 15 bis 20 Jahren in der österreichischen Bundeshauptstadt die russische Breitspur auf die europäische Normalspur und zugleich auf die Lebensader Donau treffen. Ein entsprechendes "Memorandum of Understanding" wurde Ende vergangener Woche unterzeichnet.

Russland drängt nach Europa

Das Projekt hat offenbar auf russischer Seite hohe Priorität, wird doch sogleich eine Projektstudie beauftragt und ein Geschäftsmodell erarbeitet. Diese Studie soll bis Ende 2013 fertig sein, sodass eine Endentscheidung über die Realisierung des Projekts bis Mitte 2014 fallen kann. Die gesamten Kosten werden derzeit auf 6 Milliarden Euro geschätzt. Im Zentrum steht dabei der Güterverkehr. Geplant ist daher auch primär ein Güterterminal im Großraum Wien, von wo rund 20 Kilometer Breitspur an die slowakische Grenze führen. Der Großteil der Neubaustrecke führt dann vom Westen in den Osten der Slowakei bis nach Cierna nad Tisuo, wo derzeit die russische Großspur endet. Am künftigen Knotenpunkt Wien soll ein Trockendock entstehen, ein Hub, damit die Güter trotz Spurwechsel von 1435 auf 1530 mm fix auf der Schiene bleiben können und schließlich ihr Ziel in Europa erreichen.

3.000 Arbeitsplätze

Auf längere Sicht sollen mit diesem Projekt allein in Österreich 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze enstehen und 120 Millionen Euro zusätzliche jährliche Wertschöpfung erzielt werden. Darüber hinaus würde Breitspurprojekt das Gütervolumen von derzeit rund 113 Millionen Tonnen jährlich um etwa zehn Prozent steigern.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, die Wachstumsmärkte in Fernost – bis nach Shanghai und Wladiwostok mit Zentraleuropa zu verbinden. Schiffe benötigen aus dem fernen Osten nach Europa derzeit an die 30 Tage, die Bahn würde dies in zehn Tagen schaffen. Die Transportwirtschaft ist jedoch skeptisch und meint, dass es zweifelhaft sei, ob die Bahn für die Schifffahrt rasch zu einem echten Konkurrenten wird. Kostet doch ein Bahncontainer derzeit etwa das Dreifache eines Schiffcontainers, der für etwa 700 Euro auf dem Seeweg von Asien nach Europa befördert wird.

Herbert Vytiska (Wien)

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