Serbien: Rassistische Proteste zum Roma-Tag

In Belgrad lebende Roma sollen aus ihren Baracken im Zentrum der Stadt an den Stadtrand umgesiedelt werden. Die Einwohner des Vorortes sind wütend. Bei den Protesten gegen die Neuankömmlinge wurden am Internationalen Tag der Roma Polizisten und Demonstranten verletzt.

Die Einwohner des Belgrader Vorortes Resnik sind wütend. Die Regierung hat entschieden, die im Stadtzentrum in Baracken lebenden Roma in ihre Gemeinde umzusiedeln. Sie sollen dort in Containern untergebracht werden, die der Staat finanziert und derzeit aufbauen lässt. Die Einwohner haben angekündigt, dass sie die nahe gelegene Zugstrecke lahmlegen werden, falls die Regierung an den Umsiedlungsplänen festhält.

Am 8. April, dem Internationalen Tag der Roma, kam es aus Protest gegen die geplante Umsiedlung zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den aufgebrachten Einwohnern von Resnik. Dabei wurden zwölf Beamte und zwei Demonstranten verletzt. Etwa 20 Demonstranten wurden von der Polizei festgenommen, die den Aufbau der Container sicherte.

Der Belgrader Bürgermeister Dragan ?ilas nannte den Protest "rassistisch". Er lehnte eine Verhandlung über die Umsiedlungspläne zwischen Belgrad und den Bewohnern von Resnik ab.

EU-Gelder für Roma-Programme

Während es in dem Vorort zu den Zusammenstößen kam, wurde der Internationale Tag der Roma im serbischen Parlament in Belgrad offiziell begangen. Der Vize-Premierminister Božidar ?eli? erklärte, die Regierung habe entschieden, die Baracken im Stadtzentrum zu entfernen und den Bewohnern neue Unterkünfte anzubieten.

Laut ?eli? hat Serbien für 2012 und 2013 insgesamt 15 Millionen Euro an EU-Mitteln erhalten, mit denen die Lage der Roma im Land verbessert werden soll. Die Stadt Belgrad habe zudem 67 Millionen Euro bei der Europäischen Investitionsbank EIB beantragt, um 200 Wohnungen für Roma bauen zu können.

Ziel rassistischer Übergriffe

Serbiens Gleichstellungsbeauftragte Nevena Petruši? sagte, dass die Roma in Serbien immer wieder das Ziel rassistischer Übergriffen und von Hassreden sind. "In unserem Land gibt es Schulen, die Rassentrennung betreiben. Roma-Kinder finden sich in seperaten Schulgebäuden wieder. In vielen Städten gibt es widerwärtige Graffiti und Hakenkreuze an den Wänden", heißt es in einer schriftlichen Erklärung von Petruši?, aus der Courrier des Balkans zitiert.
Legal unsichtbare Menschen

Milan Markovi?, Minister für Menschen- und Minderheitenrechte, sagte, dass zwischen 2.400 und 6.000 "legal unsichtbare" Menschen in Serbien lebten.

Markovi? meint damit Menschen ohne Ausweispapiere, zu denen meist Roma gehören. Er verwies darauf, dass die Regierung an einer neuen gesetzlichen Regelung arbeitet, damit Roma, die keinen festen Wohnsitz haben, leichter einen Ausweis erhalten können.

Laut der letzten Volkszählung im Jahr 2002 leben 108.000 Roma in Serbien. Inoffizielle Schätzungen gehen allerdings davon aus, dass etwa 450.000 Roma in dem Land mit insgesamt 7,3 Millionen Einwohnern leben.

EURACTIV.com

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