G7-Gipfel: Zeit für Heldentaten

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Eine Grundschulklasse in Sambia. Der Kampf gegen die Geschlechterungleichheit ist eines der Themen am G7-Gipfel in Biarritz. Unter anderem gilt es, die Bildungschancen für Mädchen zu verbessern, so ONE.

Zur Stärkung von Frauenrechten wurden genug Reden gehalten. Jetzt kommt es auf Taten an!

Sie kämpfen unerbittlich gegen Ungerechtigkeit und Zerstörung. Sie schließen sich zusammen und bündeln ihre Fähigkeiten, um die Welt zu retten – ein ums andere Mal. Was Superheld*innen in Kinofilmen tun, können die G7-Regierungschef*innen in unserer realen Welt schaffen. Auch sie haben das Potential, globale Missstände wie extreme Armut und Geschlechterungerechtigkeit zu bekämpfen – allerdings nur, wenn sie auf Worte Taten folgen lassen und ihre Versprechen in puncto Gleichberechtigung umsetzen.

Ab diesen Samstag werden sich wie jedes Jahr die Staatenlenker*innen der „Gruppe der Sieben“ – bestehend aus Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten – in schöner Kulisse einfinden, um die Bewältigung globaler Herausforderungen zu diskutieren. Der diesjährige G7-Gipfel in Biarritz steht dabei unter einem besonderen Motto: „A G7 fighting inequality“ – Eine G7, die Ungleichheiten bekämpft. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Gastgeber des Gipfels, hat dies selbst zum großen Thema des Gipfels erhoben.

Im Fokus: die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, also die weltweite Benachteiligung von Frauen und Mädchen. Diesen Missstand haben die Regierungschef*innen bereits öffentlich anerkannt und sich den Kampf gegen Geschlechterungleichheit auf die Fahne geschrieben – zumindest verbal. So gab es bereits im Juni ein Treffen der Gleichstellungsminister*innen, bei dem es u.a. um eine Verbesserung der Bildungschancen für Mädchen ging. In Biarritz sollen nun endlich Taten folgen.

Wie können die G7 zur Bekämpfung von Geschlechterungleichheit beitragen?

Die beim G7-Gipfel vertretenen Staaten zählen zu den wirtschaftlich stärksten Industrienationen und auch zu den weltweit größten Gebern von Entwicklungsinvestitionen. Mit dieser enormen Macht geht auch eine große Verantwortung einher. Sie können mit ihren Entscheidungen auf dem Gipfel politische Weichenstellungen vornehmen, die über diese sieben Länder und über den Gipfel hinaus wirken können.

AGENDA: Sexismus besiegen

Heldenhafte Worte oder Taten? Die weltweite Sexismus-Krise dauert an.Die mächtigen G7 müssen sich JETZT für Gerechtigkeit stark machen.Denn mit großer Macht geht große Verantwortung einher. 💪#ProgressNotPromises #G7France

Geplaatst door ONE Deutschland op Maandag 12 augustus 2019

Die Entwicklungsorganisation ONE hat kürzlich ein Video veröffentlicht, das Angela Merkel, Präsident Macron, Justin Trudeau & Co als Superheld*innen zeigt, die im Angesicht der weltweiten Sexismus-Krise vor der Wahl stehen, tatenlos zuzusehen oder entschieden zu handeln. Darin werden sie an ihre eigenen Worte zum Kampf gegen Geschlechterungerechtigkeit erinnert.

Armut ist sexistisch

Was hat Armut nun aber mit Geschlechterungerechtigkeit zu tun? Leider geht beides Hand in Hand. Insbesondere in Entwicklungsländern sind Frauen und Mädchen in jeder Hinsicht stärker von Armut betroffen. In Subsahara-Afrika können oder dürfen rund 52 Millionen Mädchen keine Schule besuchen – verglichen mit 45 Millionen Jungen. Damit haben sie später als Frauen deutlich weniger Möglichkeiten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Außerdem genießen sie sowohl rechtlich als auch gesellschaftlich und politisch weniger Teilhabe. In 18 Ländern ist es legal, dass Männer ihren Ehefrauen verbieten zu arbeiten; jede dritte Frau weltweit hat kein Bankkonto. Global betrachtet sind lediglich 23 Prozent der Parlamentarier*innen Frauen. Obwohl Frauen in vielen Lebensbereichen den Großteil der Lasten schultern – zu Hause, bei der Arbeit und in der Gemeinschaft – werden sie durch kulturelle und rechtliche Schranken Opfer struktureller Gewalt.

Armut und Geschlechterungleichheit sind sich gegenseitig bedingende Faktoren. Das bedeutet: Wer Armut bekämpfen möchte, muss Frauen und Mädchen stärken. Wer Geschlechtergleichheit anstrebt, muss extreme Armut beenden.

Was können die G7-Staaten tun?

Wenn die G7 wirklich Ungleichheiten bekämpfen wollen, müssen sie die Stellung von Frauen und Mädchen stärken. Das muss im Zentrum jeder Entwicklungsagenda, jeder Investition, jedes nationalen wie internationalen Handelns stehen. Frauen müssen die gleichen Chancen erhalten. Das beinhaltet vor allem Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung sowie Finanzdienstleistungen – und nicht zuletzt politische Partizipation. Nur wenn die Ungleichheit der Geschlechter bekämpft wird, kann auch die Ungleichheit zwischen Arm und Reich schwinden. Denn die gute Nachricht ist: Frauen und Mädchen sind zwar am stärksten von extremer Armut betroffen, sie sind allerdings gleichzeitig die stärkste Waffe im Kampf gegen ebendiese Armut. Hätten Frauen in Afrika beispielsweise den gleichen Zugang zu Land oder landwirtschaftlichen Produktionsmitteln, könnten bis zu 150 Millionen Menschen von chronischem Hunger befreit werden.

Was wir brauchen, ist echter Fortschritt, keine leeren Versprechen. Das Problem anzuerkennen kann nur ein erster Schritt sein, auf den Taten folgen müssen; denn Reden alleine genügen nicht, um etwas zu bewirken. Mit einer Postkartenaktion für Gleichberechtigung und einem offenen Brief übt die NGO ONE bereits Druck auf die Entscheidungsträger*innen aus, der weltweiten Geschlechterungerechtigkeit endlich entschieden entgegenzutreten.

Sie mögen vielleicht keine Superkräfte haben, aber die Staats- und Regierungschef*innen der G7 haben es in der Hand, das Leben vieler Menschen zum Besseren zu wenden – es ist Zeit für Heldentaten.

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Zu den Autorinnen:

Uns, Luisa Kern (Politikstudentin an der FU Berlin) und Natalia Loyola Daiqui (Jura- und Philosophiestudentin an der LMU München), liegt dieses Thema besonders am Herzen. Deshalb sind wir als Jugendbotschafterinnen bei ONE aktiv, einer entwicklungspolitischen Organisation, die sich für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten einsetzt.

Weil wir wissen: “Armut ist sexistisch”, setzen wir bei ONE einen besonderen Fokus auf die Stärkung von Frauen und Mädchen. Denn wir sind überzeugt: Frauen müssen ihr Leben selbst bestimmen können und ein Mitspracherecht bei politischen Entscheidungen haben, die sie betreffen.

Vielleicht ist unser Jugendbotschafter*innen- Programm auch etwas für Dich? Jedes Jahr suchen wir junge Leute, die Lust haben, ONE auf Veranstaltungen und mit kreativen Aktionen zu präsentieren.

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