Trotz Lampedusa: Deutsche wollen keine zusätzlichen Flüchtlinge

Flüchtlinge in Lampedusa. In die EU sollen sie dürfen, so die Mehrheit der Deutschen, aber bitte nicht nach Deutschland. Foto: dpa

Die meisten Deutschen wollen keine zusätzlichen Flüchtlinge in die Bundesrepublik lassen. Besonders hoch ist die Ablehnung unter den Anhängern von CDU/CSU und der Alternative für Deutschland (AfD). Die EU insgesamt könne dagegen ruhig mehr Flüchtlinge aufnehmen.

Auch nach der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa will gut die Hälfte der Deutschen nicht, dass die Bundesrepublik zusätzliche Flüchtlinge aufnimmt. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend sprachen sich 51 Prozent der rund 1000 Befragten dagegen aus, weitere Migranten in Deutschland anzusiedeln. Dafür sind lediglich 43 Prozent.

Besonders groß ist die Ablehnung bei Anhängern der Union (61 Prozent) und der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) (70 Prozent). Unter Anhängern der Grünen ist dagegen die große Mehrheit von 72 Prozent für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen. Bei der SPD ist es mit 54 Prozent gut die Hälfte, bei den Linken sind es 48 Prozent.

Obwohl die meisten Deutschen keine zusätzlichen Flüchtlinge in Deutschland wollen, ist eine Mehrheit von 52 der Befragten der Meinung, dass die EU insgesamt sehr wohl mehr Flüchtlinge aufnehmen sollte. Selbst unter den AfD-Sympathisanten sprechen sich 44 Prozent dafür aus. Bei der Union sind es 46 Prozent.

Über die Beweggründe der Befragten gibt die Umfrage keinen Aufschluss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich erklärte Anfang der Woche beim Innenminister-Treffen in Luxemburg: "Deutschland ist das Land, das die meisten Flüchtlinge in Europa aufnimmt". Das stimmt – allerdings nur in absoluten Zahlen. Setzt man die Anzahl der Asylbewerber in Relation zur Einwohnerzahl des jeweiligen EU-Landes, liegt Deutschland nur noch im Mittelfeld.

Die Bootskatastrophe vor der italienischen Insel Lampedusa hatte eine neue Debatte über die europäische Flüchtlingspolitik ausgelöst. Bei dem Unglück waren vermutlich mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen.

Die EU-Abgeordneten stimmten am Donnerstag (10. Oktober) der Einführung des neuen Grenzüberwachungssystems EUROSUR zu, das illegale Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen besser aufspüren soll. Das System soll auch dabei helfen, Bootsflüchtlinge in Seenot rascher zu retten.

EURACTIV/rtr/pat

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