Wie Hoffenheim nach Uganda kam

Ungewöhnliches Engagement: Die TSG Hoffenheim pflanzt Bäume und unterstützt mit einer eigener Sportmarke die lokale Landwirtschaft sowie die Spinnereibetriebe in Uganda. [Shutterstock]

Die TSG 1899 Hoffenheim pflanzt Bäume in Uganda – für den Umweltschutz. Denn während sich das Thema Nachhaltigkeit im Fußball früher darauf beschränkte, dass man abends das Licht im Stadion ausschaltete, gehen Fußballvereine inzwischen ganz neue Wege.

Der Sport kann und sollte hier seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen.” Für Stefan Wagner, der unter anderem für die TSG 1899 die Stabsstelle Unternehmensentwicklung verantwortet, muss jeder eine Rolle bei der Minderung seiner Klimaauswirkungen spielen.

Das gilt auch für die Fußballindustrie, die bisher wenig mit Klimaschutz in Verbindung gebracht wurde.

Mission Klimaneutralität im Fußball

Fußball hat erhebliche Wirkung auf das Klima. Einige Fußballvereine werden sich dessen zunehmend bewusst und versuchen, ihre CO2-Emissionen zu begrenzen. Angeführt wird die Bewegung in Deutschland seit einem Jahrzehnt von einem Verein.

2019 markierte einen Wendepunkt für die TSG Hoffenheim. Während der Klimawandel die Nachrichten dominierte, kündigte man im August die Absicht an, klimaneutral zu werden. Seit Beginn der laufenden Saison ist die TSG nun „konsequent klimaneutral und kompensiert alle nicht vermeidbaren Emissionen“, erklärte der Club in einer Pressemitteilung. 

Während viele Vereine versuchen, ihre CO2-Emissionen durch den Kauf von Zertifikaten oder die Stromerzeugung aus Solarmodulen auf den Stadiondächern auszugleichen, ist der Club aus dem Kraichgau bei seinem Ansatz etwas kreativer. 

Bäume pflanzen in Uganda

Im Rahmen der Allianz für Entwicklung und Klima kompensiert der Verein seinen CO2-Fußabdruck über ein Aufforstungsprojekt im Kikonda-Wald in Uganda. 3000 Tonnen CO2, so der Verein, seien in dieser Saison bereit eingespart worden.

Seit Oktober können Fans darüber hinaus auch sogenannte „Klima-Tickets“ kaufen: Pro Ticket wird damit für jeden weiteren, gespendeten Euro ein Baum-Setzling im Kikonda-Wald gepflanzt. 

Seit Beginn dieser Initiative haben sich bisher nur zehn Prozent der Fans für das Upgrade entschieden. Für Wagner ist es dennoch „ein sehr guter Anfang“, auch im Vergleich zu anderen Fußballclubs.

 Wie nachhaltig kann Fußball sein?

Fußball begeistert, bringt zusammen und ist für manche wie eine Religion, so auch beim Finale der Frauen-Fußballweltmeisterschaft in Frankreich am Sonntag. Fußball hat aber auch bislang wenig beachtete Schattenseiten: Müllberge, Wasserverschwendung, Schadstoffmengen. Das Projekt Life Tackle will das ändern.

Der deutsche Fußballverein unterstützt darüber hinaus die nachhaltige Entwicklung in Uganda. Unter dem Motto „TSG ist Bewegung“ hat der Club unter anderem die Bekleidungsmarke Umoja ins Leben gerufen. Umoja bedeutet auf Swahili „Einheit“.

Die gesamte Kollektion wird von lokalen Kleinbauern und Spinnbetrieben in Uganda hergestellt. Zehn Prozent der Einnahmen aus Umoja-Käufen fließen in die Unterstützung der anderen Projekte der Hoffenheimer im Land, wie z.B. einer Grundschule im Kasese-Distrikt.

Die Emissionen der Fans bleiben ein Problem

Mit ihren Initiativen in Uganda mag die TSG Hoffenheim bereits einiges angestoßen haben. Eines der größten Klimaprobleme des deutschen Fußballs bleibt aber auch in Baden bestehen: die Emissionen der Fans, die teils von weit her zu Spielen anreisen – meist mit dem Auto.

7.753 Tonnen CO2-Emissionen sind es laut einer Studie pro Spieltag in der ersten Fußball-Bundesliga.

NGOs und Fans einig: Einwegplastik soll raus aus den Stadien

NGOs rufen Fußballclubs der vier höchsten britischen Ligen auf, Einweg-Kunststoff wie Plastikbecher aus den Stadien zu verbannen. Ein Großteil der Fans scheint diese Forderung zu unterstützen.

Während die TSG also bereits ihre eigenen CO2-Emissionen durch den Spielbetrieb über WWF Wiederaufforstungszertifikate abdeckt, ändert das nichts am Klima-Fußabdruck der eigenen Fans, wenn diese zu den Spielen anreisen.

Das, meint Wagner, sei aber nicht die Verantwortung der Bundesliga-Clubs: „Natürlich stehen wir in der Pflicht, Konzepte und Anreize für eine möglichst klimafreundliche Anreise zu setzen. Die Verkehrswende aber sollte nicht den Fußballvereinen übergeben werden. Das muss übergeordnet passieren.“

"Sports for Future": Deutsche Sportler erheben ihre Stimme gegen den Klimawandel

Deutsche Sportler, Verbände, Vereine und Unterstützer schließen sich zusammen, um die Bewegung „Fridays for future“ zu unterstützen und das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Bekämpfung des Klimawandels zu schärfen.

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