Bilder aus Amerika

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Nach der Ermordung von George Floyd durch Polizeibeamte in Minneapolis sind in den gesamten Vereinigten Staaten Proteste ausgebrochen. [EPA-EFE | Etienne Laurent]

Die Geschichte ist bekannt: George Floyd wurde vor zehn Tagen in Minneapolis ermordet, als ein Polizist ihn mit Unterstützung von drei anderen Beamten fast neun Minuten lang mit dem Knie im Nacken zu Boden drückte. Seitdem haben Proteste das Land aufgewühlt.

Die Polizei feuerte Gummigeschosse auf Demonstranten ab, die gegen Rassismus und Polizeigewalt protestierten. Der Präsident ordnete an, Tränengas auf friedliche Demonstranten zu feuern, um ihm den Weg für einen Fototermin frei zu schießen.

Die Bilder und Videos sind brutal, gewalttätig, schrecklich. Leider sind sie jedoch keine Überraschung.  Denn die Liste der Opfer amerikanischer Polizeibrutalität ist lang.

George Floyd ist nicht einmal in Minnesota der erste schwarze Mann, dessen Tod auf Video festgehalten wurde. Während einer Verkehrskontrolle im Jahr 2016 erschoss die Polizei Philando Castile mit fünf Schüssen – aus kurzer Distanz.

Eric Garner wurde 2014 vor laufender Kamera von der Polizei auf den Straßen von New York City getötet. Der Grund: die Polizei verdächtigte ihn, illegal Zigaretten zu verkaufen. 

Der amerikanische Rassismus endet nicht bei der Polizeigewalt. Der schwarze Autor Scott Woods erinnert uns daran, dass „Hass nur eine Manifestation [des Rassismus] ist“. Andere Manifestationen seien Privilegien, ungleicher Zugang (engl. access), Ignoranz und Gleichgültigkeit.

Eine Form des Rassismus ist auch die massive Ungleichheit im Gesundheitssystem, die dazu führt, dass schwarze Amerikaner dreimal häufiger durch COVID-19 zu Tode kommen als weiße. Ebenso ist es für schwarze Mütter dreimal so wahrscheinlich, bei der Entbindung zu sterben.

Dazu kommt ein ungeheures Wohlstandsgefälle. Das durchschnittliche weiße Haushaltsvermögen ist laut Pew Research zehnmal höher als das durchschnittliche Vermögen in schwarzen Haushalten. 

Eine weiße Frau wie mich sollte man nicht nach meiner Meinung zu einem Thema fragen, das ich nie erleben oder verstehen werde, und allzu oft finden weiße Rassismusdebatten statt, ohne dass BIPOC (Black, Indigenous and People of Color) anwesend sind.

Auch in Deutschland geschah dies am vergangenen Wochenende, als ein rein weißes Panel in einer Talkshow die Ereignisse in den USA diskutierte. Als Reaktion darauf forderte der ehemalige Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu die Show auf, „endlich zu lernen, mit Betroffenen zu reden, statt über sie”.

Das beginnt damit, dass man sich die Zeit nimmt, zuzuhören und zu lernen. Es ist unsere Aufgabe, uns mit der Geschichte der Sklaverei, dem Kolonialismus und den anderen Grundlagen für die heute bestehenden rassistischen Systeme zu befassen. Dazu gehört, uns mit  Projekten wie dem The 1619 Project der New York Times auseinanderzusetzen und Bücher von schwarzen Autoren wie Ta-Nehisi Coates, Ibram X. Kendi und Audre Lorde zu lesen. Forschung über die wirksamsten Reformen zur Beendigung der Polizeigewalt von Organisationen wie Campaign Zero aktiv zu verfolgen. Schwarzen Aktivisten wie Rachel Cargle, Deray McKesson und Brittany Packnett Cunningham in sozialen Medien zu folgen.

Es bedeutet auch, die Worte und Erfahrungen der europäischen BIPOC (darunter Fatima El-Tayeb, Natasha Kelly, Katharina Oguntoye im deutschsprachigen Raum) zu hören.

Und dazu gehört, sich daran zu erinnern, dass Europa alles andere als immun gegen Rassismus  ist.

Am vergangenen Montag, dem 1. Juni, schrieb Chiponda Chimbelu in einem Meinungsbeitrag für die Deutsche Welle, dass „es keine Linderung für mich ist, dass ich in Deutschland [statt in den USA] lebe… Seit Jahren werden schwarze Männer und Frauen in den USA und Europa ermordet und getötet, sogar von der Polizei, nur weil sie schwarz sind“. 

Dazu gehören mehrere Vorfälle deutscher Polizeigewalt gegen BIPOC, die hier von Thembi Wolf von VICE detailliert dargestellt werden, sowie der Tod von Adama Traoré in französischer Polizeihaft im Jahr 2016. 

Die Gewalt in den USA macht deutlich, dass es höchste Zeit ist, mit der Arbeit zu beginnen. Dies kann mit einem klaren Statement beginnen: Black lives matter.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN