Millionen von Osteuropäern hätten kein Bankkonto und lebten in „finanzieller Ausgrenzung“, so eine Studie, die gestern (28. Mai 2008) von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde. Doch selbst in den ‚alten’ Mitgliedstaaten gebe es eine Kluft zwischen dem reicheren Norden und dem Süden.
Die Studie zeigt, dass viele europäische Länder einen hohen Prozentsatz an Bürgern ohne Bankkonto aufweisen, was vermutlich negative soziale Auswirkungen hat.
In der Regel hätten Länder mit einem höheren BIP pro Kopf einen sehr kleinen Prozentsatz an Bürgern ohne Bankkonto, so die Studie: weniger als 1% in Luxemburg, 1% in Belgien, in den Niederlanden und in Dänemark sowie 2% in Frankreich und Schweden. Andererseits liegt diese Ziffer in Griechenland bei 28%, 17% in Portugal und 16% in Italien.
Unter den zwölf neueren EU-Mitgliedern ist Lettland mit 48% das Land mit den meisten Bürgern ohne Bankkonto, gefolgt von Litauen (41%), Polen (40%), Ungarn (34%), der Slowakei (26%), Malta (21%), Zypern (18%), der Tschechischen Republik (17%), Estland (16%) and Slowenien (6%). Für die jüngsten EU-Mitglieder – Bulgarien und Rumänien – liegen keine Daten vor.
Der Durchschnitt der EU-15 liegt bei 7%, im Vergleich zu 34% bei den zehn Ländern, die 2004 der Union beitraten.
Finanzielle Ausgrenzung stehe in enger Verbindung mit sozialer Ausgrenzung, unterstreicht die Studie. Daher fordert sie Politiker auf, Aspekte der finanziellen Ausgrenzung bei allen Maßnahmen, die sie im Hinblick auf soziale Ausgrenzung oder Armut ergreife, in Erwägung zu ziehen.
Regierungen sollen bei der Förderung der Integration von Bankdiensten ebenfalls einen Teil der Verantwortung tragen. Die Studie betont jedoch den Mangel an nationalen Debatten über finanzielle Integration.
In der Hälfte der von Studie erfassten Länder – im Vereinigten Königreich, Irland, Frankreich, Belgien, Österreich, Italien und Dänemark – wurde die Debatte bisher von verschiedenen Akteuren geführt, Regierungen eingeschlossen. In der anderen Hälfte – Bulgarien, Litauen, Polen und die Slowakei – mangele es jedoch an einer nationalen Debatte über finanzielle Integration, so die Studie.
EU-Kommissar für soziale Angelegenheiten Vladimir Špidla sagte zur Studie, dass die Tatsache, kein Bankkonto zu besitzen, für Familien mit niedrigen Einkommen weitere Probleme hervorrufen könne, beispielsweise im Wohnungs- und Gesundheitswesen oder bei einer Reihe von Sozialdiensten.
Sicherzustellen, dass jeder einzelne Europäer grundlegende Bankdienste nutzen könne, sei daher ein zentrales Ziel der EU und werde Teil der erneuerten sozialen Agenda der Kommission sein, die sie im kommenden Monat vorlegen werde, bemerkte Špidla.

