Charakter zeigt sich beim Umgang mit Frauen

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Das Thema Frauenrecht auf Abtreibung ist nicht auf einen Tag beschränkt sondern allgegenwärtig. [Foto: Rawpixel.com/shutterstock]

Der Weltfrauentag war gestern. Das Thema Frau ist aber nicht auf einen Tag beschränkt sondern allgegenwärtig. Das gilt erst recht für Europa und die EU.

Der liebestolle Zeus verwandelte sich in einen Stier, um der phönizischen Königstochter Europa zu gefallen. Dies gelang ihm und er entführte sie daraufhin übers Meer auf die Insel Kreta. Als Europa erkannte, wie es um sie geschehen war, begann sie zu weinen, doch Aphrodite stand ihr zur Seite und tröstete sie mit den Worten: „Weine nicht Europa, dein Name wird unsterblich sein.“ Europa gebar Zeus drei Kinder, später wurde sie die Gattin des Königs von Kreta. So die griechische Mythologie. Aphrodites Prophezeiung bewahrheitete sich: Europa lebt im Namen des Kontinents weiter.

Kein Weiterleben hingegen erfolgt für die gesellschaftliche Reduktion der Rolle der Frau auf ausschließlich Geliebte, Mutter, Ehefrau. Spätestens seit der Französischen Revolution werden Forderungen nach der politischen, normativen und gesellschaftlichen Gleichstellung von Männern und Frauen laut. Die erste Frauenbewegung, die in Europa spätestens ab 1848 einsetze, bedeutete das erste Aufbrechen traditioneller Geschlechterrollen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erlangten Frauen in vielen europäischen Staaten den Zutritt zu fast allen Studienrichtungen und auch das Wahlrecht.

Richard Coudenhove-Kalergi erkannte das „Potential“ der Frauen für sein Paneuropa, er hatte Kontakte zu damals namhaften Persönlichkeiten wie Anita Augsburg oder Selma Lagerlöf, lud Frauen zur politischen Mitwirkung an Paneuropa ein und hielt Vorträge in Frauenvereinen. Coudenhove war dabei von einer Grundeinstellung gegenüber Frauen geleitet, die in seiner Aussage „Den Charakter eines Mannes erkennt man im Umgang mit Frauen“ gipfelt.  Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, die Vision von einem vereinten Europa ist Realität: am 25. März 2017 feiert die EU ihren 60. Geburtstag. Bereits in ihren Gründungsverträgen findet man die Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, die auf eine Gleichbehandlung der Geschlechter im Erwerbsleben hinweist.

Wenngleich dieser Artikel aus rein wirtschaftlichen und pragmatischen Überlegungen formuliert wurde, kommt diesem in Folge seiner Auslegung ab den Siebziger Jahren weitreichende Bedeutung zu. Die Gründung der Politischen Union durch den Vertrag von Maastricht bedeutet schließlich die Weiterentwicklung der Gleichstellung von Frauen und Männern auch auf der politischen Ebene.  Mit der Etablierung des Gender Mainstream-Ansatzes 1996 ist unter anderem die Berücksichtigung einer geschlechterbezogenen Sichtweise bei allen politischen Entscheidungen gemeint. Dadurch erfolgt ein qualitativer Wandel in der Frauenpolitik der EU. Diese findet in diversen Frauen-Förderprogrammen ihren Niederschlag sowie in den speziellen Entscheidungen des EuGH, dem wichtigsten Motor der europäischen Integration. Schließlich findet die Gleichheit von Mann und Frau im Vertrag von Lissabon als Wert explizite Erwähnung.

Zu den weiteren Werten zählt auch die Nichtdiskriminierung, die sich nicht nur auf das Geschlecht, sondern unter anderem auch auf Weltanschauung, ethnische Zugehörigkeit und Alter bezieht. In diesem Sinne sei Coudenhoves oben zitierte Aussage paraphrasiert:  „Den Charakter eines Menschen erkennt man im Umgang mit Menschen“.   Dies soll sich nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den alltäglichen Handlungen wiederfinden! Ein  hehrer Wunsch an dessen Erfüllung die Politiker und Politikerinnen der EU arbeiten müssen.

Univ. Prof. Anita Ziegerhofer lehrt an der Karl-Franzens-Universität Graz Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung.

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