Parlament vor Verschärfung der Beschränkungen für Flugzeugemissionen [DE]

Die Europaabgeordneten werden laut Berichterstatter Peter Liese wahrscheinlich einen Vorschlag der Kommission verschärfen, der vorsieht, die Luftfahrt in das Handelssystem für CO2-Emissionen der EU aufzunehmen. Während Umweltschützer die Pläne noch immer für zu schwach halten, um das große Problem des Klimawandels anzugehen, reklamieren Fluggesellschaften, dass strengere Vorschläge die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ‚komplett zerstören’ könnte.

Zu einem Streit über die Einzelheiten des Kommissionsvorschlags zum Einbezug des Luftverkehrs in das EU-Emissionshandelssystem wird es wohl im Europäischen Parlament im Vorfeld einer wichtigen Abstimmung der ersten Lesung am 13. November 2007 kommen.

Vergangene Debatten in branchenspezifischen Ausschüssen haben weit auseinander laufende Positionen über die folgenden Punkte im Text aufgezeigt:

  • Anfangsfrist: Während der Umwelt- und der Wirtschaftsausschuss dazu aufgefordert haben, den Sektor bereits 2010 (ein Jahr früher als die Kommission ursprünglich vorgeschlagen hatte) in das europäische Handelssystem für CO2-Emissionen zu integrieren, haben die Ausschüsse für Verkehr und Handel Partei für die Fluggesellschaften ergriffen, indem sie sagten, dass der Anfangstermin auf 2012 verschoben werden solle.  
  • Ausgangswert und Obergrenze: Die Kommission hatte anfangs vorgeschlagen, dass die Obergrenze den durchschnittlichen Emissionen, die vom Luftfahrtsektor zwischen 2004 und 2006 verzeichnet worden waren, entsprechen sollte. Der Umweltausschuss stimmte jedoch dafür, dass er nur 75% dieser Werte ausmachen sollte. Die extremsten Mitglieder sprachen sich für 50% der Werte von 2004 bis 2006 aus, was dann gleichbedeutend mit einer Rückkehr zu Zahlen von 1990 wäre, die von anderen Branchen, die bereits im europäische Emissionshandelssystem integriert sind, verlangt werden. Der Verkehrsausschuss sprach sich dafür aus, dass die gesamte Obergrenze bei 110% der Durchschnittswerte von 2007 bis 2009 liegen sollte, was es Fluglinien erlauben würde, ihre Emissionen im Vergleich zu aktuellen Werten zu erhöhen.  
  • Versteigerung: Die Europaabgeordneten des Umweltausschusses entschieden außerdem, dass die Hälfte der Verschmutzungszertifikate, die gemäß dem Entwurf ausgegeben werden sollten, versteigert werden, um zu vermeiden, dass Fluggesellschaften so genannte ‚unerwartete Gewinne’ machten, wenn sie die Kosten den Fluggäste auferlegten. Der Verkehrsauschuss auf der anderen Seite schlug vor, dass Fluggesellschaften 80% dieser Quote umsonst bekommen sollten. Die Kommission hatte anfangs befürwortet, nur 10% der Konzessionen zu versteigern.

Die Europageordneten werden auch darüber entscheiden müssen, einen Vorschlag des Umweltausschusses anzunehmen. Dieser sieht vor, die Kosten aller CO2-Zertifikate, die von Fluggesellschaften gekauft werden, mit zwei zu multiplizieren, falls die Kommission es versäumt, vor 2010 ein Gesetz zu erlassen, um Stickoxid-Emissionen zu begegnen.

Der Europaabgeordnete Peter Liese, der den Parlamentsbericht zum Vorschlag entworfen hat, betonte, dass andere Industrien das Emissionshandelssystem im Jahr 2005 erfolgreich umgesetzt hätten; trotz einer Frist von weniger als zwei Jahren und trotz der Tatsache, dass es zuvor kein ähnliches System gegeben habe. Da die Gesetzgebung zum Einschluss des Flugwesens bis spätestens 2008 abgeschlossenen sein soll, sagte Liese, eine 18-monatige Frist sei ‚gerechtfertigt und akzeptabel’. Das System solle 2010 in Kraft treten. Er fügte hinzu, es mache keinen Sinn, 2012 zu beginnen, da das System ab 2013 von einem überarbeiteten Emissionshandelssystem für alle Branchen ersetzt werden soll.

In Hinblick auf Begrenzungs- und Ausgangswert sagte Liese, in der Zukunft einen Referenzzeitraum anzunehmen, sei gegenläufig zum Ziel des Vorschlags. Der gesamte Flugsektor würde bis 2010 von Investitionen in saubere Kraftstoffe abgehalten werden. Er ist der Meinung, dass die Begrenzung um 90% des Niveaus von 2004 bis 2006 festgesetzt werden könnte.

Was Versteigerungen betrifft, prognostizierte Liese, dass der endgültige Wert sich vermutlich irgendwo zwischen 20% und 50% bewegen werde.

Liese betonte, es werde sicher zu Kosten führen, aber eine Belastung von 22 Milliarden Euro für Fluggesellschaften stelle gleichzeitig eine Investition von 22 Milliarden Euro in den Klimaschutz und moderne Technologien dar. Daher gebe es einen Einfluss in beide Richtungen. Er denke aber, der Wert sei übertrieben.

Liese lehnte weiterhin die Idee einer Abschwächung des Vorschlags ab, um die Unterstützung der USA und anderer Länder für ein globales System zu erhalten. Es mache keinen Sinn, auf diese Länder zuzugehen, um ihren Vorstellungen gerecht zu werden, da sie einfach nichts damit zu tun haben wollten.

Nichtsdestotrotz sagte Françoise Humbert, die Geschäftsführerin der Kommunikationsabteilung bei der Vereinigung Europäischer Fluggesellschaften, in einem Interview mit EURACTIV: „Der Vorschlag des Umweltausschusses ist so extrem, dass er das Potential hat, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche vollkommen zu zerstören.“

Während sie einräumte, dass das Emissionshandelssystem „für uns das beste aller marktbasierten Instrumente“ sei, da es „einen Anreiz für Investitionen in neue Technologien“ liefere, warnte sie gleichzeitig, dass „es uns nicht ermöglichen werde, in irgendetwas zu investieren, wenn es schlecht geplant ist“.

Humbert sagte, eine Begrenzung, die auf einem Referenzzeitraum basiere, der der Handelsperiode näher sei, beispielsweise 2007 bis 2009, „würde uns eine realistischere Grundlage geben und die Situation für neue Mitgliedstaaten erleichtern, deren Verkehr seit deren EU-Beitritt floriert.

Sie lehnte ab, dass ein späteres Anfangsdatum mit erhöhten CO2-Zertifikaten den Bemühungen des Kampfes gegen den Klimawandel zuwiderliefe. Sie sagte: „Die Emissionen nehmen nicht im selben Maße zu, wie dies bei der Luftfahrt der Fall ist. Viele Maßnahmen sind ergriffen worden, um dies sicherzustellen, einschließlich operativer Maßnahmen, Maßnahmen im Bereich Infrastruktur, neuer Technologien, neuer Motoren. Wir senken unsere Emissionen Schritt für Schritt.“

Weiterhin betonte Humbert, dass man andere Regionen der Welt nicht dazu bewegen werde, dem Vorschlag Folge zu leisten, wenn dieser zu streng sei. „Dies ist unsere Sorge, da ein globales System aus Sicht des Wettbewerbs, und noch wichtiger, auch aus ökologischer Sicht, Sinn machen würde.“

Die Umweltorganisationen Verkehr und Umwelt (T&E), WWF, Friends of the Earth und Climate Action Network sind der Meinung, dass der Bericht des Umweltausschusses nicht streng genug sei.

Sie sagten, auch wenn der Ausschuss im Vergleich zum ursprünglichen Gesetzesvorschlag der Kommission Verbesserungen vorgenommen habe, würde sein Vorschlag – Emissionen bei 75% des Niveaus von 2004 bis 2006 zu begrenzen – zu einer Erhöhung der Emissionen von etwa zwei Dritteln führen, im Vergleich zum Niveau von 1990. Dies sei ein Schritt zurück im Vergleich zu einer früheren Entschluss, die vorgesehen habe, dass der Sektor Emissionen gemäß der Ziele des Kyoto-Protokolls senken solle. Weiterhin stehe es im Widerspruch mit den Verpflichtungen der EU-Staats- und Regierungschefs zur gesamten Senkung der Treibhausgasemissionen um 20 bis 30% bis 2020.

Die Organisationen lehnte ebenfalls die Idee ab, Verschmutzungszertifikate kostenfrei zu vergeben. Delia Villagrasa von WWF betonte, die Zahlung für alle Verschmutzungszertifikate bedeute, dass der Flugsektor dem Prinzip ‚Verschmutzer zahlt’ anhafte und Fluggesellschaften schlussendlich den größten Anreiz hätten, ihre Leistung zu verbessern. Sie fügte hinzu, dass andere Maßnahmen, wie eine Kraftstoffsteuer und ein Ende der Ausnahme von der Mehrwertsteuer, notwendig seien, um den zunehmenden Auswirkungen des Flugwesens auf das Klima zu begegnen.

Die NGOs begrüßten nichtsdestotrotz den Vorschlag des Ausschusses, sich mittels eines Emissionsmultiplikators (mal Zwei) mit den Auswirkungen der Stickoxid-Emissionen (NOx) auseinanderzusetzen. Sie sagten jedoch auch, der gesamte Einfluss des Flugwesens auf das Klima sei zwischen zwei und fünf Mal so hoch wie die des CO2 allein.

Um das vollständige Interview mit Françoise Humbert zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Bemüht, dem geringen aber schnell wachsenden Beitrag der Luftfahrt zum Klimawandel zu begegnen, hat die Kommission im Dezember 2006 einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, um den Sektor in das EU-Emissionshandelssystem zu integrieren. 

Der Vorschlag beinhaltet das Verhängen einer Obergrenze für CO2-Emissionen für alle Flugzeuge, die Flughäfen in der EU anfliegen oder von ihnen starten. Fluggesellschaften wird es gleichzeitig erlaubt sein, ‚Verschmutzungszertifikate’ auf dem ‚Kohlenstoffmarkt’ der EU zu kaufen und zu verkaufen.

  • 13. November 2007: Abstimmung der ersten Lesung im Parlament.

  • 1. Januar 2011: Von der Kommission vorgegebene Frist zum Einbezug des Flugsektors in das CO2-Handelssystem.

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