Rätselhafte Fußballerkrankheit dank Doping?

Sind Fouls für das Auftreten seltener Krankheiten verantwortlich? Foto: dpa.

Experten sind ratlos: Die seltene Krankheit ALS betrifft Fußballer weltweit überdurchschnittlich oft. Auch Doping könnte eine Ursache sein. Eine europäische Datenbank soll Klarheit bringen, fordern EU-Abgeordnete. Der Molekularbiologe Werner Franke weist gegenüber EURACTIV.de darauf hin, dass Doping im Fussball kaum wahrgenommen wird.

Der italienische EU-Abgeordnete Salvatore Iacolino forderte vergangene Woche EU-Gelder für die genauere Untersuchung der seltenen neuro-genetischen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Eine Studie der Staatsanwaltschaft Genua zeigt, dass Profifußballer bis zu 24-mal häufiger an dieser Krankheit leiden. Vor allem in Italien sind bereits viele Spieler betroffen.

Die Krankheit schädigt Nervenzellen und gilt als unheilbar. Zu den möglichen Ursachen der Krankheit zählt neben genetischen Vorbelastungen, Medikamentenmissbrauch, wiederholten Verletzungen des Gesichts und der Gliedmaßen und häufigem Kontakt mit Herbiziden und Pestiziden, wie sie in Fußballstadien zum Einsatz kommen, auch Doping. Das ist das Ergebnis einer Studie des Amerikanischen Gesundheitsinstituts (NHI).

Dem Dopingexperten Werner Franke zufolge wird entgegen der öffentlichen Wahrnehmung auch im Fußball häufig auf leistungssteigernde Substanzen zurückgegriffen. Die Gefahr körperlicher Folgeschäden sei insbesondere bei entsprechender genetischer Veranlagung hoch. Aus Mangel an verlässlichen Daten über die Krankheit ALS könnten aber noch keine endgültigen Aussagen getroffen werden, so Franke gegenüber EURACTIV.de.

Datenbank für Fußballer

Der EU-Abgeordnete Iacolino fordert eine EU-Datenbank, um der hohen Verbreitung unter Fussballern auf den Grund zu gehen. Darin sollen Verletzungen und die Behandlung mit Medikamenten dokumentiert werden. So könnten im Fall einer späteren Erkrankung Rückschlüsse auf bestimmte Ursachen gezogen werden.

Auch Werner Franke hält die Einrichtung einer solchen Datenbank für sinnvoll. Er verweist auf ähnliche Datenbanken, wie sie in Italien bereits existieren.

Derartige Datenbanken sind unter Sportlern allerdings umstritten, da sie die Privatsphäre berühren. Befürworter argumentieren, ohne die Daten komme die ALS-Forschung nicht voran.

Besonders viele Fälle in Italien

ALS ist speziell unter Spielern italienischer Vereine verbreitet. Vergangene Woche machte die mögliche Erkrankung des berühmten Spielers Giancarlo Galdiolo Schlagzeilen. Dieser hatte in den 1970er Jahren für Fiorentina gespielt. Viele seiner ehemaligen Teamkollegen starben bereits an ungeklärten Gesundheitskomplikationen.

Der bekannteste Fall einer ALS-Erkrankung ist der des früheren Fiorentinastars Stefano Borgonovo. Er leidet nachgewiesenermaßen seit 2008 an der Krankheit. Aber auch aus den USA und Großbritannien wird von ALS-Erkrankungen berichtet.

Eine europäische Aufgabe?

Seit Anfang des Jahres verfügt die EU über Kompetenzen im Bereich Sport und Gesundheit. Der Vertrag von Lissabon sieht vor, eine "europäische Dimension" im Sport zu entwickeln, die "dem Schutz der körperlichen und seelischen Unversehrtheit der Sportler, insbesondere der jüngeren Sportler" dient.

EU-Gesundheitskommissar John Dalli sagte, die Kommission sei sich dem erhöhten ALS-Risiko für Fussballer bewusst. Die Behörde gehe bereits gegen seltene Krankheiten wie ALS vor. Bisher habe er allerdings mit Bedauern feststellen müssen, dass kein einziger Antrag auf Finanzierung eines ALS-Projekts an die EU-Kommission gestellt worden sei. Das soll sich nun ändern. Auf Nachfrage von EURACTIV ließ die EU-Kommission allerdings offen, ob sie die Datenbank-Initiative aufgreifen will.

hme/EURACTIV

Mehr zum Thema

EURACTIV: Erstes Treffen der EU-Sportminister billigt soziale Prioritäten (11. Mai 2010)

EURACTIV: Brüssel spielt Erwartungen an Sportpolitik herunter (23. April 2010)

EURACTIV: Europäische Sportminister diskutieren über Ethik und Gendoping (29. Januar 2010)

EURACTIV: Lissabon-Vertrag gibt EU Mitsprache beim Sport (29. Januar 2010)

Links


EU-Kommission
: Sport

EU-Kommission:
Seltene Krankheiten

Subscribe to our newsletters

Subscribe