O’Reilly: Schluss mit unbezahlten Praktika im Auswärtigen Dienst

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Die EU-Bürgerbeauftragte hat der Europäischen Kommission wegen der umstrittenen Blitzbeförderung des Deutschen Martin Selmayr eine Rüge erteilt. [European Parliament]

Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) zahlt Praktikanten in Auslandsdelegationen kein Gehalt. Schluss damit, fordert die EU-Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die 600 in Vollzeit arbeitenden Trainees des Auswärtigen Dienstes in Übersee erhalten keinen müden Pfennig für ihre Leistung. In anderen EU-Institutionen sei es gängige Praxis, Praktikanten zu bezahlen, bemängelte eine österreichische Praktikantin der Asien-Delegation im EAD. Am 17. Februar schaltete sich daher auch Emiliy O’Reilly, Bürgerbeauftragte der EU, in das Thema ein.

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Junge Menschen aus weniger wohlhabenden Verhältnissen würden durch solche Bedingungen benachteiligt, da sie es sich seltener leisten können, eine unbezahlte Stelle anzunehmen, kritisiert sie. „Praktika im Auswärtigen Dienst der EU können jungen Menschen als wichtiges Karrieresprungbrett dienen und sollten daher so vielen Anwärtern wie möglich offenstehen.“

Zum Vergleich: Das EU-Parlament bietet fünfmonatige Praktika mit einem Gehalt von 1.200 Euro im Monat. Kommissionspraktikanten erhalten etwa 1.100 Euro monatlich.

Auch Marta Jasinska war früher Trainee bei der EU-Kommission. Sie gab damals ihren bezahlten Job in Großbritannien für das Praktikum in Brüssel auf. „Ich wäre nie in der Lage gewesen, hierher zu ziehen und die Stelle anzunehmen, wenn sie nicht bezahlt gewesen wäre“, erklärt sie im Gespräch mit EURACTIV. „Diese Tür wäre für mich einfach verschlossen geblieben.“

Viele andere ihrer Praktikumskollegen seien in einer ähnlichen Situation gewesen, so Jasinska. Abgesehen vom Stipendium verfügten sie anderweitig über keinerlei Einkommen, auf das sie hätten zurückgreifen können. Denn wie auch sie hatten einige ihre gut bezahlten Jobs zurückgelassen, um das Praktikum bei der Kommission anzunehmen. Dennoch seien sie in der Minderheit gewesen.

Der EAD müsse einen Zuschuss gewähren, der auf den Lebenshaltungskosten des jeweiligen Landes basiert, so O’Reilly. Sicherzustellen, dass jeder faire und gleiche Chancen auf ein Praktikum hat, „wird sowohl den Trainees als auch den Delegationen zugutekommen“, unterstreicht sie.

Auf die Beschwerde der österreichischen Praktikantin reagierte der EAD ungerührt. Sie habe von vornherein gewusst, dass es sich um eine unbezahlte Stelle handle und habe einen Vertrag unterschrieben, in dem es hieß, dass sie Vollzeit als „freiwillige Helferin“ arbeiten würde.

Auf einer Pressekonferenz des EADs am 17. Februar kam die Frage auf, ob die Institution vorhabe, in Zukunft ihre Übersee-Praktikanten zu bezahlen. „Wir denken hier über verschiedene Möglichkeiten nach“, so die Sprecherin. „Wir haben bereits Maßnahmen ergriffen, die für mehr Transparenz bei der Bezahlung unserer Praktika sorgen soll.“ Der EAD bietet ihr zufolge sowohl bezahlte als auch unbezahlte Praktikumsplätze an.

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