Per „Glücksrad“ zum bedingungslosen Grundeinkommen

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Eine Initiative in Bern wirbt für ein bedingungsloses Grundeinkommen, 25. Januar 2016 [Generation Grundeinkommen/Flickr]

Miko ist erst fünf, erhält aber schon ein Jahr lang 1.000 Euro im Monat. Der junge Berliner ist einer der Probanden, die das bedingungslose Grundeinkommen testen dürfen. EURACTIV-Kooperationspartner Ouest-France berichtet.

„Er kann es noch nicht verstehen, aber für die ganze Familie war es wirklich aufregend“, freut sich Mikos Mutter, Birgit Kaulfuss. Ihr jüngster Sohn wurde im Dezember bei einer Verlosung, an der auch seine Eltern teilnahmen, als Testperson gezogen. Insgesamt 85 Probanden, darunter etwa zehn Kinder, haben seit Mitte 2014 eine vorübergehende Ein-Jahres-Rente von 1.000 Euro im Monat bezogen. Für die Kosten kamen mehr als 55.000 Privatpersonen auf, zusammengetragen von dem privaten Berliner Crowd-Funding-Projekt „Mein Grundeinkommen“.

EU-Kommission interessiert sich für bedingungsloses Grundeinkommen

EU-Beschäftigungskommissarin Marianne Thyssen will Freigeld-Experimente wie das bedingungslose Grundeinkommen genau im Auge behalten. Dies sei angesichts des „grundlegenden Wandels in der Arbeitswelt“ sinnvoll. EURACTIV Brüssel berichtet.

„Ich habe dank meines ersten Start-ups ein regelmäßiges Einkommen erreicht. Seitdem ist mein Leben kreativer und gesünder geworden. Darum wollte ich ein soziales Experiment starten“, erklärt der 31-jährige Gründer Michael Bohmeyer.

Mit einem „Glücksrad“ geschickt in Szene gesetzt, wird jeder neue Gewinner per Zufall live in Internet gekürt. Der Sinn und Zweck des Ganzen? Die Initiative will herausfinden, was passiert, wenn man genug Geld zum Leben verdient, ohne dafür arbeiten zu müssen.

„Sie alle schlafen besser und noch niemand von ihnen ist zum Faulenzer geworden“, fasst Bohmeyer die bisherigen öffentlichen Stellungnahmen der Teilnehmer zusammen. Sie zeigen unterschiedlichste Erfahrungen von weniger Geldsorgen bis hin zu persönlichen Kehrtwenden.

„Geschenk und Anreiz“

Für Mikos Eltern Eike und Birgit, die als Grafiker und Fotografin ein eher unregelmäßiges Einkommen erzielen, ist dies die Möglichkeit, entspannter zu leben und zum ersten Mal gemeinsam als Familie in den Urlaub zu fahren.

„Ohne den Alltagsdruck kann man kreativer werden und Neues ausprobieren“, erklärt Valerie Rupp in einem ARD-Interview. Auch sie zählte zu den glücklichen Gewinnern. Ihr war es dank des Einkommens möglich, sich sowohl um ihr Neugeborenes als auch um ihre Karriere als Dekorateurin kümmern. Ihr Ehemann, der erst vor Kurzem aus Mali nach Deutschland kam, konnte Deutschunterricht nehmen.

Viele Gewinner beschlossen, sich weiterzubilden; manche kündigten Stellen, mit denen sie gerade so über die Runden kamen, um Ausbilder oder Mentaltrainer zu werden. Andere nutzten die Zeit, um eine chronische Krankheit auszukurieren, vom Alkohol loszukommen, für einen Verwandten zu sorgen oder ihren Kindern das Studium zu finanzieren.

„Es ist Geschenk und Anreiz zugleich“, betont die Gewinnerin Astrid Lobeyer. Die Probandin lernte, Lobreden bei Trauerfeiern zu halten, und studierte die therapeutische Alexander-Technik zur Muskelentspannung.

In den sozialen Medien boomt die Initiative bereits und regt viele Deutsche zum Nachdenken über ein bedingungsloses Grundeinkommen an. Auch Finnland begann einen Testlauf mit etwa 2.000 Arbeitslosen. In Frankreich erweist sich die Frage nach einem bedingungslosen Grundeinkommen so kurz vor den Präsidentschaftswahlen ebenfalls als wichtiges Thema.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Finnland macht es vor

Die Diskussionen zwischen Gegnern und Befürwortern eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) könnten heftiger nicht sein. Doch statt hoher Arbeitslosigkeit weiter zuzuschauen, hat Finnland jetzt gehandelt und das BGE landesweit in einem Pilotprojekt eingeführt.

Wahlkampfthema?

Die Utopie eines solchen Systems, das bereits von Alaska bis nach Namibia getestet wurde, ist schon seit 2009 Gegenstand einer Petition, die mittlerweile 50.000 Unterschriften sammeln konnte, vom Bundestag jedoch abgelehnt wurde. Laut einer Studie von Emnid waren im Juni 2016 etwa 40 Prozent der Deutschen für ein universelles Grundeinkommen.

Robotik-Bericht: Nein zum bedingungslosen Grundeinkommen

Das EU-Parlament hat am gestrigen Donnerstag gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen gestimmt, das die Auswirkungen intelligenter Maschinen auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen sollte. EURACTIV Brüssel berichtet.

In einigen Monaten sind Bundestagswahlen und schon jetzt gibt es eine Ein-Themen-Partei, die sich für ein Mindesteinkommen stark macht: das Bündnis Grundeinkommen. Auf die Agenden der großen Volksparteien scheint es die Idee jedoch noch nicht geschafft zu haben.

Das Konzept findet sowohl links als auch rechts, unter katholischen Organisationen und bei großen Geldgebern Zuspruch. Die Beweggründe sind unterschiedlich: Armut bekämpfen, Bürokratie abbauen oder auf die Umwälzungen am Arbeitsmarkt im Zeitalter der Digitalisierung reagieren.

Den Rest des Artikels finden Sie bei Ouest-France.